Reiseblog: Insider Reiseziele und Urlaubtipps

Reisebericht: Schottland per B&B

beim Anflug auf dem Flughafen von Edinburgh, Schottland

beim Anflug auf dem Flughafen von Edinburgh, Schottland

Per Bed&Breakfast quer durch Schottland

Edinburgh – Tongue – Dufftown (© hmg, 10.09.2012) – Wie man in 2 Wochen mit 2 Cottages (Ferienhäusern) zwei grundsätzlich verschiedene Ecken Schottlands erkunden kann, haben wir ja bereits 2010 ausführlich dargestellt. Doch reichte dies natürlich bei weitem nicht aus, dieses so faszinierende Eckchen Europas komplett zu erkunden.

So wählten wir in diesem Jahr eine grundsätzlich andere Art der Landeserkundung: einmal der Zeitfaktor (statt 2 nun 3 Wochen), zum anderen die Art der Unterkunft – statt einem Ferienhaus die Nähe zu den Menschen suchen, also per „Bed&Breakfast“! Auch die Anreise war schnell geklärt: durch den langen Zeitfaktor im Voraus gab es preiswerte Flugverbindungen bereits 10 Monate im Voraus (versuche das mal einer bei der Bahn, die lassen bei Auslandsverbindungen Buchungen maximal 60 Tage im Voraus zu!), auch der Mietwagen war Dank des inkl. Vollkasko-Angebots des ADAC schnell online gefunden und vorreserviert (was am Ende aber nicht die zur Verfügungstellung des gewünschten Autos garantierte sondern mehr als 2 Stunden Warten und Ärgern beinhaltete, Olympia in London sein Dank!).

Schottische Folklore in Stirling, Foto © hmg 2012

Schottische Folklore in Stirling, Foto © hmg 2012

Die Suche nach einem B&B für die erste Nacht nach der Ankunft in Edinburgh ohne weitere Erfahrung in dieser Art der Übernachtungsweise gestaltete sich Dank des passenden Buches „where to stay and eat in Scotland“ recht einfach – der Kontakt zum gewünschten B&B per Internet heutzutage schnell hergestellt. Es geht natürlich auch ohne dieses jedes Jahr neu erscheinende Buch, es gibt unzählige Online-Portale für B&B! Ebenso hilfreich sind die Broschüren „The Little Green Book“ (bedandbreakfastnationwide.com) und „Scotland’s Best B&B“ (www.scotlandsbestbandbs.co.uk), die jedes Jahr neu gedruckt werden und kostenlos sind. Man bekommt beide gedruckten Angebote allerdings nur in den Tourist-Informations bzw. liegen in den beteiligten B&B aus. Doch die Webseiten bieten ja denselben Inhalt und sind sogar aktueller. Leider beinhaltet derzeit noch kein Portal alle Angebote, im Gegenteil – es gibt diverse regionale Portale zusätzlich, so wird alles recht schnell ein wenig unübersichtlich…

Schottischer gehts nicht - das Highland Rind, Foto © hmg 2012

Schottischer gehts nicht – das Highland Rind, Foto © hmg 2012

Letztlich gilt die „Spreu vom Weizen zu trennen“, denn es gibt Unterschiede in den Qualitäten der in der Regel familiengeführten „Minihotels“. Wer einen gewissen Anspruch auf Komfort legt, sollte daher mindestens 3 Sterne suchen und buchen. Diese Kategorie beinhaltet neben dem eigenen Bad (en-Suite) auch ein komfortables Zimmer mit einem Doppelbett (ab 160/200 cm) oder 2 Einzelbetten. Hinzu kommt natürlich das Frühstücksmenü. Die 3-Sterne-Kategorie umfasst vielfach sogar bereits ein kostenloses WLAN oder auch mal einen Aufenthaltsraum, der zu einem Plausch mit den anderen Gästen einlädt. Ab der 4-Sterne-Kategorie ist dies jedoch generell dabei! Auch sind hier die Betten mindestens 180/200 cm und die Räumlichkeiten etwas größer, ein „warm welcome“ gehört auch dazu (Tee und Kuchen zur Begrüßung). Wer es gerne mit King-Size wünscht, zahlt entweder einen Aufpreis (so vorhanden) oder sucht sein passendes B&B im 5-Sterne-Segment. Diese Klassifikation ist in Großbritannien sicherer als die Suche und Wahl eines vergleichbaren Hotels und sollte daher bevorzugt gewählt werden, insbesondere wenn man Land und Leute gerne ein wenig näher kennenlernen will. Für uns jedenfalls sind Hotels in Großsbritannien in Zukunft passe.

Durch die B&B Übernachtungen bekamen wir sehr schöne Einblicke in die schottischen (wie auch englischen) Familien, die diese Häuser führen und ihre Gäste verwöhnen. Meist ergeben sich lange und interessante Gespräche mit den Gastgebern, sei es gleich bei der Begrüßung, am Abend beim Bier oder Whisky oder auch beim Frühstück, wenn es die Gästezahl erlaubt. Jede Familie ist anders, entsprechend auch die Themen – von der Politik bis zu Geschichten über die Kinder wie Nachbarn. Ebenso ist die Hilfsbereitschaft groß, wenn es um Tipps zu Ausflügen, Buchungen oder Restaurants geht. Fehlt mal aus irgendeinem Grund das Gespräch, liegen jede Menge Broschüren und Bücher bereit.

Schafe liefern nicht nur Wolle - Lammfleisch braucht man auch für Haggis, Foto © hmg 2012

Schafe liefern nicht nur Wolle – Lammfleisch braucht man auch für Haggis, Foto © hmg 2012

Das Frühstück ist letztlich das Highlight jedes B&B – vom „Continental breakfast“ über das englische „Tea and Toast“ Version bis hin zu klassischen „Scotish breakfast“ gibt es alles, Sonderwünsche werden nach Möglichkeit auch berücksichtigt – wichtig vor allem bei Allergieproblemen. Man muss es einfach nur rechtzeitig mitteilen! Wir empfehlen ohne Einschränkung immer das „Scotish breakfast“ zu nehmen. Ja, es ist umfangreich! Rührei oder Spiegelei, Scone (Rösti), Pilze, Tomaten, gekochte Bohnen, Bacon, Sausages (Würstchen gebraten), Black Pudding (Blutwurst) und last but not least der schottische Haggis. Nicht unbedingt jedermanns Geschmack, auch sollte das Lamm darin kein alter Bock sein… Sonst aber uneingeschränkt einfach lecker (was in Deutschland vergleichbar schmeckt? Die fränkische Leberwurst! Nur mit weniger Fleisch, dafür mit mehr Getreide). Dazu Toast und Butter sowie schwarzer Tee (Kaffee ist nicht unbedingt die Stärke der schottischen Küche). Man kann natürlich das eine oder andere weglassen (speziell als Vegetarier), sollte man aber nicht! Denn sonst ist der Hunger zum Lunch (Mittagessen) sehr schnell wieder da. Ansonsten kommt man mittags problemlos mit einem Kaffee bzw. Cappuccino in Kombi mit einem süßen Stück schottischen oder wenn sein muss auch englischen Kuchens durch den Tag und hat erst abends wieder Hunger, zum Dinner.

Für das Abendessen sollte man auf die Tipps der Gastgeber hören, sie kennen ihre Pubs, Bistros wie Restaurants sehr gut, teilweise gibts (wie wir es z.B. in Tongue erlebt haben) sogar eine Rabattkarte für das Dinner beim Pub nebenan. Tja, und so beweisen die schottischen Pubs, Bistros wie Restaurants (auch ohne Unterstützung eines Jamie Oliver), dass die Küche vielfach besser ist als ihr Ruf (wobei wir hier mal ganz dringend das all übliche „Fish&Chips“ außen vor lassen, das ist nur was für einen vollkommen ausgehungerten Magen der hinterher problemlos den einen oder anderen Whisky verträgt!).

Wer übrigens das Risiko liebt, fährt nun einfach drauf los – hat dann aber am Abend das Problem vor Ort auf Suche nach einem B&B gehen zu müssen, das dann evtl. nicht dem gewünschten Standard entspricht – oder bereits alles ausgebucht ist. Aus unserer Erfahrung heraus empfehlen wir doch eine Planung der Reise im Voraus, insbesondere wenn man an einem bestimmten Ort/Region etwas länger bleiben will. Sonst steht man eben schnell mal in einer etwas einsameren Region der Highlands ohne Unterkunft da (ist uns nicht passiert, aber durch die kurzfristige Suche mussten wir unsere Route anders legen als gedacht/geplant). Jedes B&B ist auch bei der Buchungsdauer unterschiedlich: die meisten akzeptieren Einzelübernachtugen, einige aber nur 2 oder mehr Nächte!

Begegnungen mit Hirschen, Viewpoints und Tastings

Robert I the Bruce (links) und das Wallace Monument (Hintergrund), Foto © hmg 2012

Robert I the Bruce (links) und das Wallace Monument (Hintergrund), Foto © hmg 2012

Auf diese Weise gut vorbereitet, starteten wir von Edinburgh aus nach Stirling, wir tauften es auf „die kleinere Ausgabe von Edinburgh“. Denn wie auch die schottische Hauptstadt ziehen sich die vielfach aus dem Mittelalter erhaltenen Häuser entlang der Hauptstraße den Hang hinauf zum Castle, vor dessen Toren des Denkmal für den schottischen König Robert I (the Bruce) steht – das im richtigen Blickwinkel nicht nur klein wirkt zum auf dem Hügel gegenüber errichteten „William Wallace Monument“, sondern auch klein ist. Das 1869 errichtete Wallace-Monument erinnert an den Anfang des 14. Jahrhunderts lebenden schottischen Freiheitskämpfer – heute bestens bekannt durch Mel Gibson im Film „Braveheart“. Stirling wird gerne auch als „Tor zum Hochland“ bezeichnet, denn hinter der Stadt erheben sich imposant die Highlands mit ihren „unendlichen Weiten“, man meint sie rufen zu hören! 2010 folgten wir dem Ruf über die A84 nach Fort Williams, heuer nahmen wir die A9, die zunächst parallel zur Highland-Bergkette nach Perth und hier nach Norden in die Berge führt. Nach kurzem Weg gelangt man so nach Pitlochry, ein Ort mit vielen Cafés, Touristen-Nepp-Läden und (ganz wichtig) den ersten Whisky-Distillen auf unserem Weg, denn als „Friends of the Classic Malt“ gilt es hier bei Blair Athol sein Stempelbuch, das wir 2010 begonnen haben, weiter aufzufüllen. Diese Distillery braut das schottische Lebenswasser eigentlich für den Konzern Diageo. Doch der eigene Tropfen, 12 Jahre in Eichenfässern gereift, hat seinen Reiz – nicht nur weil er in der Regel ausschließlich in den  Malts.com-Visitor-Centern zu bekommen ist und in wenigen ausgesuchten Geschäften!

Rund um Newtonmore gibt es zahlreiche Wanderrouten, Foto © hmg 2012

Wanderweg, Foto © hmg 2012

Wenig weiter auf der A9 folgt bereits die nächste (Dalwhinnie, kurz vor Newtonmore), dem Ausgangspunkt für Wanderungen in den Nationalpark der Grampian Mountains, rauhe Bergzüge, ohne Straßen, nur durchzogen von Trampelpfaden. Der Fluss Spey hat bei Newtonmore bereits eine beachtliche Breite, er gibt weiter flussabwärts einer ganzen Whisky-Region seinen Namen: Speyside! Doch wir ließen die Whisky-Hochburg zunächst rechts liegen, folgten der A9 nach Inverness um in den wesentlich einsameren und raueren Norden Schottlands zu gelangen. Der Nordseeküste folgend geht es nordwärts, Wick und Thurso heben wir uns für eine weitere Schottlandtour auf, wir knickten über Seitenstraßen (den berühmten Single Track Roads) bei Helmsdale bereits nach Nordwesten ab.

Rund um Tongue sind die Highlands am einsamsten, © Foto hmg

Rund um Tongue sind die Highlands am einsamsten, © Foto hmg

Hier beginnt die wohl einsamste Region der Highlands: mit Heide bewachsene Berge, kaum Bäume, Lochs wie wilde Bäche, weite Hochflächen und zwischendurch steht statt einem Schaf oder Highland-Rind auch mal ein waschechter schottischer Deer samt Herde auf der Straße! So gelangt man an die schottische Nordküste, die zwischen Bettyhill, Tongue und Durness in den Buchten weite wie einsame weiße Strände bietet. Touristen machen sich hier rar, nur leider ist im August das Wasser des Atlantiks mit rund 15 bis 18 Grad nicht gerade warm. Ganz abgebrühte hält das natürlich nicht von einem Bad im Meer ab, die meisten Tollkühnen entpuppten sich nach dem Entsteigen aus dem Wasser allerdings als neopren behäutete Weicheier… Wir hatten dafür vollstes Verständnis!

Tongue gilt als Ausgangspunkt für die einsamsten Wandertouren des Nordens, wir können diese Weite und Ruhe nur bestätigen und empfehlen! Als Highlight gilt hier die Besteigung des Ben Hope am Loch Hope, nur wenige hundert Meter nach dem Wanderparkplatz südwärts hinter Alltnacaillich gibt es übrigens die archäologischen Überreste eines Wohnturms der Picten zu sehen. „Dun Dornaigil“ ist vor mehr als 2000 Jahren errichtet worden und diente einer ganzen Familie mit ihren Nutztieren als Heimstatt.

Die Smoo Cave bei Durness, © Foto: hmg

Die Smoo Cave bei Durness, © Foto: hmg

Über den tief ins Landesinnere ragenden Fjord Loch Eriboll gelangt man via der A838 nach Durness. Hier wird man von der Menge an Angeboten für Touristen nahezu erschlagen: Jugendherberge, Camping-Platz, eine Tourist-Info, die Smoo Cave und das Cape Wrath. Das zieht natürlich jede Menge Menschen an. Wer zuvor rund um Tongue unterwegs war, kommt sich unter der Menge an Menschen schon fast vor wie in einer Großstadt… Die Smoo Cave ist das größte langgestreckteste Höhlensystem von Großbritannien, das man zeitweise (wetterabhängig) mit einer geführten Bootstour erforschen kann. Die Legenden ranken sich um die ins Meer mündende Höhle bis zu 6000 Jahre zu den ersten Siedlern Schottlands zurück, auch die Wikinger sollen in diesem Versteck Zuflucht genommen haben.

Rund um Durness kann man wunderbar wandern, dies vor allem entlang des Kyle of Durness. Eine kopierte Karte mit einem angeblichen Küstenwanderweg bekommt man an der Touristinfo. Leider ist diese Karte sehr ungenau, der Weg verläuft sich nach wenigen Metern zwischen den teilweise rund 20 Meter senkrecht ins Meer abstürzenden Felsen – richtige Wanderkarten sind also trotzdem ein MUSS, dies gilt auch für das Schuhwerk!

Busfahrt zum Cape Wrath - spannender gehts nicht, Dank des Seemannsgarns der Fahrer!

Busfahrt zum Cape Wrath – spannender gehts nicht, Dank des Seemannsgarns der Fahrer!

Alternativ kann man vom Keoldale Parkplatz auch per Motorboot-Fähre auf die vom Militär gesperrte Halbinsel des Cape Wrath übersetzen. In unseren Augen ein „Muss“: die Tour geht per abenteuerlicher alter Busse rund 11 Meilen über eine kaputte Straße aus dem 19. Jahrhundert. Die Jungs auf Boot & Buss haben unglaubliche Stories drauf, um diese an sich langweilige Fahrt spannenden und lustig zugleich zu gestalten: jede Brücke hat einen Namen, es gibt Felsen, auf denen man angeblich im Sommer sein schottisches Frühstück braten kann, die Kinder von Durness haben bei einem Schulausflug demnach die sichtbaren Zielobjekte der Militärs rosa angemalt weil die grüngrauen so langweilig sind und irgendwelche alte Seebären gehen als Geister an weit entfernten Stränden in der Ferne um. Man muss nur genug englisch verstehen, um diesen grandiosen schottischen Humor genießen zu können. Denn ist man erstmal am Cape Wrath angekommen, muss man an diesem einsamen nordwestlichsten Punkt Schottlands rund um den automatisierten Leuchtturm mit seinem spröden „Café“ mit seinem Schild „Sorry, no toilet today“ sich selber Geschichten ausdenken – oder ein wenig im Gelände herumlaufen um schöne „Viewpoints“ fürs Fotoalbum zu finden. Ist man nach rund 4 Stunden wieder in Durness zurück und durch die Bootsfahrt ein wenig ausgekühlt, empfiehlt sich der Besuch von Cocoa Mountain. Dort gibt es mit Sicherheit die beste Schokolade in fester wie flüssiger Form auf den britischen Inseln. Unserer Meinung nach bleibt die Schokolade aber noch ein wenig hinter den Angeboten von Barcelona zurück….

an einem zahlreichen "Viewpoints" am North-West-Coastal-Trail, © Foto 2012 hmg

zahlreiche „Viewpoints“ gibts am North-West-Coastal-Trail, ©  hmg

Von Durness aus schraubt sich der North-West-Coastal-Trail nun südwestwärts durch die felsigen wie bewachsenen Highlands, Viewpoints gibt’s reihenweise und nach eigenen Geschmack, die witzigste Begegnung hatten wir hier oben mit einem Motorradfahrer, der auf seinem Helm eine Videokamera aufgesteckt und so seine Blicke für den Bildschirm daheim aufgenommen hat. Erster größerer Ort ist nach den faszinierenden Streckenblicken Lochinver. Dieses Örtchen hat mehr Hafenkai als Häuser, da es der Hauptumschlagplatz für Atlantikfische ist. Hier begegnet man bereits wieder deutlich mehr dem Tourismus: Ein großer Rundzirkel durch ein naheliegendes Naturschutzgebiet wurde behindertengerecht für Rollstuhlfahrer ausgebaut, so dass man trotz seines Handicap einen beachtlichen Teil der Natur der Highlands problemlos erkunden kann.

Das Stoer Head Lighthouse, © Foto: hmg

Das Stoer Head Lighthouse, © Foto: hmg

Touristisches Highlight der Region ist aber der Suilven, der „Hausberg“ von Lochinver, der mit seiner außergewöhnlichen Form ein wenig an den Zuckerhut von Rio de Janeiro erinnert. Allerdings hat der Suilven keine Jesusfigur auf dem Gipfel und ist nur schwierig zu besteigen, Profiwissen wie -ausrüstung sind Pflicht! Seine Besonderheit: Kreisrunde Wolkenformationen, die sich um seinen Gipfel schmiegen – leider blieb uns dieses Naturschauspiel verwehrt. Dafür erlebten wir das westlich von Lochinver liegende Stoer Head Lighthouse bei perfektem Kitschwetter a la Rosamunde Pilcher – ausgleichende Gerechtigkeit!

Weiter ging es die Coastal Route über Ullapool südwärts nach Lochcarron. Wer will und Zeit hat, sollte nicht die Schnellstraße durch das Landesinnere nehmen, sondern auf der Küstenstraße bleiben, dafür aber alleine einen ganzen Tag einplanen (Stichwort Viewpoints). Der obligatorische Abstecher auf die Isle of Skye darf nicht fehlen – wir waren nun zum zweiten Mal dort. Leider spielte das Wetter heuer nicht ganz so einwandfrei mit.

Am Old man of Storr, © Foto 2012 hmg

Am Old man of Storr, © Foto 2012 hmg

Dennoch reichte es für eine Wandertour auf den Old Man of Storr, eine einzigartige Felsformation nördlich von Portree. Wer den Aufstieg wagt, sollte dies KEINESFALLS ohne passende Ausrüstung tun: Bergschuhe, warme Kleidung (und wenn sie nur im Rucksack ist) und rund 3 Stunden Zeit einplanen. Nicht dass der geneigte Leser, der unseren Spuren folgt, am Ende auch einer jungen russische Dame aus dem Felsen helfen muss, weil sie zitternd im Jäckchen mit Absatzschuhen und Cola-Light-Fläschchen in der Hand bei Windstärke 9 den 30-Grad-Steilhang einfach ein wenig falsch eingeschätzt hat und der Partner zu Ihr die Situation irgendwie nicht überblicken kann… Die Insel hat unverändert viel zu bieten, wir wollen uns diesmal jedoch nicht wiederholen und auf unseren Bericht aus 2010 verweisen. Aber einen haben wir noch! Dass Talisker Whisky von Skye kommt, ist hinlänglich bekannt. Doch nahe der Südspitze auf dem Eilean Iarmain gibt es ein kleines unscheinbares Häuschen im Hinterhof, das Whisky-Fässer aus verschiedenen Distillen einkauft, weiter einlagert und (was einigen nicht schmecken mag) am Ende „blended“. Doch diese „Gälischen Whiskys“ gelingen so gut, dass sie Jahr für Jahr neu ausgezeichnet werden – wir können den 21 Jahre gereiften Tropfen aus diesem Hause einfach nur empfehlen! Alles weitere gibt’s im Netz unter www.gaelicwhisky.com.

Blick auf die Hafenstadt Oban, © Foto: hmg

Blick auf die Hafenstadt Oban, © Foto: hmg

Fort Williams und der Ben Nevis begrüßten uns auf der Weiterfahrt traditionell im Regen (wir brauchen ja einen Grund für 2014 zum wiederkommen!), die Hafenmetropole Oban dagegen nur wenige Meilen weiter südlich hieß uns im strahlenden Sonnenschein willkommen! Von hier aus starten die Fähren zu den touristischen Highlights Schottlands schlechthin: Mull und Islay. Doch diese Inseln sind eine eigene Reise wert und sollten nicht mit einem Tagesausflug abgehandelt werden! Selbiges gilt für uns… Oban hat natürlich neben dem umtriebigen Hafen (mit einer ungemein leckeren Fischbude direkt am Terminal! Unbedingt probieren!) noch den McCaig’s Tower, der wie das ein römisches Kollosseum über der Stadt thront. Nur stammt das Bauwerk eben nicht von den Römern (die kamen bekanntlich über den Hadrianswall nicht hinaus), sondern von einem ortsansässigen Geschäftsmann und Bankier (McCaig), der nach einer Reise nach Rom so begeistert vom dortigen Kollosseum war, dass er es in einer kleineren Ausgabe in seiner Heimatstadt nachbauen wollte um auf diese Weise seiner Stadt auch Arbeitsplätze zu verschaffen. Leider verstarb er nach Baubeginn 1897, die Familie verarmte und so wurde der Bau 1904 eingestellt. Heute ist im Inneren ein kleiner Park angelegt, die Aussicht über die Bucht von Oban von hier grandios. Am bekanntesten ist heute aber mehr die Distillery von Oban mit dem gleichen Namen, die seit 1794 mitten im Stadtzentrum ihren Whisky herstellt. Nicht umsonst gibt es übrigens das deutsche Wortspiel „der Oban-Whisky schmeckt ganz oben!“, denn er zählt durchaus zu den besten, die Schottland bei den Single-Malts zu bieten hat!

Blick auf Easdale, © Foto: hmg 2012

Blick auf Easdale, © Foto: hmg 2012

Um die Gegend um Oban ein wenig zu erkunden, empfiehlt es sich südwärts zu orientieren (nein, es wird nicht unbedingt wärmer je weiter man nach Süden kommt, sondern interessanter!). Folgt man der A816, zweigt nach wenigen Meilen die B844 ab. Hier führt die „Bridge over the Atlantic“ (eine schmale, steile Brücke aus dem  Jahr 1792, unterschiedlichste Darstellungen der unterschiedlichsten Jahres- wie Tageszeiten zieren unzählige Postkarten der Region) auf die vorgelagerte Insel, auch wenn dieser Durchlass wie ein Fluss aussieht. Dies ist jedoch kein Grund nun wieder umzudrehen! Nach wenigen Minuten gelangt man zu dem Küstenort Easdale und die gleichnamige Insel. Es ist ein alter Bergarbeiterort direkt an der Küste. Bergbau an der Küste passt nicht zusammen? Doch, hier geht bzw. ging das! Erdgeschichtlich interessant, da sich hier Schiefer aus dem Boden schiebt, der direkt im Tagebau abgebaut werden kann. Der Schiefer wird in Schottland zum Dachdecken benötigt. Doch wie beim „Herr der Ringe“ bei den Zwergen geschehen („man sollte nicht zu tief graben“), wurde der Tagebau direkt wenige Meter neben dem Meer bei einer heftigen Sturmflut zerstört, die Tagebau-Löcher geflutet. Seither wurde der Tagebau nicht mehr aufgenommen, der Ort ist aber aufgrund seiner wunderschönen Insellage nun Touristenhighlight. Die Meeresarme der Umgebung werden durch Adventure-Angebote zur Delfin-, Seehunde- und Fischbeobachtung abgerundet. Laut unserem B&B-Gastgeber kann man bei diesem Tourenangebot immer etwas sehen, erfolglose Touren sind ihm nicht bekannt.

Zurück muss man dieselbe Strecke nehmen, weiter geht es auf der A816 nach Süden. Rund um Kilmartin ist das archäologische Highlight der Region schlechthin zu finden: Alte Steinsetzungen, Steinkreise, Gräber & Felsformationen wie in der Bretagne, als Abschluss der Felsen Dunadd mit eingekerbten Schuhabdrücken – man sieht nicht nur das ganze Tal von hier aus unter sich liegen, sondern darf sich auch als „König für einen Tag“ fühlen, da dieser Felsen vor mehr als 1.000 Jahren zur Krönung der dortigen Könige genutzt wurde.

Inveraray Castle, © Foto hmg 2012

Inveraray Castle, © Foto hmg 2012

Der A816 folgend rückt nun am Horizont die Isle of Aran ins Blickfeld – doch um die Tagestour nicht ausarten zu lassen, sollte man nun wieder nach Norden abknicken und bis Inveraray weiterfahren. Dieser Ort hat direkt am Kyle nicht nur ein uraltes (Museums-)Gefängnis zu bieten, sondern auch einen der am besten sortierten Whisky-Shops der Region. Wir stießen hier auf so manchen edlen Tropfen, leider waren die meisten doch sehr hochpreisig (was will man auch anderes erwarten), eine Sonderabfüllung nahmen wir dennoch mit. Neben den üblichen Touristenläden liegt wenige Meter außerhalb vom Ort gut versteckt in einem uralten Wäldchen das Castle Inveraray des Duke von Argyll, der auch heute noch mit seiner Familie einen Teil des Schlosses bewohnt. Von der Nordseite her kann man kostenfrei an das Castle herantreten, die schicke Südfassade und der Garten sind nur gegen Eintrittsgeld zu sehen, mit dabei ist aber auch die Besichtigung der Innenräume. Wer genügend Zeit hat, sollte dieses Geld investieren.

Kilchurn Castle, © Foto hmg 2012

Kilchurn Castle, © Foto hmg 2012

Im Ort Inveraray biegt die A819 unscheinbar durch einen Torbogen wieder Richtung Norden (die Hauptstraße geht weiter nach Glasgow). Ihr folgend gelangt man zum Loch Awe, das an seinem Ostende die Ruine des Kilchurn Castle als Highlight bietet. Auch hiervon gibt es in der Umgebung (wie auch in Oban) Castle-Postkarten in allen jahreszeitlichen Varianten, mit Nebel, mit glutrotem Himmel, mit oder ohne Schnee  – oder wie bei uns geschehen im traditionellen schottischen Wetter-Wechselmodus mit Sonne und Wolken. Mal ist der Berg im Hintergrund in der Sonne, mal das Castle, jeder Profifotogtaf braucht hier viel Geduld… Über die A85 geht es zurück nach Oban, das Abend-Dinner kann man beruhigt in der Oban Brewery zu sich nehmen, Preis und Leistung stimmen, es ist gut besucht und an den Wochenenden gibt es vielfach Live-Musik.

Blick in die Distillery von Glenfiddich, © Foto hmg 2012

Blick in die Distillery von Glenfiddich, © Foto hmg 2012

Nach 14 Tagen B&B ist auch der bestens gepackte Koffer (man denke nur an die Kilobegrenzung auf dem Flieger sowie besondere Whisky-Tropfen, die man mitbringt, weil sie in Deutschland nur schwer zu bekommen sind) mit frischer Wäsche aufgebraucht. Als sinnvollen krönenden Abschluss wählten wir uns daher ein Cottage samt Waschmaschine in Speyside nahe der Whisky-Hauptstadt Dufftown aus. Während tagsüber die frisch gewaschene Wäsche im schottischen Wind flattert, kann und sollte man „der Nase nach“ die Distillerien mit Visitor-Centern abfahren. Mit die beste Führung erhielten wir übrigens in Royal Lochnagar bei Balmoral sowie bei Glenfarclas (wenige Meilen südwestlich von Aberlour). Übrigens: Laut vielen Büchern sind die Führungen bei Macallan kostenlos – die Zeiten sind nun vorbei. Eine Führung mit abschließendem traditionellem Tasting kostet hier nun satte 10 GBP, auch die Distillery in Aberlour hat ordentlich aufgestockt: 12 GBP, aber auch inkl. Tasting von drei unterschiedlichen Jahrgängen. Wer schnell und wegen ungeduldiger Kinder eine kostenlose Führung machen will, ist bei Glenfiddich bestens aufgehoben. In 20 Minuten ist schon alles wieder vorbei, für die Erwachsenen gibt es als Abschluss immerhin die weltweit bekannten 3 Jahrgänge des 12er, 15er und 18er als kostenlose Verköstigung. Auch bei The Glenlivet lässt man sich nicht lumpen: kostenfrei, dauert ca. 30 Minuten und auch hier gibt es dreierlei Tastings zum Abschluss, darin inbegriffen angeblich auch der Lieblingstropfen von Sir Sean Connery (der 18er, das als Hinweis).

Blick vom Schmuggler-Pfad auf die Distillery The Glenlivet, © Foto hmg 2012

Blick vom Schmuggler-Pfad auf  The Glenlivet, © hmg

Sollte jemandem hier nun (nicht nur wegen der Höhe) der Whisky ein wenig zu Kopf gestiegen sein, gibt es die Möglichkeit auf mehreren Routen den Whisky-Schmugglerpfad (ein Rundweg, er startet am Glenlivet House) abzulaufen. Er ist gut ausgeschildert, zeitweilig ist der Pfad ein wenig schwierig zu sehen (da zugewachsen), zeitweilig auch versumpft (niederschlagsabhängig). Er kann an mehreren Stellen abgekürzt werden, die größte Runde dauert ca. 3 1/2 bis 4 Stunden, die mittlere etwa 2 3/4 Stunden. Gutes Wanderschuhwerk ist Grundvoraussetzung, ebenso windabweisende Kleidung – der Weg führt streckenweise über freie Flächen, je nach Route aber auch über einen Berggipfel wie anschließenden Bergkamm. Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei. Schwierigkeitsgrad: geht so, entspanntes Wandern!

Fyvie Castle, © Foto hmg 2012

Fyvie Castle, © Foto hmg 2012

Eine weitere Möglichkeit sich touristisch in der Region auszutoben, ist der Castle-Trail. Neben der Ruine des Huntly-Castle ist das Fyvie Castle (komplett erhalten) sehr sehenswert. Letzteres ist bereits für einige TV-Produktionen genutzt worden. Der Fyvie Garden ist übrigens nicht nur mit Blumen geschmückt, jede Menge Nutzpflanzen werden hier gezüchtet – und am Gartenhaus auch verkauft. In einem nicht mehr ganz so gut erhaltenem Zustand ist das Delgatie Castle. Es bietet laut Werbung auf Karten und Schildern demnach mit eines der besten Cafés wie ein Restaurant. Als wir hinkamen, hing leider nur die Info an der Tür, dass alles wegen gesundheitlicher Probleme des Besitzers an diesem Tag geschlossen sei. Grund genug für uns über Banff weiter nach Portsoy zu fahren. Der Ort ist uns aus 2010 hinreichend bekannt (wunderschöner alter Hafen mit dem urigen Beggars Belief Coffee Cove), denn wer einmal „Portsoy Icecream“ gegessen hat, will es wieder genießen! Und zu diesen Personen gehören wir auch. Das Geschäft bietet sein Eis mittlerweile in der gesamten Region bei verschiedenen Shops an, am besten schmeckt es aber im Stammhaus in Portsoy. Auf Facebook gibt’s übrigens in regelmäßigen Abständen die neuesten Eiskreationen als Ankündigungen inkl. Geschmacksbeschreibung. Pech wenn man allerdings die meiste Zeit des Jahres eben nicht vor Ort ist sondern irgendwo anders auf der Welt…

Highland Games Pitlochry, © Foto hmg 2012

Highland Games Pitlochry, © Foto hmg 2012

Nachdem wir wegen der Probleme mit dem Mietwagen (wie Eingangs beschrieben) die Highland-Games in Braemour samt der Queen verpasst haben, konnten wir auf der Rückfahrt nach Edinburgh wenigstens den Aufmarsch zu diesem einmaligen Schottenspektakel in Pitlochry mit erleben. Aus der gesamten Umgebung nehmen die Dudelsack-Gruppen (auch von Schulen) daran teil. Wir können es jedem nur ans Herz legen, dies einmal mitzumachen. Für uns jedenfalls Pflichtprogramm beim nächsten Schottland-Trip!  In diesem Sinne: „Slainte mhath“ (ausgesprochen: slaantsche wa), der schottisch-gälische Trinkspruch beim Whisky-Trinken. Denn den brauchen wir jetzt. KLM hat unsere Koffer verschlammpt. Inkl. der guten Whisky-Tropfen. Vor 2 Jahren haben sie unseren Koffer ruiniert. Das reicht, Grund genug, bei der nächsten Schottlandreise es mit dem eigenen Auto zu versuchen. Routen-Tipps sind immer herzlichst willkommen!

© Text und Fotos: Hans-Martin Goede, kopieren und einbinden ohne Quellverweis nicht erlaubt!
 
Special Thanks to our used B&B to:
  • Kenneth&Jacqueline, Cruachan nearby Edinburgh
  • John&Irene, Crubenbeghouse Newtonmore
  • Angela, Tigh-Nan-Ubhal Guesthouse Tongue
  • Mel&Dawn, Veyatie Lochinver
  • Colin & Kathleen, Ashaig B&B Isle of Skye
  • Louise&Donald, Glenroy Guesthouse Oban
 

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