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Reisebericht: Island – der Osten

der Öraefajökull speist die Gletscherlagune Fjallsárlón - Blick vom Jökulsarlon aus

der Öraefajökull speist die Gletscherlagune Fjallsárlón – Blick vom Jökulsarlon aus

EGILSSTADIR (© hmg) – Islands Osten fängt mit den Gletscherlagunen Fjallsárlón und Jökulsarlon an. War Fjallsárlón in 2015 (siehe unser Bericht „Island – der Süden“) noch eine sehr ruhige und faszinierende einsame Lagune mit Eisbergen, hat in 2017 auch hier die Komerzialisierung wie am Jökulsarlon eingesetzt: Ein Café wurde errichtet, Bootstouren zwischen den kleinen Eisbergen werden angeboten. Die einstige Ruhe ist hier vorbei. Den eisigen Gigantismus, der Fjallsárlón mit Eis speist, sieht man übrigens bei gutem Wetter besonders gut von der Jökulsarlon Lagune aus.

die einspurige Brücke der Ringstraße am Jökulsarlon. Nur Bruchteile von Sekunden gibt es, sie ohne Stau zu erleben...

die einspurige Brücke der Ringstraße am Jökulsarlon. Nur Bruchteile von Sekunden gibt es, sie ohne Stau zu erleben…

Hier ist allerdings wie in Vik inzwischen der Massentourismus unübersehbar, die einspurige Brücke über den Ausfluss des Gletschersee gerät zum Kampfplatz der motorisierten Egoisten: Laute Hupkonzerte und rücksichtslose Busfahrer stehen auf der Tagesordnung des vor und zurück – wer gibt als erstes nach und versucht die Autokolonne hinter sich vom Rückwärtsgang bzw. herdenartigen Rückzug zu überzeugen, während von hinten weitere meinen, auf der nicht vorhandenen zweiten Spur vorwärts fahren zu müssen.

der Hafen von Höfn an der Südostspitze Islands

der Hafen von Höfn an der Südostspitze Islands

Folgt man der Ringstraße weiter nach Osten wird die Straße schnell leer, man gleitet entspannt mit Tempo 90 zwischen Meer und Blicken auf die Eiswelt des Vatnajökull dahin, kein Bus, der hinter einem mit Lichthupe drängelt und mit unzulässigen 110 einen überholt. Nach gut einer Stunde Fahrt erreicht man Höfn, zusammen mit Egilsstadir die größte Stadt in Islands Osten. Was aber nicht gleichzusetzen ist mit „geschäftige Stadt“, sondern eher mit einem weitläufigen ruhigen Dorf. Seniorengerecht ausgebaut ist in Höfn die „Uferpromenade“ mit Bänken und freien Blicken auf die Gletscherzungen des Vatnajökull.

Stokksnes - bei geeignetem Lichteinfall garantiert ein Foto-Stopover wert. Bei Regenwetter muss Photoshop nachhelfen ;)

Stokksnes – bei geeignetem Lichteinfall garantiert ein Foto-Stopover wert. Bei Regenwetter muss Photoshop nachhelfen 😉

Mit der Landspitze Stokksnes knickt die Küste Islands hier nun endgültig nach Norden ab. Bevor man aber in den 2005 geschlagenen Tunnel der Ringstraße einfährt, sei bei brauchbarem Wetter noch der Abstecher für 800 Kronen je Nase auf die Landspitze empfohlen – das Bergpanorama von Stokksnes bis Vestrahorn in Kombination mit dem schwarzen Strand und grünem Gras ist bei richtigen Lichtverhältnissen atemberaubend. Nebensächlich da die Begründung für den Eintritt, dass man ja am Strand entspannen könne, Vögel und Seehunde da sein können – und am Fuße der Felswand ein Filmdorf für Wikingerfilme angesehen werden könne. Drei mal „könne“ – trotzdem teuer und nur bei perfektem Fotowetter wie Lichteinfall zu empfehlen….

die Eastfjords von Island - gegen das Licht fotografieren ist nicht so einfach, wenn man auf der Nordseite des Alftafjördur steht ;)

die Eastfjords von Island – gegen das Licht fotografieren ist nicht so einfach, wenn man auf der Nordseite des Alftafjördur steht 😉

Mit der Durchquerung des Tunnels gelangt man nun in die Eastfjords von Island. Eiderenten, Seevögel, einzelne Bauernhöfe, rosa eingepackte Heukugeln, im zeitweiligen Sonnenlicht satte grüne Wiesen und farbige Felshänge verleiten immer wieder zum anhalten und Fotos machen. Spektakuläre Mitternachtssonnenbilder kann man an der Bergdoppelspitze von Djupivogur genießen, wenn Wolken und Felsen der Sonne passgenau einen perfekten Lichteinfall erlauben. Über den Öxi-Pass kann man die Ringstraße Richtung Egilsstadir um rund 60 Kilometer abkürzen – oder eben die Eastfjorde weiter abfahren und erst bei Reydarsfjördur die Felsflanken per Tunnel und Pass erklimmen.

Blick vom Pass auf der Fjardarheidi in den Seydisfjördur mit dem gleichnahmigen Ort (Fährhafen nach Dänemark)

Blick vom Pass auf der Fjardarheidi in den Seydisfjördur mit dem gleichnahmigen Ort (Fährhafen nach Dänemark)

Egal welche Route man nimmt – die Abfahrt wie Trasse nach Egilsstadir in das lange Tal mit dem Lagarfljot See und dem größten Waldgebiet Islands lässt Stimmung wie an Loch Ness in Schottland aufkommen! Mit der über den Fjardarheidi gehenden 93 gelangt man übrigens in die 700-Seelen Hafenstadt Seydisfjördur, Danke ARTE und ZDF bekannt aus „Funk, Film und Fernsehen“ (Trapped). Hier landen die Fährschiffe aus Dänemark an, spucken hunderte Fahrzeuge zugleich aus – oder nehmen Sie auf. Der Fjord selber ist (bei sonnigem Wetter) sehr sehenswert. über die Schotterpiste der 952 gelangt man nahezu an die Fjordausfahrt. Hier kann man bei einer Wanderung (der Wanderweg ist markiert) entlang der Küste alte zerfallene Wikingerhäuser wie traditionelle Erdhäuser der Isländer in den Wiesen erahnen, zugleich die farbenprächtige sommerliche Fauna Islands erkunden und Vogelkunde betreiben (siehe auch unser gesonderter Artikel).

Blick von Bakkagerdi über den Borgarfjördur

Blick von Bakkagerdi über den Borgarfjördur

Ein paar Buchten weiter nördlich in Bakkagerdi gibts im „Kaffi Alfa“ leckere lokale Spezialitäten – und last but not least auch den Vogelfelsen an der Borgarfjödur Marina mit brütenden Möven, Papageientauchern und Eiderenten. 2016 wurde hier sogar extra ein „Puffin“-Beobachtungshaus aufgestellt, um die Ruhe der Tiere besser gewährleisten zu können. Die Vögel haben sich aber an den Massentourismus gewöhnt – den Rest der Entfernung zwischen Tieren und Fokus erledigt das Teleobjektiv!

... irgendwann ... kommt man auch an das südliche Ende des Lagarfljot, wenn sich Gletscherwasser und "trübe Brühe" des Sees in den Sandern mischen

… irgendwann … kommt man auch an das südliche Ende des Lagarfljot, wenn sich Gletscherwasser und „trübe Brühe“ des Sees in den Sandern mischen

Entlang des schier nicht enden wollenden Wasserfläche des Lagarfljot gelangt man über die 910 in das östliche Hochland und damit wieder an den Rand der geologisch aktiven Zone. Mit dem – allerdings seit gut 10.000 Jahren ruhenden – Vulkan Snæfell ist die heisse Quelle Laugarfell verbunden. Das dortige neu errichtete Hotel bietet den Genuss der Quelle für 1000 Kronen an – dafür hat es aber zwei angelegte Pools: der größere hat um die 40 Grad im Angebot, der kleinere satte 48! So sitzt man denn im heißen Wasser (manch einer dekadent mit Sekt- oder Weinglas in der Hand, damit der Alkohol in dem warmen Wasser direkt in den Kopf steigen kann), hinterher kann man sich im Haus abduschen und den einen oder anderen Kaffee genießen und sich mit dem sprachgewandten Personal über die Vor- und Nachteile des Tourismus auf Island und in Europa unterhalten.

der Canyon hinter dem Karahnjukar-Kraftwerk und seinem Damm

der Canyon hinter dem Karahnjukar-Kraftwerk und seinem Damm

Die geteerte 910 geht rund um den Snæfell weiter zum Kárahnjúkar Kraftwerk. Dieser Stausee, der seit 2009 von einer Vatnajökull-Zunge gespeist wird, ist in Island höchst umstritten. Gesehen haben muss man allerdings den Canyon beim Hauptdamm – ein Schlund ins Erdreich tut sich auf, man selber kommt sich vor wie eine kleine Ameise.

Über die Schotterpiste der F910 geht es durch abrupt wechselnde Geröllfelder mit Vegetation nach Norden, über die 923 zurück an die Ringstraße.

an der F910 auf dem Weg zur 923

an der F910 auf dem Weg zur 923

Die 923 führt durch ein Flusstal, das auf der gegenüberliegenden Seite Felder, Wiesen und Weiden terrassenförmig zeigt, während unten in der Schlucht das eisblaue Wasser über die Felsen dem Meer entgegen tobt. Erschlagen von den Eindrücken erreicht man Stunden später die Ringstraße, nach Osten geht es zurück nach Egilsstadir, nach Westen in den Norden Islands mit Dettifoss und Myvatn (siehe unser Bericht „Island – der Norden“).

Blick auf Egilsstadir

Blick auf Egilsstadir

Der Osten Islands ist touristisch (noch) weitaus ruhiger als die Süd- und Westküste, wenn man einmal von den turbulenten Fährhafenstunden am Abend vor dem Schiff in Seydisfjördur sowie den wenigen ankommenden Inlandsflügen am Flughafen Egilsstadir absieht. Die Wasserfälle von den Hängen im Osten sind ebenso erinnerungswerte Erlebnisse, tragen aber eben (noch) nicht weltbekannte Namen wie Skogafoss oder Seljalandsfoss. Aber was nicht ist kann ja noch werden 😉.

© Text und Fotos Hans-Martin Goede 23.07.2017 – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. 

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils Jahrelang sichtbar!

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils jahrelang sichtbar!

Wenn unser Reisebericht Sie nun zu einer Islandreise verleitet, bitten wir höflichst darum, einige Regeln für diese wunderbare Insel am Polarkreis zu achten! D.h. Verkehrsregeln gelten auch für Touristen, verlassen Sie keine Wege nur um einen schillernden Stein aufzuheben und dann doch wegzuwerfen – Sie könnten auf den wenigen Metern zarte Pflanzen zertreten, so das auf lange Zeit an dieser Stelle nichts mehr wächst. Gehen Sie auf den Toiletten an den Tankstellen oder den Rastplätzen – „no shit, no paper“ gilt für jeden hier in der Natur! Offroad kann man mit 4×4 Autos auf den Pisten der F-Straßen genügend fahren, man muss dafür keine Straße verlassen und den Boden zerstören! Auch wenn am Beginn einer F-Straße kein weiteres Hinweisschild steht: diese Straßen sind (hochbeinigen) 4×4 Autos vorbehalten: Kleinwagen oder Campingautos/Caravans haben hier nichts zu suchen. Alle Infos zu den Strassenverhältnissen auf Island gibt es immer live unter www.road.is! Gecampt wird auf offiziellen Zeltplätzen und nur wenn es sich nicht vermeiden lässt in freier Natur! Und in Folge dessen verlässt man den Platz in der Natur, den man genutzt hat so, als wäre man nie da gewesen: keine zertretenen Pflanzen, kein Müll! Das Wetter auf Island kann von einer Minute zur anderen umschlagen. Sturm heißt Sturm, der Wind bläst schnell mal mit über 100 km/h. Wetterinfos und – warnungen gibt es jederzeit unter en.vendir.is oder savetravel.is (auch auf Deutsch).

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