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Reisebericht: Island – der Westen

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Naturwelt Island 2015 nahe Lyngholt bei Taumwetter...

Naturwelt Island 2015 nahe Lyngholt bei Taumwetter…

SNÆFELLSNES (© hmg) – Wer bereits unsere Berichte über den SÜDWESTEN (Teil 1) wie SÜDEN (Teil 2) von Island gelesen hat, rechnet nun vielleicht beim Bericht über den „WESTEN Teil 3“ (Raum Reykjavik und Snæfellsnes) damit, mehr Kulturelles zu erfahren. Nun ja… wir waren auf unserer ersten Island-Tour mehr auf die Natur (Outdoor) denn Kultur (Indoor) aus… man braucht ja noch Ziele für seine nächsten Besuche!

Reykjavik – am Puls des Polarkreises

Die Hallgrímskirkja im Herzen von Reykjavik bietet in ihrer Spitze einen grandiosen Rundumblick.

Die Hallgrímskirkja im Herzen von Reykjavik bietet in ihrer Spitze einen grandiosen Rundumblick.

Reykjavik ist „die“ Metropole auf Island. O.k., mehr hat es auch nicht auf der Insel. Rund 120.000 der etwa 323.000 Isländer leben in und um Reykjavik, die übrigen 200.000 wohnen auf den restlichen rund 103.000 Quadratkilometer (Ruhe vor dem Nachbarn also garantiert, so lange es kein brodelnder Vulkan ist). War man vor dem Besuch von Reykjavik auf dem Land in den einsamen Regionen unterwegs, kann man verstehen, warum „der Städter“ von dort ein Ferienhaus „auf dem Land“ hat um sich vom Großstadtstress erholen zu können.

Reykjavik Panoramablick

Reykjavik Panoramablick

Quirrlig und umtriebig ist diese überaus junge Hauptstadt am Polarkreis: junge Menschen prägen das Stadtbild, auch bei für Mitteleuropäern gefühlt kalten Temperaturen (im einstelligen Bereich) sind die Damen der Insel schick und knapp bekleidet, die Herren in T-Shirt aber mit Wollmütze unterwegs. Wir mümmeln uns in Wintermantel, Schal und warmen Socken? Wir scheinen Weicheier zu sein! Die Stadt hat eine lustige Fußgängerzone (zur Hälfte im Schritttempo befahrbar um zu sehen und gesehen zu werden), zur anderen Hälfte durch bunte Fahrräder an Absperrstangen für den Autoverkehr gesperrt. Ebenso einen funktionierenden Einzelhandel ohne die in Europa wuchernden überall gleich ausgestatteten Filialisten und „nebenbei“ jede Menge Bars, Cafés, Bistros, Restaurants, Kneipen wie Burgerbuden. Alles was es für das junge Herz braucht!

Die Sæbraut - das Ufer am Hafen von Reykjavik trägt diesen Namen - wie das Kunstwerk, das ein Wikingerschiff darstellt, auch.

Die Sæbraut – das Ufer am Hafen von Reykjavik trägt diesen Namen – wie das Kunstwerk, das ein Wikingerschiff darstellt, auch.

Touristische Highlights sind die Museen (ein Phallus-Museum inbegriffen!), Nationaltheater, die Hallgrímskirkja (unbedingt den Fahrstuhl nach oben nehmen und die fantastische Fernsicht genießen!), die Harpa u.v.m.! Also bei anhaltend schlechtem Wetter ausreichend überdachte, warme und interessante Flecken. Kunst ist in Reykjavik an jeder Straßenecke zu finden, herausragend die Sæbraut am Ufer des Atlantik (ca. 500 Meter östlich der Harpa zu finden). Unterm Strich reichen aber für die Erkundung der Hauptstadt ein bis zwei Tage, alles mehr ist dann schon „Stress“ und man braucht wieder „Landluft“ ohne viele Menschen.

Snæfellsnes – die Reise zum Mittelpunkt der Erde

Die Halbinsel Snæfellsnes - Jules Verne startete von dort zum "Mittelpunkt der Erde"

Die Halbinsel Snæfellsnes – Jules Verne startete von dort zum „Mittelpunkt der Erde“

Jules Verne lässt die Reise zum Mittelpunkt der Erde auf Island beginnen – nahe dem Vulkan Snæfellsjökul. Wir sahen ihn immerhin aus weiter Ferne „unbewölkt“, am Tag des Besuchs auf dieser fantastischen Halbinsel hüllte er sich in stürmisches Wolkengrau. Das gab der Halbinsel zwar irgendwie etwas Mystisches, dennoch fehlte der Zauber und die Farbtiefe für die Fotosessions. Snæfellsnes erreicht man von Reykjavik über die Ringstraße relativ schnell: ein Tunnel unterquert den Hvalfjördur-Fjord (Maut 1.000 ISK), den tiefsten Meeresarm auf Island. Einst U-Boot-Station der Amerikaner im Kalten Krieg und heute noch mit Schiffsanleger eines gigantischen Aluminium-Werkes auf der Nordseite, das von den Isländern mehr als kritisch beäugt wird.

Island Ponny´s sind auf der Insel allgegenwärtig

Island-Pferde sind auf der Insel allgegenwärtig

In Borgarnes zweigt die Ringstraße nach Nordosten ab, über die „54“ geht es nun auf die Halbinsel – quer durch unendliche Weiten von Flüssen, Geröll, Lavabrocken, unzähligen Islandpferde-Herden und einzelnen Höfen, die Einsamkeit kehrt ein. Linker Hand auf einmal ein Ringwall-Vulkankegel: der Eidborg liegt inmitten eines wilden Lavafeldes, wir sind zurück im alles faszinierenden Vulkanismus von Island. Auch am Fischerdorf Arnarstapi durchquert die „574“ (erkaltete) Lavafluss-Felder (des Snæfellsjökul), man blickt sich regelrecht in einen Vulkanrausch. Etwas fehl am Platz wirken hier die unzähligen Ferienhäuschen – insbesondere wenn bei einer auch noch die Schweizer Flagge weht?! Fehlen nur noch die Gartenzwerge…

Svalpufa - diese Klippe ist ein berühmter Felsen des isländischen Dichters Kolbeinn. Hier wurde demnach ein Dichterstreit mit dem Teufel ausgetragen.

Svalpufa – diese Klippe ist ein berühmter Felsen des isländischen Dichters Kolbeinn. Hier wurde demnach ein Dichterstreit mit dem Teufel ausgetragen.

Auf der offenen Westseite der Halbinsel bricht sich der Sturmwind – und der Teufel ficht einen Dichterstreit am Svalpufa-Felsen: Dem isländischen Dichter Kolbeinn nach entstand diese Felsnadel nachdem der Teufel mit seiner Dichtkunst unterlag – letztlich ist es aber nur der Rest eines Vulkanschlotes. Der offene Atlantik bricht sich an dieser Stelle an dem Svalpufa, auch ein Leuchtturm steht hier – und Seevögel, viele Seevögel leben hier. Kaum vorstellbar, dass es hier Strände geben soll um sich zu erholen.

Kaffi Sif in Hellissandur - nein der Name ist NICHT Programm!

Kaffi Sif in Hellissandur – nein der Name ist NICHT Programm!

Weiter führt die „574“ bis nach Hellissandur, ein weitläufiges Dorf nahe der „Horchantenne“ der Amerikaner. Durchgeforen kann man im Ort linker Hand der Hauptstraße nach ca. 500 Meter das „Kaffi SIF“ finden – ein paar Damen haben sich zusammengefunden und kochen den Einheimischen wie Touristen frischen Kaffee, eine heiße Suppe bzw. bieten frischen nach Hausrezepten gebackene Kuchen an – also wir fanden die unheimlich lecker!

Grundarfjördur mit dem "Zuckerhut"

Grundarfjördur mit dem „Zuckerhut“

Über Olafsvik geht es weiter nach Grundarfjördur – beides Hafenstädte der isländischen Fischereiflotte mit für die kleinen Häuschen riesig anmutenden Hafenanlagen. Dem Ort wie Fjord Grundarfjördur vorgelagert ist der Berg Kirkjufell mit dem Spitznamen „Zuckerhut“. Wie eine steil aufragende Pyramide liegt er „einfach so da“, der Berg gilt als mit der Schönste von ganz Island. Auch grau-braun sah er „ganz nett“ aus…

Der Küste folgend geht es durch die wieder einsetzende Vulkanlandschaft – viele Hänge wie Kegel waren abschnittweise schnee- und eisfrei was von der Wärme der darunter liegenden Vulkanaktivität zeugt! In Stykkisholmur steht Islands erste Wetterstation – die Region war zu Besiedelungsbeginn das Zentrum von Island.

Die "Blaue Lagune" nahe Keflavik

Die „Blaue Lagune“ nahe Keflavik

Wieder zurück in Reykjavik darf natürlich eines nicht fehlen: Der Besuch der „Blauen Lagune“ auf der Halbinsel Reykjanes. Doch eher nur um diese unglaublichen Farbkontraste zu erleben, nicht um drin zu baden! A) viel zu teuer und B) Massentourismus busweise. Dann lieber nur eine Wanderung durch die Lavafelder mit dem eisblauen Wasser, das Sonnenlicht taucht alles in faszinierende unglaubliche Farben! Ein farbenprächtiger Abschluss einer Tour, die Lust macht auf „mehr“ – Island, wir kommen wieder!

© Text und alle Fotos: Hans-Martin Goede 26.05.2015, Bildeinbindung und Nutzung nur mit Lizenz erlaubt!

 

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils Jahrelang sichtbar!

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils jahrelang sichtbar!

Wenn unser Reisebericht Sie nun zu einer Islandreise verleitet, bitten wir höflichst darum, einige Regeln für diese wunderbare Insel am Polarkreis zu achten! D.h. Verkehrsregeln gelten auch für Touristen, verlassen Sie keine Wege nur um einen schillernden Stein aufzuheben und dann doch wegzuwerfen – Sie könnten auf den wenigen Metern zarte Pflanzen zertreten, so das auf lange Zeit an dieser Stelle nichts mehr wächst. Gehen Sie auf den Toiletten an den Tankstellen oder den Rastplätzen – „no shit, no paper“ gilt für jeden hier in der Natur! Offroad kann man mit 4×4 Autos auf den Pisten der F-Straßen genügend fahren, man muss dafür keine Straße verlassen und den Boden zerstören! Auch wenn am Beginn einer F-Straße kein weiteres Hinweisschild steht: diese Straßen sind (hochbeinigen) 4×4 Autos vorbehalten: Kleinwagen oder Campingautos/Caravans haben hier nichts zu suchen. Alle Infos zu den Strassenverhältnissen auf Island gibt es immer live unter www.road.is! Gecampt wird auf offiziellen Zeltplätzen und nur wenn es sich nicht vermeiden lässt in freier Natur! Und in Folge dessen verlässt man den Platz in der Natur, den man genutzt hat so, als wäre man nie da gewesen: keine zertretenen Pflanzen, kein Müll! Das Wetter auf Island kann von einer Minute zur anderen umschlagen. Sturm heißt Sturm, der Wind bläst schnell mal mit über 100 km/h. Wetterinfos und – warnungen gibt es jederzeit unter en.vendir.is oder savetravel.is (auch auf Deutsch).

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Ein Kommentar zu “Reisebericht: Island – der Westen

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