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Vom Fischleintal zu Fuß zu den Drei-Zinnen

Start im Fischleintal in Bad Moos
Start im Fischleintal in Bad Moos

SEXTEN (hmg) – Das UNESCO-Weltnaturerbe „Drei Zinnen“ kann über die mautpflichtige Bergstraße (2021: PKW 30 Euro, Details siehe unter www.suedtirol.com) über Misurina bis auf 2320 Meter Höhe „anfahren“ (siehe unser Reisebericht aus 2020). Oder wenn man es ökologischer „angehen“ will, die Bergwelt der 3 Zinnen ersteigen. Neben dem Aufstieg über das Innerfeldtal und das Rienztal gibt es noch die klassische Route von Sexten/Moos aus durch das Fischleintal. 

Eines ist allen drei Tälern gemeinsam: Sie starten mit längeren Anwegen und nur langsamen Anstieg über die Talböden – bevor es auf dem jeweils letzten Drittel der Strecke überwiegend steil bergauf geht. Grundsätzlich gilt: in den Hochsommermonaten sollte der Aufstieg in den frühen Morgenstunden begonnen werden, um der größten Tageshitze zu entgehen – im Herbst kann man auch den Langschläfermodus anwenden und am späten Vormittag starten (sollte aber vor dem Abendlicht in den tiefen Tälern wieder schneller unten sein). Im Frühjahr hingegen ist es grundsätzlich eine Frage des Schneereichtums des vergangenen Winters, ab wann welche Strecke (sicher) begehbar ist.

Der Vorteil des Aufstiegs über das Fischleintal und das Altensteiner Tal liegt im Herbst auf der Hand: Wer vom (kostenlosen) Parkplatz in Bad Moss durch die traumhaften Almwiesen mit Lärchenbestand am Vormittag startet, kann den sanften Anstieg (schönes Wetter vorausgesetzt) im angenehmen Sonnenschein genießen. Erst ab der Talschlusshütte mit Einstieg in das Altensteiner Tal geht es (kühl) beschattet in den Aufstieg, der sich ab hier bis zur Drei-Zinnen-Hütte in folgende Abschnitte einteilen lässt: sehr steil, geht so, erneut steil – und mit dem Ziel vor Augen ab der Bödenalpe wieder „geht so“. 

hinter der Talschlusshütte beginnt der erste steile Anstieg
hinter der Talschlusshütte beginnt der erste steile Anstieg

Zielstrebig geht es auf der Nordwestseite des Altensteiner Bachs aufwärts, hält allerdings im engen Klettersteig mit Felsen und Geröll verdutzt den Atem an, wenn man vor sich ein junges Pärchen mit E-Mountainbikes antrifft, welches (obwohl ausdrücklich an der Talschlusshütte ein „Radfahren verboten“ Schild prangt!), schnaufend die schweren Räder über die Steine hebt und schiebt. Darauf angesprochen stellt sich erstmal heraus, dass sie ohne Karte unterwegs sind, die E-Bikes geliehen – und das Smartphone (logischerweise) im engen Tal keinen Empfang hat, um überhaupt festzustellen, wo man sich befindet. Was ist doch eine klassische Wanderkarte in solchen Momenten Gold wert – und man aufzeigt, dass die Strecke bis zu den Drei Zinnen kaum besser werden wird. Nach erfolgter Belehrung zieht man locker die Felsstufen und Kehren nehmend an ihnen vorbei – und sieht sie nie wieder (weder rückblickend noch auf dem Rückweg). Sie dürften wohl auf dem Weg nach unten über ihre einfachen Mountainbike-Trails im heimischen Thüringen sinnieren… sollten die genannten Personen sich hier zufällig wiedererkennen: Rad- und Wanderkarte klassisch auf Papier gedruckt für die nächste Bergtour erworben?

Blick von der Bödenalpe zurück ins Altensteiner Tal
Blick von der Bödenalpe zurück ins Altensteiner Tal

Auf dem weiteren Kletterweg nach oben genießt man die überdimensionalen Geröllfelder des „Einser“ auf der Hangseite gegenüber – und im sich weitenden Altensteiner Tal auch die ersten Ausblicke auf die Zinnen der Oberbachernspitzen wie dem Innichriedknoten – sowie den Quersattel der Bödenalpe. Mal wird man von jungen Menschen überholt – mal zieht man selber an schwitzenden und schwer atmenden Personen vorbei. Und meint man, die Biker wären die einzige Überraschung des Tages, so reicht immer wieder mal ein Blick auf das Schuhwerk der anderen „Bergsteiger“ bzw. „Bergwanderer“ auf dem felsigen Stieg bzw. bei der Querung der rutschigen Geröllfelder: Angefangen von einfachen Trekkingsandalen über gummierte Treter und einfachen Turnschuhen bis hin zu Wanderschuhen und Bergstiefeln ist alles dabei. Für gewöhnlich hat der Herr die festeren Schuhe, die Damenwelt die einfacheren – dafür farblich deutlich akzentuierten Treter an den Füßen. Fehlt nur noch das Gucchi-Markensymbol?! Dies mag beim Aufstieg ja grad noch so gehen – aber bergab mit solchen Schuhen den Steig an der Hand des Holden gestützt…? Ok, vielleicht ist es am Ende nur die „natürliche Selektion“. Last but not least auch auf diesem Klettersteig (vor allem zwischen Bödenalpe und Drei-Zinnen-Hütte) wieder die klassischen nervenden Instagrammer, die influenzierend sich in allen Posen mit dem Bergpanorama im Rücken ablichten lassen (und sich am Ende noch lautstark beschweren, dass im Hochgebirge kein Empfang ist, um das Foto gleich zu posten). 

Blick von der Bödenalpe zur 3-Zinnen-Hütte
Blick von der Bödenalpe zur 3-Zinnen-Hütte

Wanderer, erreichst Du zufrieden nach rund drei Stunden die Drei-Zinnen-Hütte, hast Du Dank Radfahrern, Influenzern und modischen Momenten mehr erlebt als noch bei Bergtouren 40 Jahre zuvor. Warum am Ende auf der Drei-Zinnen-Hütte das Bier in Einweg-Plastik-Bechern erworben werden kann, das Essen in ebensolchen Wegwerfschalen serviert wird – Herr, wirf Hirn auf diese Menschheit. Wünschen einen angenehmen und unfallfreien Abstieg – egal mit welchem Schuhwerk. Oder vielleicht doch böse gedacht: Natürliche Selektion!

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© Text Hans-Martin Goede 02.10.2021, Fotos © 2021 – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. Eine Auswahl der Motive zu diesem Reisebericht finden sich auch auf ADOBE STOCK HIER!

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