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les 1000 etangs – die 1000 Seen des Haute-Saòne

Blick auf die Vogesen von Melisey aus gesehen

Blick auf die Vogesen von Melisey aus gesehen

FOUGEROLLES / MELISEY (© hmg) – Frankreichs Landschaften sind vielfältig – vom „kalten Norden“ bis hin zum mediterranen Mittelmeerraum im Süden, dem brandenden Atlantik im Westen (mit Aquitanien und der Bretagne) bis hin zu den Alpen im Osten (das französische Jura). Doch hinter den (mehr als sieben) Bergen der Vogesen, nur rund zwei Autostunden vom Oberrheingraben entfernt, versteckt sich ein Kleinod, mitten im Franche-Comte im Departement Haute-Saone gelegen: „Les 1000 etangs“, die 1000 Seen.

Die Schönheit der Landschaft der "les 1000 etangs" zeigt sich vor allem "von oben"

Die Schönheit der Landschaft der „les 1000 etangs“ zeigt sich vor allem „von oben“

Entstanden aus den schmelzenden Gletschern der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren, bilden diese „Tümpel“ eine einzigartige Landschaft mit teils dichten Wäldern, üppigem Gestrüpp, aber auch offenen Feldern mit Fischzucht in den Seen. Während in den dichten Wäldern schattige Wanderwege von einem See zum nächsten führen, bieten die vielen „Single Track Roads“ (um mal den schottischen Begriff für die schmalen Straßen zu benutzen) den Radfahrern viele Touren durch die Region. Einige Bauern haben sich auch darauf spezialisiert, Reittouren auf dem Plateau für die Touristen durchzuführen. Die Wanderwege sind gut beschildert und zwischen drei und zwölf Kilometer lang, für jeden Zeitbedarf ist also etwas dabei – wenn es darum geht, mal einen grünen, mal einen blauen oder braunen See zu erwandern.

Quer durch die Region führt auch der Pilgerweg des Heiligen Kolumban, dessen erstes Kloster bei Faucogney auf den Ruinen eines gallisch-römischen Militärposten erreichtet wurde. Die Überreste sind hier noch zu sehen, auch einige merowingische Särge aus Stein. Der Pilgerweg selber geht von Italien bis Irland – die Seenplatte ist also hier bestenfalls ein „stopover“!

Luxeuil-les-Bains

Luxeuil-les-Bains

Der größte Ort der Region ist Luxeuil-les-Bains, ein Ort mit längst vergangener Kurtradition. Der Glanz der Badezeit des 19./20. Jahrhunderts ist am verbleichen, das Kurbad hat seine besten Zeit hinter sich, wie auch viele Gebäude – es bröckelt der Putz. Der Ort und das Office de Tourisme sind bemüht, den Besuchern der Stadt etwas zu bieten – so gibt es z.B. einen Rundgang durch die historische Altstadt. Neben den Ausgrabungen im Stadtzentrum und der Abtei des  Kolumban ist vor allem die Basilika St. Pierre et Paul sehr sehenswert. Von den einst drei Kirchtürmen ist nur noch einer übrig, der Klostergarten und der Kreuzgang nur noch dreiseitig:

das Ortszentrum von Fougerolles

das Ortszentrum von Fougerolles

Wem das Wandern, Radeln wie Kulturprogramm nicht ausreicht, der sollte einen Abstecher nach Fougerolles machen, nur ca. sieben Kilometer nordwestlich von Luxeuil gelegen. Vorbreitet hatten wir uns ja eigentlich auf das Wandern – aber in diesem kleinen Örtchen traf uns eine alte Tradition ziemlich unvorbereitet: das Stichwort lautet „Distillerie“. Diese Hinweise findet man in diesem Örtchen an allen Straßenecken – ist man etwa in einer schottischen Exklave gelandet?! Weit gefehlt – es ist die (ehemalige) Hochburg des Veredelns von Obst – vornehmlich Kirschen. Und da „Cerise“ auf Französisch zu weich klingt, haben die französischen Obstbauern für deren „hartes“ Spitzenprodukt den wohlbekannten deutschen Namen geklaut und nennen ihren Kirschschnaps (50 % Volumen Alkohol) schlicht „Kirsch“! Traurig aber wahr: diese seit Ende des 17. Jahrhunderts bestehende Destillierung von Obst erlebte ihr größte Blüte zwischen 1881 mit Bau der Bahn – und 1915, im Kriegsjahr wurde Absinth verboten. Dies führte zu einer Wirtschaftskrise im Ort, von dem man sich bis heute kaum mehr richtig erholt hat. Dennoch gibt es weiterhin die edlen Tropfen der Region – seit 2010 auch mit dem schützenden Siegel „AOC“. Und was man (als volljährige Person) geschmacklich nicht verpassen sollte, sind die eingelegten Kirschen, Johannisbeeren, Mirabellen, Himbeeren, … ach so ja, Absinth wird auch wieder gebraut 😉

"Fabrikverkauf" a la La Rochére"

„Fabrikverkauf“ a la La Rochére“

Die richtigen Gläser für einen „Kirsch“ wie auch andere Kunstwerke aus Glas lassen sich in der Glasbläserei von La Rochére in Passavant finden. In diesem Traditionsunternehmen wird auf althergebrachte Weise noch Glas gestaltet – man kann den Glasbläsern „live“ bei der Arbeit zusehen als auch direkt im dem Werk angeschlossenen Shop einkaufen.

Blick über die Garnisonsstadt Belfort von der Zitadelle aus gesehen

Blick über die Garnisonsstadt Belfort von der Zitadelle aus gesehen

Wer seinem Nachwuchs nun neben viel Natur noch ein wenig „Action“ mehr bieten will/kann/muss, dem sei ein ca. 40 Autominuten dauernder Ausflug nach Südosten empfohlen in die „Burgundische Pforte“ mit der Garnisionsstadt Belfort ans Herz gelegt. Dieses „Städtchen“ mit seinen ca. 50.000 Einwohnern hat neben dem Wahrzeichen der Stadt, dem „Löwen von Bartholdi“ ein weiteres, die Stadt bestimmendes Element: die Zitadelle. Der „Hausberg“ wurde zum Ende des 17. Jahrhunderts von Vauban zur Festung ausgebaut, wurde später in die „Maginot-Linie“ mit eingebunden. Heute ist die Zitadelle frei besuchbar, die Schützengräben und Wehrabschnitte lassen sich sehr gut vom Dach der Kaserne einsehen.

die Kirche Notre Dame du Haut des Architekten Le Corbusier

die Kirche Notre Dame du Haut des Architekten Le Corbusier

Übrigens: zwischen den „1000 etangs“ und Belfort ein „Muss“ des „Stopover“: die Kirche Notre Dame du Haut in Ronchamp, erbaut von 1950 bis 1955 vom Architekten Le Corbusier. Diese Wallfahrtskirche zählt zu den berühmtesten Kirchen der Moderne, seit dem 17. Juli 2016 zählt sie auch offizielle zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Kirche angegliedert ist heute ein kleines Kloster. Die Anlage kann gegen Eintritt besichtigt werden, die besondere Architektur des Kirchenraums sollte man sich nicht entgehen lassen:

das B&B "Les Cyclo-Trotters" - wunderbar!

das B&B „Les Cyclo-Trotters“ – wunderbar!

Fazit: die Region im Haute-Saone ist sehr gut für ein verlängertes Wochenende – sei es einfach nur zum Wandern, zum „Tasting“ oder wandeln auf kulturell historischem Boden. Insbesondere weil die Gegend von Deutschland aus recht schnell erreichbar ist. Wer eine tolle Bleibe sucht – wir können das B&B Les Cyclo-Trotters (Fougerolles, Frankreich) rundum empfehlen, wir wurden selten so liebevoll umsorgt – vielen Dank, Cathy!

© Text und Fotos Hans-Martin Goede 10.09.2017 – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. 

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