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Reisebericht: Die Sextner Dolomiten

2936 Meter hoch: die Sextner Rotwand. Foto Hans-Martin Goede
2936 Meter hoch: die Sextner Rotwand

Sexten (©Hans-Martin Goede) – Die Alpen sind die beliebteste Ferienregion Europas, auf rund 298.000 Quadratkilometern reihen sich die Berge „Spitze an Spitze“ (siehe auch unser Bericht über das Allgäu und Berchtesgadener Land).

Im Sommer sind die Alpen Ziel der Bergwanderer, im Winter beliebt für Ski und Langlauf – unrühmlich bekannt geworden nicht zuletzt durch den Covid-19 Hotspot Ischgl im Westen Österreichs. Wesentlich übersichtlicher ist die alpine Gebirgsregion der Dolomiten (rund 15.900 Quadratkilometer) – und immer noch ein sehr großer Gebirgsabschnitt der Alpen. Zu groß um in einem Urlaub entdeckt zu werden. Die Dolomiten (sie gehören zu den Kalkalpen) liegen im östlichen Südtirol und Venetien, den italienischen Provinzen Belluno, Bozen–Südtirol und Trient.

Sonnenaufgang über dem Sextner Tal und den Sextner Dolomiten. Foto © Hans-Martin Goede
Sonnenaufgang über dem Sextner Tal und den Sextner Dolomiten

Auf gerade mal 116 Quadratkilometer Fläche liegen die Sextner Dolomiten, von Deutschland aus am einfachsten über den Brenner und das Pustertal erreichbar. Sie sind der östlichste Zipfel von Südtirol, über das Pustertal ist man schnell in Österreich, die vielen LKW auf der Strecken zwischen Brixen und Innichen sprechen Bände und sind werktags nervenaufreibend. Um so ruhiger wirkt das bei Innichen abzweigende Sextner Tal mit seinen Orten Sexten und Moos, auf ca. 1330 Meter Höhe liegend.

Panoramagenuß rund um Sexten

das Südtiroler Pustertal mit den vergleichsweise flachen Bergen, im Vordergrund der Ort Innichen. Foto © Hans-Martin Goede
das Südtiroler Pustertal mit den vergleichsweise flachen Bergen, im Vordergrund der Ort Innichen

Während die Berghänge im Südtiroler Pustertal beidseitig eher ruhig nach oben streben, geht es in den „Sextner Dolomiten“ knallhart zur Sache. Durch das schmälere Tal sind ab ca. 1800 bis 2000 Meter Höhe die steil in die Höhe ragenden dolomitischen Kalkberge („Riffgipfel“) in ihrer Dimension nur schwer fassbar. Ihr ganzes Panorama ergibt sich mit dem Erklimmen der auf der Landesgrenze zwischen Österreich und Italien liegenden Bergkette des Helm („Monte Elmo”, 2433 Meter) mit Füllhorn (2445 m) und der Hollbrucker Spitze (2580 m):

Panorama Sextner Dolomiten. Foto: Hans-Martin Goede
Panorama Sextner Dolomiten. Foto: Hans-Martin Goede
die „Sextner Sonnenuhr“. Foto: Hans-Martin Goede
die „Sextner Sonnenuhr“

Südlich des Sextener Tals ragen von Ost nach West der Neuner (2582 Meter hoch), die Sextner Rotwand („Zehnerkofel“, 2936 m), der Elferkofel (3092 m), der Zwölferkofel (3094 m), der „Einserkofel“ (2698 m) und das Massiv der Dreischusterspitze (3145 m). Sie alle zusammen ergeben die „Sextner Sonnenuhr“. Früher hatte nicht jeder Mensch bzw. Bergbauer eine Armbanduhr oder Smartphone mit Servertime zur Hand, man musste sich an der Natur orientieren, wenn gerade kein Kirchturm zu sehen oder hören war. Wer nun im Talboden zwischen Sexten und Moos steht (oder arbeitet), kann auch heute noch die Uhrzeit von den Bergspitzen gut ablesen: Von 9 Uhr beginnend am „Neuner“ über 10, 11 und 12 Uhr bis zum „Zwölferkofel“ steht die Sonne pünktlich immer zur vollen Stunde über dem entsprechenden Gipfel, endend mit dem „Einser“ um 13 Uhr.

Tour von Sexten auf den Helm via dem “Heimatsteig”:

die Helmhanghütte
die Helmhanghütte

Dieses unfassbare Panorama der Sextner Dolomiten bzw. Sonnenuhr kann man mit einer stundenlangen Bergwandertour nicht nur auf den Gipfeln von Helm bis zum Füllhorn genießen. Es geht auch einfacher: Auf rund 1600 Meter Höhe liegt die familiengeführte Helmhanghütte, problemlos zu Fuß, mit dem Auto per Straße/Schotterweg bzw. via dem Wanderweg 137 erreichbar. Gekocht wird hier „hausgemacht“ – und ist es mal nicht so voll, kommt man mit der Wirtin schnell ins Gespräch und erfährt viele Tipps zu Touren durch die Dolomiten, wo und wann man besser einen Bergführer dazubucht, was man (wenig) anstellen muss, die Bergwacht mit 7 Mann anrücken zu lassen um einen aus dem Hang abzuholen – und wie es in der Grenzregion vor dem Fall der Grenzen und Einführung des Euro zuging… da ist der Kaffee und Strudel schneller zu Ende, als einem lieb ist – und den hausgemachten Schnaps aus Lärchen, Heu und anderen Naturutensilien ausprobiert!

Wandern im Fischleintal

Ein Traum: Wandern im Fischleintal - dies vor allem im Herbst. Foto: Hans-Martin Goede
Ein Traum: Wandern im Fischleintal – dies vor allem im Herbst

Hautnah erleben lässt sich die „Sextner Sonnenuhr“ im Fischleintal (Val Fiscalina). Der große Wanderparkplatz hinter Moos gegenüber der Liftanlage für die Rotwand zeugt von der Anziehungstärke dieses Talbodens. Über rund 4 Kilometer Länge geht der Wanderweg, nur rund 150 Höhenmeter überwindend, über die Fischleinbodenhütte bis zur Talschlusshütte (1548 m), beide in der Sommersaison bewirtschaftet. Am faszinierendsten dürfte der Weg im Herbst sein, wenn die Lärchen der „Lärchenwiese“ beginnen sich zu verfärben, Schnee gefallen ist – und ein blauer Himmel sich über den Zacken der Dreischusterspitze spannt. Von der Talschlusshütte aus kann man als geübter Bergwanderer über das Altensteiner Tal zur Drei-Zinnen-Hütte aufsteigen – oder dem Klettersteig des Bacherntal zur Zsigmondy-Hütte (2224 m) unterhalb des Hochleist folgen.

UNESCO-Weltnaturerbe Naturpark 3 Zinnen

die 3 Zinnen - das Wahrzeichen der Dolomiten
die 3 Zinnen – das Wahrzeichen der Dolomiten

Gleitend ist im Fischleintal der Übergang von den Sextner Dolomiten in den „Parco Naturale Tre Cime“, der “Naturpark 3 Zinnen”, ein UNESCO-Weltnaturerbe. Wer nicht von Sexten/Moos über das Fischleintal, dem Innerfeldtal oder über das Rienztal auf die 3 Zinnen aufsteigen will, kann über die mautpflichtige Bergstraße (PKW satte 30 Euro!) über Misurina bis auf 2320 Meter Höhe „anfahren“ und den Rundweg „105“ um das Bergmassiv auf rund 11 Kilometer Länge herum laufen.

die 3 Zinnenhütte
die 3 Zinnenhütte

Ist der Wanderweg auf der Südostseite des Zinnen-Massivs von der Auronzohütte (am Parkplatz) zur Lavaredohütte noch breit und auch für Flachlandtiroler gut begehbar, wird es anschließend über den Paternsattel (2454 Meter) hinweg bis zur nördlich liegenden Drei-Zinnen-Hütte deutlich enger. Dieser Weg ist für die Versorgungsfahrzeuge der Lavaredohütte und Drei-Zinnen-Hütte marginal ausgebaut. Das hat zwar zur Folge, dass man an diesen Hütten in der Zeit der Bewirtschaftung alles was das (finanzierbare) Herz begehrt auch erhält, zum anderen ist man auf dieser Strecke so auch den „Spaziergängern“ ausgesetzt, die in Jäckchen, neuer Mode und flache Schuhen bis hin zu Sandalen die Strecke „abgehen“, um „ihr“ ach so wichtiges Instagram-Bild machen zu können. Mountainbiker dürfen übrigens bis zur Lavaredohütte ebenso den Weg nutzen (nicht aber bis zur Drei-Zinnen-Hütte). Sehr schade: diese Berg-Spezies hat leider wenig Talent für Klingeln (weil eingespart wegen Gewicht) oder Rücksicht auf Fußgänger. Deutlich ruhiger geht es auf der Nordwestroute um die 3 Zinnen zu, der Pfad ist schmäler und gebirgiger, dennoch begegnen einem auch hier die seltsamsten (Handy) Gestalten mit dem unglaublichsten Schuhwerk (denen fehlt es eindeutig an Verstand, sorry!) – und auch mal Gruppen in alter Bergtracht mit Eseln und Hafflingern (siehe in der nachfolgenden Bildergalerie).

Nervig und doch unverzichtbar: der Instagram-See

Heute: der Insta-See, früher: der Pragser Wildsee
Heute: der Insta-See, früher: der Pragser Wildsee

Ein weiterer Instagram-Hotspot ist der „Pragser Wildsee“. Ihn erreicht man über das Pustertal zwischen Toblach und Welsberg über das Pragser Tal. Sehr große Parkplätze am Hotel Pragser Wildsee zeugen von dem digitalen Hype um den See. In Zeiten von Covid-19 weist vor dem Einstieg in den Rundweg ein 3 x 2 Meter großes Schild darauf hin, dass man den Rundweg nur gegen den Uhrzeigersinn und mit Maske begehen soll. Rasch wird einem auch klar warum: auch in der Nebensaison geht es hier zu wie zu den besten Normalzeiten eines deutschen Hauptbahnhofs. Leider ist wohl gut ein Drittel aller Besucher weder fähig noch willig, diese Vorgaben einzuhalten – weder Maske im dichten Gedränge, noch die richtige Richtung einhalten. Und so wird es auf der Ostseite des Sees auf dem schmalen Klettersteig sehr eng was den unerlaubten „Gegenverkehr“ angeht, der sich an manchen Stellen sprichwörtlich an einem vorbei quetschen muss. Spricht man die Personen drauf an, erntet man “Unverständnis”. Dabei wäre es so einfach wenn alle in der selben Richtung laufen würden, selbst Masken wären so auf weiten Strecken des Rundweges nicht notwendig, da man niemandem direkt begegnen würde. Und dann ist da noch die „Generation Instagram“, die mit seltsamsten Verrenkungen, Gehüpfe, im eisigen Wasser stehend – oder im Leihruderboot stehend schaukelnd irgendwelche Bilder machen muss. Warum man aber hier sich – und nicht die unfassbar schöne Natur dieses Bergsee – digital festhalten muss, verstehe wer will … von Intelligenz und Verstand sind hier am See sehr viele Personen weiter entfernt als der Mond von der Erde…

Städtetouren in einem Wander- und Skiparadies

die Altöttinger- und Heiliggrabkapelle in Innichen
die Altöttinger- und Heiliggrabkapelle in Innichen

Shopping bzw. Städte anschauen in einem Wander- und Skiparadies? Kann man, musss man aber nicht. Denn das wird schwierig… Während Innichen mit seinen historischen Kirchen (Stiftskirche, Pfarrkirche St. Michael und der historischen Altöttinger- und Heiliggrabkapelle) und einen noch gut bestückten Einzelhandel in die „Innenstadt“ lockt, wird dies in Toblach schon schwieriger. Hier ist das Ortszentrum direkt an der barocken Pfarrkirche „St. Johannes der Täufer“, gegenüber ein noch bewirtschafteter Bauernhof (Respekt!) und ein paar wenige übersichtliche Geschäfte. Wie eine Boulevard-Straße zieht sich talwärts die Sankt-Johannes-Straße mit div. Sportgeschäften Richtung „Neu Toblach“ und dem Bahnhof, sowie der „Nordic Arena“ und dem talaufwärts folgenden kleinen „Toblacher See“. Wer hier viel Historisches sucht ist fehl am Platz, Toblach ist heute ein reiner Fremdenverkehrsort ohne viel Charme. Heimeliger ist da Sexten anzusehen. Rund um die Pfarrkirche „Petrus und Paulus“ (mit dem sehenswerten Friedhof und den Familiengrabkapellen) geht es mit schmalen Gassen und Straßen eng zu – als wäre man in einem alten Bergdorf. Die Häuser sind allerdings fast alle neueren Datums: Im Ersten Weltkrieg war der Ort zwischen Österreich-Ungarn und Italien im sogenannten “Dolomitenkrieg” heiß umkämpft. Dafür gibt es eine leckere Grundversorgung mit der kleinen „Sextener Käserei“ und der Genießermetzgerei „Villgrater“ – das ist Kultur für das Auge, Gaumen und den Magen!

Sextner Dolomiten mit Schneesicherheit

"Winterwonderland" im Oktober 2020 rund um Sexten
“Winterwonderland” im Oktober 2020 rund um Sexten

Übrigens: In den Wintermonaten haben die Sextner Dolomiten eine ungewöhnlich hohe Schneesicherheit. Knapp hinter dem Alpenhauptkamm auf mehr als 1300 Meter Höhe (am tiefsten Punkt) gelegen gelegen – und dem freien Zugang feuchter Luftmassen über das Eisacktal bei sogenannten „VB-Wetterlagen“ kann es hier schnell mal tagelang zwischen Ende September und Anfang April schneien – im Herbst 2020 bereits passiert am 25./26. September, am 11. sowie am 15. Oktober. Ist die Luft zu mild, ist es allerdings auch strömender Regen… und deshalb nun noch ein “Winterwonderland” des Oktober 2020 zum Durchklicken:

Weitergehende Berichte zur Region der Dolomiten:

Weiterführende Links & Empfehlungen:

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© Text Hans-Martin Goede 19.10.2020, Fotos © 2020 – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. Eine Auswahl der Motive zu diesem Reisebericht finden sich auch auf ADOBE STOCK HIER!

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