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Reisebericht: Haute Provence

Wandern, Klettern, Wein und Kultur – die Haute Provence

Das Rhone-Tal mit Blick Richtung Haute Provence (Rhone-Alpes)

Das Rhone-Tal mit Blick Richtung Haute Provence (Rhone-Alpes)

Mit dem Frühlingswetter im Mai 2013 war wohl niemand in Europa zufrieden. Den Russen war es zu heiß, den Finnen zu sonnig, den Deutschen zu wechselhaft und wahrlich am schlimmsten gebeutelt waren die Franzosen: Kaum Sonne, an Pfingsten standen die Weinberge der Provence unter Wasser – und Ende Mai dann Frost und Schnee… Erstmals seit Menschengedenken musste zu dieser Jahreszeit in ganz Frankreich geheizt werden. Für gewöhnlich hat man im Mai in Südfrankreich eine Mitteltemperatur von etwa 19 Grad (also so warm wie in Deutschland der Juli ist!) – in 2013 lag sie rund 6 Grad niedriger, die 20-Grad-Marke konnte nur punktuell und das nur stundenweise überschritten werden. Pech für unsere Recherche-Reise, ausgerechnet in der Haute-Provence genau in dieses Kälteloch reinzufallen. Wir haben das Beste daraus gemacht… Auch ohne Handschuhe und ohne Bommelmütze.

Die Haute Provence rund um Dieulefit

Die Haute Provence rund um Dieulefit

Bei der Wahl des Reisezieles „Provence“ ging es um „Sonnenschein“ (jaja… aber wir haben sie durchaus gesehen, was die Fotos beweisen!), Wanderwege, Klettern an Steilwänden, hochwertige Weine und historische Kultur. So wählten wir das Département Dromé (26) mit Montelimar als „Porte de Provence“ (Tor zur Provence), mit kurzen Wegen in die Haute Provence mit seinen Gebirgszügen: die Region zwischen Crest, Saou und Dieulefit kann die meisten Ansprüche vereinen, auch ist man nur einen Katzensprung weg vom flachen wie (theoretisch auch im Mai) sehr warmen Rhônetal.

Blick vom Grand Pomerolle auf Saou

Blick vom Grand Pomerolle auf Saou

Saou ist mit das Zentrum der Kletterbegeisterten, bieten doch die steilen Felsen aus Sediment- und Kalkgestein genügend Felsnasen für griffige Hände und standhafte Fußsohlen an mehr als 400 ausgewiesenen Kletterfelsen. Faszinierend ist hier insbesondere der „Foret de Saou“, ein eigenwillig von West nach Ost geformtes ovales Tal mit einem schmalen Felsdurchbruch an seiner Südwestseite (mit dem zur Touristensaison quirligen Ort Saou), dessen Steilwände an den „Trois Becs“ am Ostende bis auf 1.589 Meter empor ragen.

Blick ins Tal des Foret de Saou

Blick ins Tal des Foret de Saou

Das Tal wurde durch Köhlereien im 19. Jahrhundert komplett entwaldet – bis sich 1924 der Großindustrielle Maurice Burrus bereit fand, das Tal wieder aufzuforsten: er kaufte schlichtweg Grund und Boden auf. Er pflanzte jedoch ein breites Spektrum an Baumsorten an, so dass dieser Naturpark heute ein bunter Mischwald aus mediterranen und alpinen Bewuchs ist und mit seinen breiten Wanderwegen wie schmalen Felsstiegen für jeden Wander- und Kletterfreund ein Paradies bildet. Jedoch empfiehlt es sich dringend insbesondere für die Gratwanderungen am Grand Pomerolle, den Trois Becs, am Roche Colombe und an der Chapelle St. Medard festes alpines Schuhwerk und auch höhenverstellbare Stöcke dabei zu haben – ansonsten droht schnell ein verknacktes Fußgelenk! Turnschuhe sind hier ein absolutes „no go“! Mit Glück kann man dann auf seiner Tour in einsamen Momenten Gemsen oder auch Steinadler sehen. Immer Ende Mai findet im Foret an der Auberge des Dauphins das „Fete de la Nature“ statt, bei dem die regionalen Umweltgruppen und Naturbeobachter ihre Arbeit zum mitmachen und anfassen anbieten. Auch Kletterkurse und Balanceübungen am Schwebeseil zwischen den Bäumen finden statt. Da die Umweltbewegung in Frankreich noch in den Kinderfüssen steckt, ist diese Arbeit und das Naturfest mehr als beachtenswert!

Über Crest an der Drome thront der mittelalterliche Burgturm

Über Crest an der Drome thront der mittelalterliche Burgturm

Wer genug von Natur, Klettern und Wandern hat, kann sich der Historie der Region widmen. Bereits die Römer waren hier unterwegs: das noch heute mittelalterliche Crest ist eine römische Gründung (damals als Handelspunkt „Crista Arnaldorum“ zwischen der Provence und dem Savoie bekannt). Über Crest thront der von allen umliegenden Höhenzügen aus ersichtliche Burgturm, ein gigantischer 52 Meter hoher, 20 Meter tiefer und 32 Meter langer mittelalterlicher Komplex – der heute nur einen Bruchteil der bis ins 17. Jahrhundert immer mehr erweiterten Anlage zeigt. Denn 1633 ließ König Louis XIII die Festung „schleifen“, nur der Hauptturm blieb übrig. Mitte Mai finden in Crest übrigens jedes Jahr an einem Wochenende mittelalterliche Festspiele statt, die engen Gassen werden zu Markstraßen mit mittelalterlichen Angeboten, die Bewohner tragen historische Kleidung, Ritter kämpfen (spielerisch) gegeneinander, rauben sich aus – und oben am Burgturm fliegen (dressierte) Jagdvögel. Schlichtweg ausreichend faszinierende Angebote für Jung und Alt.

romanische Kathedrale "Saint-Apollinaire" in Valence

romanische Kathedrale „Saint-Apollinaire“ in Valence

Von Crest aus sind es nur wenige Kilometer nach Norden bis nach Valence (nicht zu verwechselnd mit dem spanischen Valencia!). Die Stadt an sich ist sehr quirlig, doch vom historischen Stadtkern ist wenig geblieben. Die Stadtmauer samt Graben wich einer breiten „Périphérique “ mit Straße, breiter Fußgängerzone, Busbahnhof und die mittelalterlichen Häuser wurden hier durch Jugendstilbauten des 19./20. Jahrhunderts ersetzt.

das Maison des Tetes in Valence

das Maison des Tetes in Valence

Sehenswertes hat Valence dennoch zu bieten: das schön gestaltete „Hotel du Ville“ (Rathaus mit Uhrturm), 3 aufwändig verzierte „Maison“ (Häusern, am sehenswertesten ist das Maison des Tetes) aus dem Mittelalter und als Schmuckstück die romanische Kathedrale „Saint-Apollinaire“ aus dem 11. Jahrhundert. Sie stürzte jedoch im 17. Jahrhundert ein, wurde aber auf Beschluss der Stadt und katholischen Kirche 1:1 wieder aufgebaut. In 2013 fanden (und finden) umfassende Sanierungsmaßnahmen statt, die diesen romanischen Kirchenbau in einem neuen Licht erscheinen lassen. Wir hoffen, dass die historische Orgel auch wieder erklingen wird, als wir die Kirche besichtigten, waren auf der Empore nur „ein Haufen Bretter“ zu sehen…

Im Stadtzentrum von Dieulefit

Im Stadtzentrum von Dieulefit

Die Region war übrigens eine Hochburg der reformierten Kirche: ein Rückzugsgebiet der französischen Hugenotten, sie wurden im 16. Jahrhundert in den Religionskriegen vertrieben. Übrig blieben aber vielerorts ihre „Tempel“, die heute von kleinen evangelischen Gemeinden wieder genutzt werden. Im malerischen wie neu hergerichteten Ort Dieulefit gibt es sogar eine evangelische Großkirche, denn im 17. Jahrhundert war der Ort das (letzte) Rückzugsgebiet der Hugenotten. Infolge dessen ist hier auch ein Museum über die reformierte Kirche Frankreichs zu finden. Dieulefit wurde aber erst im 20. Jahrhundert richtig bekannt: Diese Kleinstadt, die den Namen Gottes in sich führt (übersetzt: „von Gott gegeben“), widerstand während des Zweiten Weltkrieges auf ungewöhnliche Weise der Gewaltherrschaft des Vichy-Regimes und den deutschen Besatzern. Stille Helden vollbrachten „das Wunder von Dieulefit“: dieses kleines Dorf hat weit über tausend jüdische Kinder, Flüchtlinge und Verfolgte geschützt, versteckt und ernährt und damit viele Menschenleben gerettet. Zugleich ist Dieulefit aber auch das Zentrum des alten Töpferhandwerks der Haute Provence – davon zeugen noch heute viele kleine Betriebe mit ihren Geschäften in der Fußgängerzone, am südöstlichen Ortsausgang gibt es für das Töpferhandwerk sogar ein eigenes Museum.

Nach dem Regenschauer etwas Sonne, gefolgt vom nächsten Hagelschauer... Montelimar im Mai 2013

Nach dem Regenschauer etwas Sonne, gefolgt vom nächsten Hagelschauer… Montelimar im Mai 2013

Über die D540 gelangt man von Dieulefit direkt nach Montelimar, die Stadt bezeichnet sich selber als „Tor zur Provence“. Direkt am Rhône-Durchbruch gelegen, ist die Stadt allerdings heute wenig sehenswert – von Norden her hängt ständig die gigantische Dampfwolke des Kernkraftwerkes über der Stadt, nach Süden schließt sich ein gigantisch großes Gewerbegebiet wie Neubaugebiet an. Die mittelalterlichen Gassen mit ihren kleinen Geschäften leiden so unter dem Abfluss der Kaufkraft der eigenen Einwohner, hinzu kommt die Wirtschaftskrise (oder Schulden- wie Eurokrise), so dass viele Geschäfte leer stehen. Die über der Stadt thronende Burg ist Heimat wechselnder Gemäldeausstellungen, bietet wenig „Angriffsfläche“ für fotogene Punkte.

Das "Nougat-Museum" von Montelimar befindet sich in einer Industriehalle

Das „Nougat-Museum“ von Montelimar befindet sich in einer Industriehalle

Das überall angepriesene Nougat-Museum (mit dem weltweit größten Nougatblock) will ob der unzähligen in alle Richtungen weisenden Schilder erst einmal gefunden werden! Denn immerhin ist Montelimar die „offizielle Hauptstadt des Nougat“! Und wir haben ihn in seinen viele Geschmacksrichtungen (cassis, rose, pistazie und orange, um nur wenige zu nennen) direkt bei einem etwas hochwertigeren „Producteure“ (DuLac) in der Altstadt probiert – einfach lecker! Das „Museum“ am nördlichen Stadtrand ist allerdings mehr eine Art Verkaufsfläche und Freizeitpark zugleich – man weiß nicht so Recht – „geht es im die Geschichte des Nougat oder einfach nur um den farbenfrohesten Weg des Verkaufs“?! Wir jedenfalls fanden die 34 Euro Eintritt für eine 4-köpfige Familie ziemlich heftig und viel zu teuer! Und das Nougat ist relativ lieblos zubereitet…

Das Römische Theater von Orange

Das Römische Theater von Orange

Und wenn Montelimar einem Dank Hagelschauer und 7 Grad (plus) in einem Mai zu unwirtlich wird, ist man Dank der „Route du Sud“ (A7) nach rund 20 Minuten bereits in Orange, eine Stadt die noch heute von der römischen Geschichte lebt: Touristisches Highlight ist und bleibt das „Theatre Antique d’Orange“ (im ersten Jahrundert n.Chr. unter Kaiser Augustus erbaut), das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und ein beeindruckendes Zeugnis der römischen Zivilisation ist. Durch die Restaurierung im 19. und 20. Jahrhundert passen in das Theater, das als das europaweit mit besterhaltene römische Theater gilt, 7.000 Besucher. Zur Römerzeit passten rund 10.000 Menschen hinein, da weitere Besucherreihen in der Höhe nicht wieder aufgebaut wurden. Neben dem Theater gibt es noch „nennenswerte“ Überreste eins Tempels, der dem römischen Kaiserkult gewidmet war. An der Straße nach Lyon steht aus der Römerzeit noch ein dreibögiges Monumentaltor, das vielfach fälschlicherweise als Triumphbogen tituliert wird. Mit seiner Länge von 19 Metern, einer Höhe von 18 Metern und acht Metern Breite gilt es als eines der größten und besterhaltenen seiner Zeit, so die Abmessungsinfos bei Wikipedia. Viel mehr hat die Stadt allerdings nicht zu bieten, die mittelalterliche Innenstadt hat lediglich das übliche Touristennepp zu bieten.

Chateauneuf du Pape im Rhonetal

Chateauneuf du Pape im Rhonetal

Über die D68 schlängelt man sich weiter südwärts zum „Wallfahrtsort“ der Rhône-Weine, dem Ort Châteauneuf du Pape. Einst als Sommersitz der Päpste von Avignon gewählt, von dem nur noch die Ruine auf dem Dorfberg zeugt, haben die besonderen Weine rund um den Ort heute einen exklusiven Ruf, nicht nur weil einmal auf Luxus getrimmte Päpste diesen Tropfen auch mochten. Die nur wenige Zentimeter über den Erdboden ragenden Weinreben gedeien in dem warmen Rhônetal-Klima (2013: na ja…) über lehmiger wie steiniger Erde. Diese Anbaumethode sorgt dafür, dass die Steine bzw. Der schwere Boden die Sonnenwärme des Tages speichern und nachts wieder abgeben – dadurch erreicht man eine besondere Schwere der Weintrauben, da sie tags wie nachts der Wärme ausgesetzt sind.

Wichtig für die besondere Note des Chateauneuf du Pape: der steinige Boden

Wichtig für die besondere Note des Chateauneuf du Pape: der steinige Boden

Nur 13 Traubenarten werden angebaut, gekeltert und gemischt, um den roten (und neuerdings auch weissen) Chateauneuf-du-Pape herzustellen – und jedes Weingut das den Namen des Ortes tragen darf, hat sein eigenes Geheimrezept für die „perfekte Mischung“, es geht eben nichts über einen ausgereiften wie perfekt ausgewogenen „Cuvee“. Die derzeit besten Jahrgänge sind übrigens 2003, 2005 und 2007, wobei die Flaschenpreise ab dem 2007er bereits die 30-Euro-Marke überschreiten… Genießen sollte man diese besonderen Weine übrigens erst nach 6 oder mehr Jahren, die richtige Lagerung vorausgesetzt… Hoffen lassen übrigens auch die Jahre 2009 und 2010: diese Jahrgänge sind noch bezahlbar, müssen aber eben noch bis mindestens 2015 oder besser 2016 (richtig) lagern.

Ebenso gute – und vor allem bezahlbar – Weine gibt es rund um Châteauneuf du Pape zuhauf: man ist mitten drin in den besten Lagen des Côte du Rhône (Village). Uneingeschränkt empfehlen können wir Dank jahrelanger Erfahrung vor allem die Weine aus Rasteau, Visan und Valreas. Die Anbaumethode ist mit dieselbe wie in Châteauneuf. nur dürfen die Weine eben nicht denselben Namen führen, da sie eine andere „Region“ sind…

Blick über die Dächer von Avignon auf den Papstpalast

Blick über die Dächer von Avignon auf den Papstpalast

Nur 15 Minuten weiter südlich liegt Avignon, eine faszinierende Stadt, die bereits aus der Ferne Dank des imposanten Papstpalastes weithin sichtbar ist. Über die D907 erreicht man das Stadtzentrum von Norden direkt ohne Umwege, das Parkleitsystem gibt ausreichend Infos zu verfügbaren Parkplätzen in und um den Cityring – wer die Innenstadt schnell erreichen will nimmt das Parkhaus direkt unter dem Papstpalast, für die hohe Parkgebühr entschädigt der Ausgang direkt vor den Mauern des Palastes. Da Avignon Dank Machtkämpfen in Rom von 1309 bis 1423 Sitz der Päpste war, erfuhr die Stadt mit dem Papsttum einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung: Avignon wurde zu einem intellektuellen, künstlerischen und kulturellen Zentrum. Neben dem pompösen Palast bauten die Päpste auch die heute noch erhaltene gigantische Stadtmauer, rund 30.000 Menschen lebten im 14. Jahrhundert in der Stadt – Avignon war zu der Zeit mit die größte Stadt Europas. Pompös sind auch heute noch die Eintrittspreise, die die Kirche für die Besichtigung des Palastes erhebt: eine 4-köpfige Familie soll dafür 39 Euro hinblättern – kein Pappenspiel, zumal das fotografieren im Palast auch noch verboten ist. Wer hat, der kann, wer nicht kann, soll es lassen… Für das Geld gibt es zwar als Bonbon noch das Betreten der Brücke Pont St. Bénézet (besser bekannt als die „Brücke von Avignon“) dazu, doch 1) ist die Brücke trotz UNESCO-Kulturerbe eine Ruine, die mitten in der Rhône endet und 2) ist die Brücke von unten bzw. dem Ufer aus viel imposanter anzusehen und somit auch „fotogen“. Bei unserem Besuch hielt die Rhône leider nur eine braun-graue Brühe bereit – das Pfingsthochwasser des Mai 2013 mit einem Wasserstand von mehr als 5 Meter über Normalpegel war gerade erst auf dem Rückzug… Die rund um den Palast erhaltene mittelalterliche Stadt mit den verwinkelten Gassen lädt zum Bummeln ein, je näher man aber der Stadtmauer kommt, um so weniger ist davon jedoch übrig: in den 1960er Jahren wurden weite Teile der Altstadt abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Vaison la Romaine: mit die größte Archäologische Fundstätte römischer Kultur

Vaison la Romaine: mit die größte Archäologische Fundstätte römischer Kultur

Wahlweise kann man nun von Avignon noch weiter in die typische Provence hinein Richtung Aix-en-Provence reisen – oder sich das für eine spätere Erkundung aufheben (auch um besseres Wetter zu erwischen – die Lavendelblüte ist sowieso erst von Juni bis August). Wir knickten wieder Richtung Haute-Provence nach Nordosten ab, über Carpentras geht es nach Vaison-la-Romaine! Hier stößt man auf mehr als 2000 Jahre alte lebendige Kultur: die größte Ausgrabungsstätte Frankreichs, die sogar der Öffentlichkeit zugänglich ist. Neben den Grabungen gibt es das Gallo-Römische Museum, eine romanische Kirche (zu der wir es aus Faulheit wegen herrlichen Sonnenscheins – ja sowas gibt es auch in einem Mai 2013 – nicht geschafft haben), die mittelalterliche Stadt selber und ihre Burg. Eine Zeitreise pur von den Römern bis in die Neuzeit: Unter dem heutigen Ort liegt ein Schatz begraben, der nur an wenigen Stellen komplett freigelegt wurde. Z.B. das Forum liegt unter der heutigen neueren Stadt und kann deshalb nicht mehr freigelegt werden. Die Römer hatten mit Vaison (antiker Name „Vasio Vocontiorum“) im ersten und zweiten Jahrhundert n.Chr. am Fluss Ouveze eine blühende Stadt errichtet, die ihren Ausmaßen nach rund 10.000 Menschen beherbergte. Der heutige Ort hat nur rund 6.000 Einwohner – nur um mal ein Gefühl für die Größe zu bekommen… Neben einem Amphitheater, das zwischen 6.000 und 7.000 Menschen aufnehmen konnte, gab es unzählige Stadtvillen (das Maison Au Dauphin hatte z.B. eine Wohnfläche von ca. 2700 Quadratmeter, die meisten Villen hatten gar eine Fußbodenheizung!), aber auch ein Sanctuarium, eine städtische und damit öffentliche Therme, große Toilettenanlagen mit automatischer hygienischer Reinigung (sprich fließend Wasser) und als besondere Sehenswürdigkeit eine „Shopping Mall“: ein lange gepflasterte Einkaufsstraße mit Säulen (Arkaden) und unzähligen Verkaufsboutiquen. Unverständlich wie all diese technischen und gesellschaftlichen Errungenschaften in den folgenden Jahrhunderten der Völkerwanderungen im dunklen Mittelalter enden konnten. Toiletten mit fließend Wasser wie auch Häuser mit Fußbodenheizung gab es erst wieder im 20. Jahrhundert!

Blick auf das mittelalterliche Vaison auf der anderen Flussseite

Blick auf das mittelalterliche Vaison auf der anderen Flussseite

Sehenswert ist in Vaison auch noch die ursprünglich römische Brücke (inzwischen neu aufgebaut) über den Fluss – so gelangt man auf dem gegenüber liegenden Hügel mit der mittelalterlichen Stadt und ihren engen Gassen. Schaut man hier genau hin, wurden vielfach Steine aus der römischen Siedlung verwendet, um die qualitativ minderwertigeren Häuser des Mittelalters hochzuziehen. Und wer ganz tapfer den steilen Gassen bergauf folgt, kommt erzwungenermaßen bis zur Festung, von der sich ein grandioser Blick in die Umgebung ergibt. Wer nicht so weit kommt oder kommen möchte, kann sich in der Stadt auch in den vielen Kunstausstellungen umsehen, die bekannteste (und größte Galerie) ist von Leon Zanella. Dieser französische Maler hat sich schwerpunktmäßig der Ölmalerei und farbenfrohen Motiven aus der Provence wie Italien verschrieben. Neben den (teuren) Originalen gibt es auch preiswertere Litographien, Poster und Postkarten.

Fantastisches Bier in Saou - wir waren gerne bei "Markus Biere"!

Fantastisches Bier in Saou – wir waren gerne bei „Markus Biere“!

Und wer nun genug von Römern, Klettern, Wandern wie Weinproben hat, der schließe seinen Urlaubsabend in Saou an der Straße nach Bourdeaux (nicht zu verwechseln mit Bordeaux an der Garonne!): rund 50 Meter vom Marktplatz entfernt liegt zurückgesetzt die kleine lokale Hausbrauerei „Markus Bieré“, unschwer erkennbar am Nilpferd-Logo. Im bunten (französischen!!!) Biergarten auf der Hausrückseite sollte man sich durch die 3 Zapfsorten Blanche, Blonde und Ambree probieren (wir gewannen das mälzig-süße Ambree sehr lieb), die vierte (hochprozentige und ebenso leckere) Sorte Brune gibt es nur auf Flaschen gezogen. Das schöne am Biergarten: er ist nach Westen ausgerichtet, gibt der Abendsonne die Möglichkeit auch an kalten Maiabenden wie 2013 ein herrliches Feierabendbier genießen zu können, oder zwei, oder drei…

© Text&Fotos: Hans-Martin Goede

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