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Reisebericht: Schleswig-Holstein

die Schlei ist ideales Segelgebiet

die Schlei ist ideales Segelgebiet

SCHLESWIG (10. Juni 2004) – Also da verzweifeln selbst Kartographen mit guter Ortskenntnis. Mit der Beschilderung nördlich das Nord-Ostsee-Kanals ist es wie mit einer Karte vom Nordpol, obwohl man sich am Südpol befindet… man kann es schlichtweg vergessen, sich zurechtzufinden. Dass in Schleswig “alle Ziele” auf den Schildern “Fernverkehr” heißt, haben wir erst lange nach der Schildersuche begriffen. Überhaupt ist die Stadt Schleswig selber ein Inbegriff von Schilderfeindlichkeit – Touristen sind scheinbar nicht erwünscht, denn sonst wäre längst etwas unternommen worden. Kein Wunder, dass die Deutschen lieber ins Ausland fliegen oder nach Bayern fahren (12 % Umsatzwachstum in 2003 im weiss-blauen Freistaat im Tourismus!) statt in den eigentlich gemütlichen und ruhigen, aber ebenso sehenswerten Norden zwischen Rends- und Flensburg.

Alte Windmühlen (wie hier in Lindau an der Schlei) prägen immer noch die Landschaft der Region

Alte Windmühlen (wie hier in Lindau an der Schlei) prägen immer noch die Landschaft der Region

So ist die Schlei zwischen Kappeln (Schleimündung an der Ostsee) und Schleswig (mit Schloss Gottorf und dem Wikingerdorf Haitabu am Ende des Meeresarmes) ein guter Ausgangsplatz für Ausflüge in die Region, sind es doch nur noch 30 Kilometer bis nach Dänemark (bzw. 130 km nach Billund ins Original-Legoland), 20 Kilometer nach Rensburg (mit der höchsten Eisenbahnbrücke der Welt über den Nord-Ostsee-Kanal) bzw. 35 Kilometer in die Landeshauptstadt Kiel (mit dem schleswig-holsteinischen Freilichtmuseum). Im Schleigebiet gibt es unzählige Ferienwohnungen, Ferienhäuser, Ferien auf dem Bauern- oder gar Reiterhof, Campingplätze… besser bekannt als “die Schleidörfer”. Die Schlei selber wird in Kappeln und Lindau mit einer Hebebrücke passierbar gemacht, Fähren sind in Arnis (der kleinsten Stadt Deutschlands) und Missunde zu finden. Und so wechseln sich Straßen- mit Bahnverkehr ab mit dem hohen Wasserstraßenverkehr der Schlei. Man muss schon viel Zeit mitbringen, wenn die Hebebrücken oben sind und die unzähligen Segelschiffe die Meeresarmengen passieren. Kappeln wurde bekannt durch die “Landarzt”-Fernsehserie des ZDF (80er und 90er Jahre), noch heute gibt es die “Landhaus-Kneipe” neben der Kirche im Stadtzentrum. Zusammen mit Süderbrarup ist Kappeln am besten geeignet für ein kleines ländliches Shopping – wer mehr braucht bzw. erwartet, muss nach Kiel, Lübeck oder Hamburg!

Haitabu - das Wikingermuseum mit dem geborgenen Schiff aus der Schlei

Haitabu – das Wikingermuseum mit dem geborgenen Schiff aus der Schlei

Schleswig-Holstein, Land zwischen den Meeren – bei den Einheimischen auch als “größter Flugzeugträger der Welt” belächelt (die Bundeswehr ist hier mit Heer und Marine so ziemlich der größte Arbeitgeber), war früher “Zankapfel” zwischen Preußen und Dänemark, die Grenze wanderte mehrfach von Nord nach Süd und zurück. Das “Dannewerk” ist – wie der Limes in Süddeutschland von den Römern – ein Überrest aus alten Krisenjahren zwischen Dänen (Wikingern) und Deutschen (Germanen). Er zog sich von Haithabu (der alten Wikinger-Metropole vor 1.000 Jahren) Richtung Westen bis an die Eider und trennte so mit einem riesigen Wall die streitigen Völker. Überreste davon sind heute noch nahe Haitabu westwärts zu begehen. Haithabu übrigens ist ausschließlich von der B76/B201, der mehrspurigen Umgehungsstraße von Schleswig her beschildert. Wer sich nach Schleswig selber hinein verirrt (Schloss Gottorf muss man gesehen haben!), sollte den Schildern “Fernverkehr” nach Kiel/Rensburg folgen (auch wenn das Autobahnlogo daneben steht) – Haitabu ist erst ab dort ausgeschildert, auch wenn es das wohl bekannteste Wikingermuseum Nordeuropas ist…

Das Multimar-Wattforum in Tönning ist "Nordsee-Live" zum Anfassen für Jung und Alt

Das Multimar-Wattforum in Tönning ist “Nordsee-Live” zum Anfassen für Jung und Alt

Wer es an den vielen Sandstränden mit der ruhigen Ostsee nicht mehr aushält, macht sich per “go west” in Richtung Nordsee auf – sie ist keine 100 Kilometer entfernt. Husum, St. Peter-Ording (mit seinen endlosen Sandpisten im Watt und den alljährlich stattfindenden Strandseglerwettbewerben), Tönning – alles befindet sich dort recht nahe aufeinander. Nach Norden knickt man Richtung der Halligen, Amrum und Föhr wie Sylt ab, nach Süden schließt sich der Nationalpark Wattenmeer an. In Tönning, übrigens ein wunderbar gerichtetes altes Fischerstädtchen mit historischem Hafen, befindet sich auch das MULTIMAR Wattforum, ein Meereskundemuseum rund um die Nordsee – zum Anfassen! Neben vielen Aquarien mit Schalentieren und Fischen der Nordsee gibt es auch ein Wattbecken, in dem ständig Ebbe und Flut sich abwechseln und so den Besuchern anschaulich das Spiel der Natur in Klein erläutert. Ein weiteres großes Becken ist zum Ausprobieren von Wellen mit Brandung vorhanden (siehe Foto), das scheinbar rund um die Uhr dicht von den Kindern belagert ist (wir fanden jedenfalls kaum eine Lücke…). Neben einem Pottwal (in 1:1 mit 24 Meter Länge) befindet sich auch ein Schweinswal in Lebensgröße (aber beide aus Plastik) im Multimar, jede Menge Bildschirme mit Touchscreens und Kopfhörer klären über das Leben von Walen in den Weltmeeren auf – sponsored by Greenpeace, finden wir toll! Das riesige Aussengelände mit Spielplatz und Restaurant ermöglichen hier stundenlanges verweilen – aber unser Matjesbrötchen haben wir dann doch lieber im Tönninger Hafen gegessen….

Großer Pluspunkt für die Region: Fast überall gibt es den “Schleswig-Holstein-Kinderpass” (herausgegeben von der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH in Kiel). Eltern wie Kinder erhalten in allen teilnehmenden Museen und Ausflugsangeboten (40 an der Zahl) Rabatte oder gar kostenfreien Eintritt. Wenn der Norden allerdings mit dem touristisch bestens ausgerichteten Süden bzw. dem Ausland Schritt halten will, muss baldmöglichst etwas unternommen werden. Ein Timmendorfer Strand, eine alte Hansestadt Lübeck oder Fehmarn reichen nicht aus, Besucher aus ferneren Regionen anzulocken – sonst läuft der Norden Gefahr, nur noch von den Touristen aus dem unmittelbaren Umkreis bis 200 Kilometer zu leben. Das muss mit einer besseren Beschilderung, höherwertigen Einkaufszentren und freundlichen “Ureinwohnern” beginnen. Bölkstoff a la Werner reicht da nicht aus…

Mehr Infos rund um (einige) Schleswig-Holsteins Tourismusziele:
www.multimar-wattforum.de
www.land-und-leute-erlebnispark.de
www.haithabu.de
www.artefact.de
www.schleswig.de

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