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Reisebericht: Island – der Süden

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Die schwarze Südküste

Der Eyjafjallajökull von Westen auf der Ringstraße: Sein Ausbruch 2010 brachte den europäischen Luftraum durcheinander. 2015 ist er wieder vereist.

Der Eyjafjallajökull von Westen auf der Ringstraße: Sein Ausbruch 2010 brachte den europäischen Luftraum durcheinander. 2015 ist er wieder vereist.

VIK (© hmg) – Lässt man den “Golden Circle” hinter sich (siehe unser Bericht “Island – der Südwesten“), geht es auf der Ringstraße weiter Richtung Osten. Hier gelangt man in die vulkanisch mit aktivste Region von Island. Mehr als ein Dutzend mal am Tag gibt es hier “Mikro-Erdbeben”, kräftigere spürbare Erdstöße gibt es ebenso denn einen oder anderen pro Woche. Geplant hatten wir einen Tag auch zu den Westmänner-Inseln überzusetzen – doch das mussten wir wegen des anhaltend schlechten wie stürmischen Wetters leider von der Liste streichen und auf die nächste Island-Tour verschieben.

Der Seljalandsfoss: In der Nachmittagssonne am schönsten, wenn der Regenbogen zum Goldtopf führt.

Der Seljalandsfoss: In der Nachmittagssonne am schönsten, wenn der Regenbogen zum Goldtopf führt.

Auf der Ringstraße von Selfoss aus gelangt man auf der Fahrt nach Vik zunächst am Fuße des Eyjafjallajökull an den Seljalandsfoss: Ein Wasserfall, den man rückseitig begehen kann. Am schönsten ist er nachmittags im Sonnenschein, dann bilden sich Regenbogen im fallenden Wasser, manchmal sogar zwei oder drei auf einmal. Den Wasserfall alleine sollte man aber nicht bestaunen. Entlang der Hangkante geht ein gut ausgebauter Fußweg an mehreren kleinen Wasserfällen vorbei bis zum Gljufrabui-Foss: Er hat mit seiner Wasserkraft sich in den Berg rückwärts “hineingefressen” und wirkt eher wie ein verwunschener mystischer Wasservorhang “innerhalb” eines Berges. Also nicht gleich wieder nach dem Seljalandsfoss zurück ins Auto sondern ein paar Schritte bewegen!

Skogafoss: 60 Meter stürzt das Wasser in die Tiefe

Skogafoss: 60 Meter stürzt das Wasser in die Tiefe

Unterhalb des Eyjafjallajökull geht es weiter dem nächsten unausweichlichem zwanghaften Touristen-Highlight entgegen, dem Skogafoss. Rund 60 Meter stürzt hier das Gletscherwasser des Myrdalsjökull (mit dem darunter liegenden Vulkan “Katla”) in die Tiefe. Über (einige) Stufen gelangt man auf die Aussichtsplattform, entlang des Flusses geht ein Wanderweg nahezu ebenerdig weiter und lädt ein zu faszinierenden Blicken auf die Gletscher des Eyjafjallajökull und Myrdalsjökull.

Blick von Dyrholaey die "schwarzen Strände" entlang Richtung Westmänner-Inseln

Blick von Dyrholaey die “schwarzen Strände” entlang Richtung Westmänner-Inseln

Dem aufmerksamen Islandbesucher fällt es bereits auf: das Schwemmland der Flüsse wurde ab Selfoss immer dunkler, wandelt sich nahezu ins Schwarz. Die gesamte Südküste ist geprägt von schwarzem Kies in den Flussbetten, schwarzen Sandstränden und vielfach schwarzen Basaltsäulen. Zu Verdanken den Vulkanen dieser Region, die Asche und Lava durch schmelzende Gletscher bei Ausbrüchen mit dem Wasser in den Atlantik abtransportieren und so unwirkliche Landschaften formen.

Highlight sind die “schwarzen Strände” rund um den Dyrholaey-Vogelfelsen nahe Vik (mit den berühmten Felsnasen). Hier kann man viele Seevögel beobachten – mit Glück auf die Papageientaucher (diese sind mehrheitlich aber auf den Westmännern beheimatet). Die Brandung am Strand zwischen Dyrholaey und Vik ist extrem – Dank der starken Strömung des Atlantik, der hier die Südspitze Islands voll trifft:

Faszinierend: der schwarze Sand des Skeiðarársandur

Faszinierend: der schwarze Sand des Skeiðarársandur

Hinter Vik geht die Ringstraße durch ein unglaubliche Mondlandschaft: Dem schwarzen Myrdalssandur folgt der grün bemoste Eldhraun um hinter Kirkjubæjarklaustur in den Skeiðarársandur überzugehen. Dieser Abschnitt der Ringstraße wurde erst 1974 fertig gestellt, 1996 aber durch einen Gletscherlauf bei Skaftafell zerstört und danach neu gebaut. Kirkjubæjarklaustur ist übrigens ein guter Ausgangspunkt für Inlandstouren auf die faszinierende Landschaft des Laki, der 1783 verheerend ausbrach und 25 % der Bevölkerung Islands den Tod brachte. Der Ausbruch hatte Auswirkungen nicht nur auf das Weltklima sondern auch auf Europa: Die Schwefelsäure in der Luft führte auch im Herzen des Kontinents zu einer höheren Sterberate. 232 Jahre später blieb uns der Blick auf das Herz dieser Naturkatastrophe verwehrt: der kalte Winter 2014/15 hatte zuviel Schnee abgeladen, die Inlandsstrecken waren Mitte Mai immer noch komplett gesperrt.

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Ein Hauch von Grönland

Vom Skaftafell-Besucherzentrum führt ein gut ausgebauter Wanderweg an den Fuß der Gletscherzunge

Vom Skaftafell-Besucherzentrum führt ein gut ausgebauter Wanderweg an den Fuß der Gletscherzunge

Stop-Over´s sind einzulegen im Skaftafell-Nationalpark am Fuße des Skaftafellsfjöll, um die Gletscherzungen zu bewundern wie auch den von Basaltsäulen umgebenen Svartifoss (den wir wegen aufziehenden Regens leider nicht besuchen konnten). Das Besucherzentrum kann man ignorieren – es bietet mieserablen Kaffee und keine Sitzgelegenheiten, wir waren nach den vielen guten Restaurants und Cafés unterwegs überrascht gerade hier “nichts” vorzufinden!

Gletscherlagune Fjallsárlón

Gletscherlagune Fjallsárlón

Man befindet sich nun am Fuße des Vatnajökull-Gletscher mit dem gefürchteten Grimsvötn-Vulkan darunter. Schon die Gletscherzungen dieses 8.100 Quadratkilometer großen Eisgiganten, die nahezu bis ans Meer reichen, zeigen eine unglaubliche Größe – man bekommt das Gefühl, dieser Gletscher verspeise die “Gletscherchen” in den Schweizer und Österreicher Alpen “zum Frühstück”!  Umfährt man die Landnase von Litlahof, gelangt man zu den Gletscherlagunen Fjallsárlón und Jökulsárlón.

Massentourismus am Jökulsarlon

Massentourismus am Jökulsarlon

In letzterer ist der Tourismus groß geschrieben: Amphibienfahrzeuge durchkreuzen die Lagune mit ihren Eisbergen, Eisberge treiben ins Meer und mit Glück gibt es auch Robben zu sehen. Also die Säugetiere, nicht den FCB-Fußballer… Soweit die Theorie. Unser Praxis: Wir kamen leider nur bis Fjallsárlón – kräftige Regenschauer zwangen uns zur Umkehr Richtung Hotel in Klaustur. Wir hatten also unseren östlichsten Punkt der Reise erreicht – weiter nach Osten (und Norden) geht es beim nächsten Trip! Wir machten uns wieder auf den Weg nach Westen Richtung Reykjavik – die Region um die Island-Metropole stellen wir im “Teil 3 – der Westen” vor.

© Text und alle Fotos: Hans-Martin Goede 25.05.2015, gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive!

 

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils Jahrelang sichtbar!

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils jahrelang sichtbar!

Wenn unser Reisebericht Sie nun zu einer Islandreise verleitet, bitten wir höflichst darum, einige Regeln für diese wunderbare Insel am Polarkreis zu achten! D.h. Verkehrsregeln gelten auch für Touristen, verlassen Sie keine Wege nur um einen schillernden Stein aufzuheben und dann doch wegzuwerfen – Sie könnten auf den wenigen Metern zarte Pflanzen zertreten, so das auf lange Zeit an dieser Stelle nichts mehr wächst. Gehen Sie auf den Toiletten an den Tankstellen oder den Rastplätzen – „no shit, no paper“ gilt für jeden hier in der Natur! Offroad kann man mit 4×4 Autos auf den Pisten der F-Straßen genügend fahren, man muss dafür keine Straße verlassen und den Boden zerstören! Auch wenn am Beginn einer F-Straße kein weiteres Hinweisschild steht: diese Straßen sind (hochbeinigen) 4×4 Autos vorbehalten: Kleinwagen oder Campingautos/Caravans haben hier nichts zu suchen. Alle Infos zu den Strassenverhältnissen auf Island gibt es immer live unter www.road.is! Gecampt wird auf offiziellen Zeltplätzen und nur wenn es sich nicht vermeiden lässt in freier Natur! Und in Folge dessen verlässt man den Platz in der Natur, den man genutzt hat so, als wäre man nie da gewesen: keine zertretenen Pflanzen, kein Müll! Das Wetter auf Island kann von einer Minute zur anderen umschlagen. Sturm heißt Sturm, der Wind bläst schnell mal mit über 100 km/h. Wetterinfos und – warnungen gibt es jederzeit unter en.vendir.is oder savetravel.is (auch auf Deutsch).

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2 Kommentare zu “Reisebericht: Island – der Süden

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