Reiseblog: Insider Reiseziele und Urlaubtipps

Reisebericht: Die Samariaschlucht auf Kreta

Die Samariaschlucht zählt zu den längsten Schluchten Europas

Die Samariaschlucht zählt zu den längsten Schluchten Europas

XYLOSKALO / AGIA ROUMELI (26.08.2014, © hmg) – Wanderer, bist Du auf Kreta, solltest Du 2 Dinge tun: den E4 Insel-Ost-West-Wanderweg in 10 Tagen bewältigen – und als Bonus die Samariaschlucht durchstreifen, die sich von den Weissen Bergen bis an das Lybische Meer erstreckt. Wir haben uns erstmal nur für die Schlucht entschieden. Dafür braucht man einen kompletten Tag, das ist für den Anfang genug! Es gibt 3 Möglichkeiten der Durchwanderung:

  • Eigene Organisation – sprich mit dem Auto zum oberen Ende fahren, die 16 bzw. 18 km Wanderung genießen, in Agia Roumeli übernachten und am nächsten Morgen die Schlucht wieder nach oben kraxeln. Idealerweise hat man aber einen Mitreisenden dabei, der die Tortur der im Sommer doch sehr heißen Wanderung nicht mitmachen will – und dieser mit dem Auto nach Sougia oder Loutro fährt. 2 Orte, die man mit der Fähre am Abend nach der Wanderung gegen 17.30 Uhr jederzeit erreichen kann. Letzteres werden wir, so es eine Wiederholung gibt, auch durchführen.
  • Man nimmt früh morgens den Linienbus von Chania nach Omalos, durchwandert die Schlucht und nimmt die Fähre nach Loutro und fährt mit dem ÖPNV wieder zurück. Sicherlich mit die preisgünstigste Variante. War uns aber aufgrund fehlender Sprachkenntnisse wie mangelnder Erfahrung zu unsicher…
  • Die Comfort-Variante: in seinem Hotel nach geführten Touren mit einem Guide durch die Samariaschlucht fragen. Diese Angebote gibt es reichlich, mehrere Unternehmen haben sich auf diese Art spezialisiert. Sprich man meldet sich an seiner Hotelrezeption, gibt den Tag an, an dem man die Tour machen will, zahlt pro Nase ab 20 Euro – und muss am Wandertag sehr früh aufstehen…
Busfahrt frühmorgens von Chania zur Samaria-Schlucht

Busfahrt frühmorgens von Chania zur Samaria-Schlucht

Wir nahmen die dritte Möglichkeit. In unserem Falle klingelte der Wecker um 05 Uhr morgens, der Bus von Elafonissos Tours sollte um 06 Uhr am Hotel vorfahren. Tat er in unserem Falle aber nicht, da irgendwer frühmorgens einen schweren Verkehrsunfall gebaut hat, in dessen Stau der Bus stecken geblieben war. So wurden wir von einem persönlichen Chauffeur abgeholt, der uns zu einem Sammelpunkt mit anderen separat eingesammelten TourteilnehmerInnen brachte, den der Bus dann mit knapp einer Stunde Verspätung auch erreichte. In ziemlich flotter Fahrt ging es dann in die „weißen Berge“ hinter Chania Richtung Omalos. Gegen 8 Uhr erreichten wir – wieder in der Zeit! – den Ausgangspunkt der Samariaschlucht. Die weiteren Nebenkosten betragen übrigens 5 Euro Eintritt für den „Nationalpark Samariaschlucht“ und 8,50 Euro pro Nase für die Fähre von Agia Roumeli nach Sougia. Diese entrichtet man dem(r) ReiseführerIn (in unserem Falle die jederzeit um Ihre Gruppe sehr besorgte Georgia), die sich um die Karten kümmern und die Wandergruppe vom Einstieg an als Schlusslicht bis „zum bitteren Ende“ begleiten.

Wanderschuhe sind für die Samaria-Schlucht ein MUSS! Alles andere ist unvernünftig.

Wanderschuhe sind für die Samaria-Schlucht ein MUSS! Alles andere ist unvernünftig.

Stellt sich die Frage nach dem Schuhwerk… Flipflops haben wir bei unserer Gruppe keine gesichtet, aber Espandrillos (überlebt man also), Segelschuhe (scheinen auch zu gehen!), normale Straßenschuhe (sahen am Ende aber ziemlich böse aus), Turnschuhe (wer mag) – doch die Idealversion sind einfach richtige feste über das Knöchelgelenk reichende Wanderschuhe. Sinnvollerweise auch eingelaufen und nicht nagelneu glänzend (was wir auch gesehen haben). Kleidung? Leicht und locker, ausreichend Sonnenmilch (sonst geht man oben blass rein und unten rot raus), eine Kopfbedeckung gegen den im Sommer drohenden Hitzschlag und eine 1,0 oder besser 1,5 Liter Wasserflasche (leichtes Material). Wer mag und sich sicherer fühlt nehme einfach noch Wanderstöcke mit! Die gesamte Schlucht hat eine Länge von rund 13 Kilometer, durch Einstieg und Ausgang runter zum Meer gerät die Strecke aber zu einem 18 Kilometer langen Marsch. Die letzten 2 Kilometer vom Schluchtausgang bis zum Fähranleger kann man für 1,50 Euro auch mit einem kleinen Bus bewältigen, was Blasen wie geknickten Knöcheln entgegen kommt.

Feuerlöschstationen säumen den Wanderweg durch die Schlucht

Feuerlöschstationen säumen den Wanderweg durch die Schlucht

Die gesamte Strecke bietet in regelmäßigen Abständen „Wassertankstellen“ an: reinstes Trinkwasser, denn die Samariaschlucht ist bekanntlich mit der größte Wasserspeicher für Trinkwasser auf Kreta. An diesen Pausenpunkten kann – und sollte – man seine Wasserflasche immer wieder auffüllen. Alle paar hundert Meter befinden sich auch Feuerlöschstationen – die Schlucht ist in den Sommermonaten staubtrocken, die Waldbrandgefahr allgegenwärtig. Die unzähligen Raucher die es nicht sein lassen können sich trotz Hinweisschildern zum Rauchverbot einen Glimmstengel anstecken zu müssen gehören schlicht an den Pranger gestellt und haben für Schutz-Aufwand und Schäden zu haften. Sorry! Ganz zu schweigen von der rauchgeschwängerten Luft durch Zigarettenqualm an den Pausenstationen, was in der stehenden Hitze für Nichtraucher eine Qual ist. Hirnlos und unverantwortlich, insbesondere wenn dann die Reste der Glimmstengel im Staub, durchsetzt von trockenen Ästen und Tannennadeln, nur lieblos ausgetreten werden.

Der Abstieg in die Samariaschlucht ist steil

Der Abstieg in die Samariaschlucht ist steil

Der schwierigste Teil der Wanderung ist der Abstieg gleich zu Beginn. Mehr als einen Kilometer schraubt sich in engen Serpentinen der Wanderweg mit einem Holzhandlauf nach unten. Um die Kniegelenke zu schonen, sollte man das nicht springend machen sondern bedächtig und im versetzten Schritt. Wanderstiefel sind sehr vom Vorteil: die griffige Sohle gibt festen Halt auf den manchmal schon glatt gelaufenen Pflastersteinen. Für glatte Sohlen ist manchmal schon nach wenigen Metern Schluss: abgerutscht, gestürzt, gestaucht oder gebrochenes Fußgelenk gehören für die Ranger in der Schlucht zum Alltag, die Maultierstationen zum Krankentransport gleich zu Beginn belegen dies… Ein paar „steile“ Impressionen zwischendurch, Bilder zum Vergrößern einfach anklicken:

 

In den Sommermonaten fällt die Samariaschlucht trocken, nur an wenigen Stellen gibt es noch ein wenig Wasser.

In den Sommermonaten fällt die Samariaschlucht trocken, nur an wenigen Stellen gibt es noch ein wenig Wasser.

Ansonsten soll man einfach die Wanderung und die imposanten Steilwände genießen. Im Sommer fliest für gewöhnlich kein Wasser mehr und der Weg geht durchs Geröllbett des Flusses. Geologisch kann man an vielen Stellen die Faltungen der Gesteine betrachten, die beim Auswaschen der Schlucht durch das Wasser entstanden sind. Geübte Wanderer brauchen für die Strecke rund 4 Stunden, Espandrillos-Träger auch mal 8 Stunden oder mehr. Wir erlebten gerade bei diesen unbedachten Personen genau das Vorurteil: Knöchel gestaucht… Und dann dennoch laufen müssen, weil es bei einer anderen Gruppe zu einem Beinbruch gekommen war und das nächste verfügbare Maultier so für den schwereren Fall zuständig war… Die Moral von der Geschicht‘: Laufe die Strecke ohne richtige Wanderschuhe nicht! Und letzter CheckIn für die Fähre ist um 17.15 Uhr, Abfahrt um 17.30 Uhr. Wer später dran ist, kann sich eine Bleibe in den Tavernen von Agia Roumeli suchen. Wer flott wandert kann sich auch noch in die Fluten des Lybischen Meeres stürzen und den Schweiß auf der Haut durch eine Salzkruste ersetzen.

Die Fähren ab Agia Roumeli bringen müde Wanderer zurück zu ihren Bussen.

Die Fähren ab Agia Roumeli bringen müde Wanderer zurück zu ihren Bussen.

Die Wanderführer sammeln in der Regel jedoch rechtzeitig alle ihre Schäflein ein, eine Verspätung kommt dann höchstens noch durch die Fähren zustande, die nicht unbedingt pünktlich fahren. Und bläst der Seewind dann auch noch von der falschen Richtung, dauert die Überfahrt nach Sougia wie bei uns schnell mal 20 Minuten länger. Doch der faszinierende Blick auf die kretische Küste während der Fahrt entschädigt für Alles! Mit dem bereits wartenden Reisebus geht es dann wieder zurück nach Chania. Wem schnell übel wird bei kurvenreichen Strecken: gleich melden und nach vorne setzen…  Abgesetzt wird man direkt vor seinem Hotel, abgelegenere Hotels werden von Chauffeurs angefahren! Die Rückkunft liegt also je nach Umständen zwischen 19.30 und 21 Uhr. Macht aber nichts, in den Tavernen beginnt das Nachtleben eh erst zwischen 21 und 22 Uhr  😉 ! Mehr zu Chania und Umgebung gibt´s auch in unserem weiteren Reisebericht „Kreta – der Westen.

Die Schifffahrt von Agia Roumelia nach Sougia geht entlang traumhafter Strände der kretischen Küste und macht die Strapazen der Wanderung durch die Samaria-Schlucht wett!

Die Schifffahrt von Agia Roumelia nach Sougia geht entlang traumhafter Strände der kretischen Küste und macht die Strapazen der Wanderung durch die Samaria-Schlucht wett!

© Text und Fotos: Hans-Martin Goede – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichend Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. Oder als Fotolia Kunde HIER bestellen!

Empfehle meine Seite weiter!
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Kommentare sind nicht erlaubt.

 

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies +++ Mit der Nutzung dieser Webseite akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies more information - weitere Infos

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Die von uns verwendeten Cookies dienen lediglich der Optimierung unserer Webseite und zu Statistikzwecken. Alle Daten werden anonym erhoben und nicht an Dritte weitergegeben. Vielen Dank dass Sie mit dem Klick auf "Akzeptieren" unsere Seite weiter nutzen.

Close