
(SOUFFLENHEIM) Wer durch den Wald von Haguenau Richtung Rhein fährt, landet fast zwangsläufig in Soufflenheim – einem unscheinbaren Ort mit knapp 4.700 Einwohnern, der sich wegen seiner Töpferei den Beinamen „Cité des Potiers“ verdient hat.

Und das seit 3800 Jahren hier beheimatete Töpfer-Handwerk an: Entlang der Grand’Rue reiht sich Werkstatt an Werkstatt, Schaufenster um Schaufenster voller Terrakotta in erdigen Rot- und leuchtenden Blautönen.



Die Wurzeln dieser Tradition reichen erstaunlich weit zurück: Bodenfunde belegen Töpferei in den Waldgebieten des heutigen Nordelsass bereits seit der Bronzezeit (etwa 1800 v.Chr.), begünstigt durch die mehrere Meter dicken Lehmschichten unter dem sandigen Boden der Region. Eine „hübsche“in Lehm gemeisselte“ Legende erzählt, dass einst Kaiser Friedrich Barbarossa von einem Töpfer vor einem wütenden Eber gerettet worden sei – zum Dank soll er den Handwerkern die Nutzungsrechte an den kaiserlichen Lehmgruben zugesichert haben.

Ihre Glanzzeit erlebte die Töpferei im 19. Jahrhundert: Rund 55 Werkstätten mit etwa 600 Beschäftigten prägten damals das Ortsbild von Soufflenheim. Von dieser Fülle ist heute nur noch ein gutes Dutzend geblieben – etwa 20 Betriebe halten die Tradition am Leben – mehr oder weniger versteckt im Ort. Am besten zu finden sind sie per Infobroschüre mit Stadtrundweg, die es in der Touristinfo „unter“ der Kirche Saint-Michel gibt. Der Rundgang ist ca. 3,5 km lang und man sollte 1,5 bis 2 Stunden Zeit einplanen. Er ist auch im Internet unter diesem Link auf openstreetmap.fr verfügbar.



Zum festen Repertoire gehören bis heute die charakteristischen Backformen für „Gugelhupf“ und „Baeckeoffe“ sowie andere Auflaufgefäße, ergänzt um Vasen, Weinkühler und komplette Tafelservice. Ursprünglich dominierte ein warmes Rostbraun mit weißem Gänseblümchenmuster das Erscheinungsbild der Keramik; inzwischen sind Blau-, Grün- und Rottöne hinzugekommen, verziert mit Motiven wie Storch, Ente oder Weinlaub. teils sind sogar die Häuser selber „getöpfert“: Sie haben an den Wänden bzw. Dach farbig glasierte Ziegel.



Richtig lebendig wird der Ortsrundgang erst, wenn man auch tatsächlich eintritt: Einige Töpfer lassen Besucher gerne über die Schulter schauen, während an der Drehscheibe gearbeitet wird, und nehmen sich Zeit, ihr Können zu erläutern – Achtung: Meist nur von Herbst bis Frühling, in heißen Hochsommerwochen ruhen die Werkstätten!). Mancher Inhaber empfängt einen fast wie einen alten Bekannten und führt eindrücklich im besten Elsässichen Dialekt vor, wie unter seinen Händen aus einem einfachen Tonklumpen binnen weniger Minuten eine Gugelhupfform entsteht.


Seit 2022 dürfen sich die Töpfer von Soufflenheim und dem benachbarten Betschdorf zudem mit der geschützten geografischen Angabe „Potteries d’Alsace“ schmücken – ein kleines, aber verdientes Gütesiegel für ein Handwerk, das hier seit Jahrhunderten lebendig gehalten wird.
Weitere Informationen im Web:
- www.alsace-verte.com/de/lalsace-verte/les-incontournables/la-poterie-de-betschdorf
- www.alsace-poterie.fr
- www.poteriefriedmann.fr
- poteriestreissel.fr
- poterie-wehrling.fr
- poterie-soufflenheim.com
- alsace-poterie.com
- www.siegfriedburger.fr
- poterie-beck.fr
- poterie-graessel.com
© Text Hans-Martin Goede 16.07.2026, Fotos © 2026 – gerne erfragen Sie hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. Eine Auswahl vieler Motive zu unseren Reiseberichten finden sich auch auf ADOBE STOCK HIER!