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Reisebericht: Island – der Norden

etwas eintönig – die Hochebene Jökulsdalsheidi

HUSAVIK (© hmg) – Rock around the ringroad… im Norden Islands ist der 66. Breitengrad und damit der Polarkreis (auf 66° 33′ 55″ Grad n.B., Islands Insel Grimsey) allgegenwärtig, man kreuzt den 66. auf seinen Abstechern von der Ringstraße wiederholt. Von Egilsstadir kommend (siehe unser Bericht „Island – der Osten„) windet sich die Ringstraße in ruhigen Kurven vorbei an Wasserfällen, die mehr Wasserrutschen gleichen, langsam Richtung Norden. Dem Aufstieg folgt die unendliche Weite der Hochebene Jökulsdalsheidi mit dunklen Sandern, Geröllfeldern, abrupten Wechseln von unterschiedlichen Pflanzen, die auf dem kargen Boden ihre Wurzeln ins Erdreich klammern, immer wieder unterbrochen von Tümpeln und plätschernden Rinnsalen und Flüssen.

nach der eintönigen Hochebene Jökulsdalsheidi kommt der atemberaubende Odadahraun in Sicht!

nach der eintönigen Hochebene Jökulsdalsheidi kommt der atemberaubende Odadahraun in Sicht!

Ist man gerade ein wenig am wegdösen bzw. in Gedanken rund um Landmanalaugar unterwegs, bringt der Pass Langidalur den Puls wieder in Wallung: Ascheberge in verschiedenen Farben säumen die Straße, nach dem Pass öffnet sich die Ebene hin zur vulkanisch sehr aktiven Zone – dem Odadahraun. Willkommen in der Bruchzone zwischen der europäischen und nordamerikanischen Kontinentalplatte! Man braucht nicht viel Phantasie, hier Vulkane mit spuckender Lava oder Aschewolken zu sehen. Stundenlang könnte man dieses Panorama genießen, ja wenn nicht irgendwelche Reisebusse neben einem zum Stehen kommen, die ihre Menschenladungen ausspucken und diese sich zielstrebig wie ein flüssiger Lavastrom unerlaubt in die Geröllfelder mit den zarten Blümchen und Gräsern der strapazierten isländischen Pflanzenwelt ergießen. Kein Reiseleiter, kein Busfahrer, der dies verhindert. Es macht sprachlos.

stehen in "Reih und Glied" - Vulkankegel auf einer Bruchkante im Odadahraun

stehen in „Reih und Glied“ – Vulkankegel auf einer Bruchkante im Odadahraun

Weiter geht die Fahrt durch die Reihen der Vulkankegel, die je nach Lichteinfall mal schwarz, mal grün, mal rot, mal andersfarbig schillernd glänzen. Bevor Myvatn erreicht ist, gibt es zwei Abfahrten von der Ringstraße nach Dettifoss. Ist die erste durchgehend bis Asbyrgi geschottert, so ist die zweite bis Dettifoss inzwischen perfekt geteert, wohl in 2018 wird die anschließende F862 nach Asbyrgi auch durch eine stoßdämpferschonende Teerstrasse ersetzt sein. Dann entfällt für Kleinwagen der Umweg über Husavik, um nach Norden zu kommen.

Am Dettifoss einfach mal auf die Füße der Touristen schauen - man entdeckt dabei erstaunliche Schuhvarianten!

Am Dettifoss einfach mal auf die Füße der Touristen schauen – man entdeckt dabei erstaunliche Schuhvarianten!

Dettifoss – nur eine Randnote. Mögen sich dort Billionen cbm Wasser todesmutig in die Tiefe stürzen, die Touristen wackeln wie die Lemminge die 800 Meter vom Parkplatz bis zu den Wasserfällen. Todesmutig knochenbrecherisch auch die, die diese Strecke in Sandalen ablaufen wie man sie sonst nur auf Kreta sieht.

Sehenswerter ist da schon eher der Canyon am Hafragilsfoss, dorthin verirren sich aktuell nur geschäftstüchtige Isländer mit einem Photoexkurs. Auch diese Teilnehmer lässt man ungestört abseits der Wege ihre Motive suchen – unter den Augen des einheimischen Führer. Sorry, das Land hat wohl nicht mal seine eigenen Menschen unter Kontrolle?

spektakulär: der Canyon nach dem Hafragilsfoss (der Wasserfall nach dem Dettifoss)

spektakulär: der Canyon nach dem Hafragilsfoss (der Wasserfall nach dem Dettifoss)

Am Ende der hufeisenförmigen Schlucht (Asbyrgi)

Am Ende der hufeisenförmigen Schlucht (Asbyrgi)

Asbyrgi, die hufeisenförmige Schlucht nördlich des Dettifoss ist ein Überbleibsel des Flusses  Jökulsá á Fjöllum, der inzwischen weiter östlich sich mit seinen Sandern in das Nordpolarmeer ergießt. Touristisch hochgradig erschlossen, die Wege behindertengerecht ausgebaut – hier ist der Massentourismus voll angekommen. Rund um Asbyrgi sehenswerter sind die geologischen Transformationen der Erde mit den langen Verwerfungslinien. Die Kraft des Erdinnern drückt hier Europa nach Osten und Nordamerika nach Westen. Als Mensch kommt man sich unendlich klein vor.

u.a. Husavik lebt inzwischen von den Touristen, die WhaleWachting machen wollen

u.a. Husavik lebt inzwischen von den Touristen, die WhaleWachting machen wollen

Island ist eine Walfang-Nation. In der einstigen Walfänger Hochburg Husavik hat man aber (Gott sei Dank) die Zeichen der Zeit bereits vor über 20 Jahren erkannt, dass mit Whalewachting wesentlich mehr Geld zu verdienen ist. Rund ums Jahr bieten verschiedene Unternehmen im Hafen ihre Touren in die Skjalfandi-Bucht vor Husavik an – dort wo Mink- und Buckelwale ihre Runden drehen. Ans Herz legen kann man hier North Sailing – sie bieten „Carbon neutral“ Touren an – statt knatternder Diesel oder brüllend lauten Schnellbooten fährt man ruhig und bedächtig mit Batteriebetrieb über das Wasser. Der Strom hierfür wird aus Erdenergie gewonnen, die Wale müssen nicht das Getöse der Schallwellen der Motoren ertragen – und Mehrkosten entstehen den Touristen dadurch auch nicht. Wieder zurück im Hafen kann man sich direkt am Kai im Restaurant Gamli Baukur mit dem „Fang des Tages“ aus der Bucht vor Husavik aufwärmen (nein, kein Walfleisch!) – als Dessert sei zudem das hauseigene Blaubeereis empfohlen!

die rauchende und fauchende Krafla-Bergflanke: Hverir, liegt direkt an der Ringstraße

die rauchende und fauchende Krafla-Bergflanke: Hverir, liegt direkt an der Ringstraße

Wieder zurück an der Ringstraße steht Myvatn als nächstes Ziel auf dem Straßenschild. Vorher jedoch gelangt man zum Krafla-Vulkangebiet, das sich auf eine Länge von ca. 100 Kilometer zieht. Die letzte Ausbruchsserie dieser Region fand von 1975 bis 1984 statt und wird als „Krafla Feuer“ bezeichnet. Auch wenn die Erdspalten längst keine Lava mehr spucken: überall raucht und dampft der Boden, schwefelgeschwängerte Luft, Schlammvulkane wie in Hverir ergänzen das Erscheinungsbild. Die Isländer nutzen die „Nachwehen“ der Vulkanaktivitäten von vor mehr als 33 Jahren für die Energiegewinnung: das Geotermalkraftwerk Kröflustöd faucht und raucht bei der Umwandlung in Strom.

Der „Sound of Earth“ von Hverir in Bild und Ton:

Myvatn - Mückensee. Immerhin eine kurze Regenpause für ein Foto war uns gegönnt...

Myvatn – Mückensee. Immerhin eine kurze Regenpause für ein Foto war uns gegönnt…

Nach dem Pass von Hverir gelangt, neben den rauchenden Erdspalten und der ebenso überlaufenen Nachahmung der „Blauen Lagune“ bei Keflavik, der See Myvatn in den Blick. Zumindest dann wenn es schönes Wetter hat und nicht ein grauer Regenvorhang über der Ebene hängt, zeigt der im Schnitt nur etwa zwei Meter tiefe See seine volle Schönheit mit tiefblauem Wasser und unzähligen sogenannten Pseudokratern. Diese schauen aus wie viele kleine Vulkane, entstehen aber durch das abrupte Zusammentreffen von aufbrechenden Lavaströmen mit kaltem Wasser. Bekannt ist der See auch für seinen Fischreichtum – den er wiederum den Mücken- und Fliegenschwärmen in den Sommermonaten verdankt. Womit wir beim Ursprung seines Namens angekommen sind: Mückensee, Myvatn. Ok, arg viele dieser nervigen Insekten sind uns angesichts Wind und Regen nicht „in die Nase“ gekommen. Check, abgehakt, weiter geht es Richtung Westen.

am Godafoss - es ist schon eine Kunst, keine Touristen an den Hotspots von Island auf dem Foto zu haben...

am Godafoss – es ist schon eine Kunst, keine Touristen an den Hotspots von Island auf dem Foto zu haben…

Man merkt rasch, dass man die vulkanisch hochgradig Zone verlassen hat, nur noch die Hinweise auf warme Quellen zeigen den vulkanischen Ursprung an. Die Berge werden höher, es wird grüner, die ersten Wasserfälle tauchen wieder an den Hängen auf – man ist der Vermutung nahe sich eher in Südnorwegen als durch die Bergwelt im Norden Islands zu bewegen. Der Massentourismus im Juli ist auch hier allgegenwärtig, der Verkehr auf den Straßen ist enorm. Mal eben stehen bleiben und Fotos machen wie in den Ostfjords geht kaum. Am Godafoss Parkplätze rechts wie links vom Wasserfall, die Zugänge geteert und mit Leinen begrenzt, um die Touristenströme nicht ins Grün zu lassen. Im Café darf gerne ein Cappuccino in Espressogröße zu umgerechnet etwa 6 Euro genossen werden – wenn man will und kann?!

Akureyri liegt am Eyjafjördur

Akureyri liegt am Eyjafjördur

Der breite, wunderschöne und von hohen Bergen eingerahmte Fjord „Eyjafjördur“ beheimatet an seinem südlichen Ende Islands nördliche „Hauptstadt“ Akureyri. Nach den vielen kleine verstreuten „Dörfern“ erscheint dieser Ort mit seinen rund 18.000 Einwohnern fast wie eine Großstadt. Vierspurig wird der Verkehr der Ringstraße durch den Ort geschleust, alles wirkt ein wenig wie Reykjavik im Kleinen. Die Fußgängerzone ist immerhin ca. 300 Meter lang, Kirche, Oper und Hafen sind fussläufig erreichbar. Die großen Supermärkte und Handelsbetriebe reihen sich an der Straße nach Norden auf – so man ein Auto, Traktor oder anderen Heimwerkerbedarf braucht.

Siglufjördur - Drehort für die Fernsehserie "Trapped". Hier der Hafen

Siglufjördur – Drehort für die Fernsehserie „Trapped“. Hier der Hafen

Einen Abstecher sollte man über die kleinen Fischerorte Dalvik und Ölafsfjordur nach Siglufjördur machen – den Ort erreicht man über drei lange Tunnels. Der erste ist einspurig mit Haltebuchten alle 200 Meter, die anderen beiden unterqueren die Fjordberge mit einer Länge von 7 bzw. 4 Kilometern. Und suboptimal ist es natürlich wenn man hinter Dalvik mit noch halbwegs brauchbarem Wetter in die Tunnelsysteme eintaucht und in Siglufjördur im Sturm und Regen mit Sichtweite nahezu null wieder rauskommt.

Siglufjördur - vorsicht frisch gestrichen ;)

Siglufjördur – vorsicht frisch gestrichen 😉

Der Fjord von Siglufjördur zählt zu den schönsten der Insel, der Ort war Drehort für die TV Krimiserie „Trapped“ als Ersatz für Seydisfjördur. Nun, wir haben so manchen Schauplatz der Serie im nassen Grau wiedererkannt, doch von der Umgebung Dank des Sauwetter nichts gesehen, da man das Auto ohne komplette Durchnässung hätte nicht verlassen können. Islandtypisch: einfach eine Nacht abwarten (z.B. im B&B Arnarnes Paradies mit leckerem lokalen wie selbst hergestellten Produkten zum Abendessen und Frühstück) … dann ist’s wenigstens trocken.

entlang des Heradsvötn: saftige grüne Wiesen, bunt verpackte Heuballen der Bauern

entlang des Heradsvötn: saftige grüne Wiesen, bunt verpackte Heuballen der Bauern

Am schönsten empfanden wir an Islands Norden die Strecke von Siglufjördur über die 76 zur Ringstraße. Man mag es kaum glauben, dass man sich hier ziemlich genau auf dem 66. Breitengrad und damit auf dem nördlichen Polarkreis befindet: im Sonnenschein spiegelt sich das Wasser des Skagafjördur azurblau, darin badend die Felsbastionen Malmey, Kögur und Drangey. Mit der Verlandung des Fjords beginnt die wahre Schönheit: saftige in den verschiedensten Grüntönen schillernde Wiesen und Felder, darin eingelagert der mäandernde Fluss Heradsvötn. Islandpferde mit ihren frisch geborenen Fohlen grasen auf Koppeln, ab und an große Bauernhöfe, das frisch gewendete Heu wird von den Landwirten in bunte (Plastik)Ballen dekorativ platziert. Man kann sich kaum sattsehen an dieser Komposition aus Natur und Zivilisation.

eine Vulkane, keine Endmoräne eines Gletschers: der Vatnsdalfjall ist Folge eines gigantischen Erdrutsches

keine Vulkane, keine Endmoräne eines Gletschers: der Vatnsdalfjall ist Folge eines gigantischen Erdrutsches

Islands Norden endet zwischen dem „Drachenfelsen“ (Hvítserkur), sowie dem See Hòp bzw. Blöndulon und dem gigantischen Erdrutsch des Vatnsdalfjall: hier brach einst die gesamte Bergflanke ab und rutschte auf der gegenüberliegenden Seite wieder hoch und hinterließ eine bizarre nach kleinen Vulkankegeln aussehende Hügellandschaft. Und wer schon einmal auf den Inseln Islay bzw. Jura in Schottland war: der Gebirgszug Vididalsfjall sieht nahezu aus wie eine Kopie der „Paps of Jura“. Mit den weiten Landschaften der Arnarvatnsheidi wechselt nun die Ringstraße vom Norden in den Westen Islands – oder aber nach Nordwesten in die geheimnisvollen Westfjords.

© Text und Fotos Hans-Martin Goede 23.07.2017 – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. 

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils Jahrelang sichtbar!

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils jahrelang sichtbar!

Wenn unser Reisebericht Sie nun zu einer Islandreise verleitet, bitten wir höflichst darum, einige Regeln für diese wunderbare Insel am Polarkreis zu achten! D.h. Verkehrsregeln gelten auch für Touristen, verlassen Sie keine Wege nur um einen schillernden Stein aufzuheben und dann doch wegzuwerfen – Sie könnten auf den wenigen Metern zarte Pflanzen zertreten, so das auf lange Zeit an dieser Stelle nichts mehr wächst. Gehen Sie auf den Toiletten an den Tankstellen oder den Rastplätzen – „no shit, no paper“ gilt für jeden hier in der Natur! Offroad kann man mit 4×4 Autos auf den Pisten der F-Straßen genügend fahren, man muss dafür keine Straße verlassen und den Boden zerstören! Auch wenn am Beginn einer F-Straße kein weiteres Hinweisschild steht: diese Straßen sind (hochbeinigen) 4×4 Autos vorbehalten: Kleinwagen oder Campingautos/Caravans haben hier nichts zu suchen. Alle Infos zu den Strassenverhältnissen auf Island gibt es immer live unter www.road.is! Gecampt wird auf offiziellen Zeltplätzen und nur wenn es sich nicht vermeiden lässt in freier Natur! Und in Folge dessen verlässt man den Platz in der Natur, den man genutzt hat so, als wäre man nie da gewesen: keine zertretenen Pflanzen, kein Müll! Das Wetter auf Island kann von einer Minute zur anderen umschlagen. Sturm heißt Sturm, der Wind bläst schnell mal mit über 100 km/h. Wetterinfos und – warnungen gibt es jederzeit unter en.vendir.is oder savetravel.is (auch auf Deutsch).

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