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Reisebericht: Island – der Südwesten

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Die Strandarkirkja an der Südküste südlich von Reykjavik - seit dem 12. Jahrhundert gibt es an diesem Strand eine Kirche auf Island

Die Strandarkirkja an der Südküste südlich von Reykjavik – seit dem 12. Jahrhundert gibt es an diesem Strand eine Kirche auf Island

SELFOSS (© hmg) – Der Mai gilt in Island mit als der beständigste Monat was das Wetter angeht. Die geringsten Niederschlagsmengen sind zu erwarten, mit die meiste Sonne, die Temperaturen sind für gewöhnlich tagsüber bereits über 10 Grad. Soweit die Theorie – in 2015 war die Praxis eine andere: beständig unbeständig. Nach dem mit kältesten Winter, den Island 2014/15 erlebt hat, war die Insel (auf Englisch “Iceland” für “Eisland” und nicht wie im Deutschen als “Island” bekannt) auch im “Wonnemonat Mai” heuer noch ziemlich schneeweiss, was selbst hartgesottene Isländer so seit 1959 nicht erlebt haben: “We have had minus seven degrees. In May!”, so Hilmar, ein Isländer aus Skard zu uns auf Nachfrage. Immerhin: 18 Tage Dauersonnenschein hatte es – wir durften Tag 17,5 und 18 davon noch miterleben, danach fand uns das “Islandtief” und ließ uns nicht mehr los. Trotz der Kälte, Wind, Regen und Schnee gelang es uns, einzigartige Momente auf dem Vulkanfelsen am Polarkreis zu erleben (und auch in Bildern festzuhalten), die wir in 3 Teilen (Teil 1 – der Südwesten, Teil 2 – der Süden und Teil 3 – der Westen) behandeln wollen.

Tourismus auf Island

Anflug auf Keflavik: Vulkane und Lavafelder prägen den Südwestzipfel Islands

Anflug auf Keflavik: Vulkane und Lavafelder prägen den Südwestzipfel Islands

Grundsätzlich empfehlen wir, Island weder mit Massentourismus via Bustouren noch per Billigflieger als Reiseziel ins Auge zu fassen. Island kämpft nach der Wirtschafts- bzw. Finanzkrise und einer zweistelligen Inflation mit einem Touristenaufkommen, das immer öfter wie lauter scharf von den “Insulanern” kritisiert wird. Es wird vielfach befürchtet, es würde die “isländische Seele” verkauft. In 2014 kamen erstmals mehr als eine Million Touristen auf die “Insel mit Fußbodenheizung”, in 2015 sollen es noch deutlich mehr werden. Fieberhaft wird auf Island versucht, diese Menschenmassen in den Griff zu bekommen. Gut kommt an, wenn man das Geld auch auf der Insel lässt und nicht mit großen Konzernen unterwegs ist, die weder bzw. kaum Steuern zahlen und Gewinne ins Ausland verschieben: Statt Billigflieger also Icelandair buchen, statt Globalplayer der Autovermietung z.B. lieber ICELAND car rental (können wir aus eigener Erfahrung nur empfehlen, auch ohne Partnerlink oder Geld/Rabatt dafür zu bekommen!), schlafen statt in großen Bettenburgen besser in isländisch geführten kleineren Hotels (siehe unsere Berichte auch zum Hotel Örk wie Hotel Geirland). Island besinnt sich nun auf traditionelles Einkommen, die Insel hat ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen!

Der Geysir Strokkur ist der Nachfolger des nahezu erloschenen "Große Geysir"

Der Geysir Strokkur ist der Nachfolger des nahezu erloschenen “Großen Geysir”

Golden Circle – touristisches Pflichtprogramm

Atemberaubend: Gullfoss, der "goldene Wasserfall". Bei uns im Regen leider nicht gerade "golden"...

Atemberaubend: Gullfoss, der “goldene Wasserfall”. Bei uns im Regen leider nicht gerade “golden”…

Die Isländer erholen sich ja lieber in den Westfjords und im Norden der Insel – denn der Südwesten bzw. “die Perlen des Südens” und damit der “Golden Circle” sind mit dem steigenden Touristenaufkommen in der Hauptsaison hoffnungslos überrannt. Selbst im Mai (also Vorsaison!) geht es selbst bei miesestem Wetter zu wie auf dem Basar! Das betrifft Geysir (mit dem “Strokkur” als aktivsten “Wasserspucker”) als auch den Wasserfall Gullfoss (“Goldener Wasserfall”, seinem Namen gerecht wird er aber eher nur mit grünen Wiesen, blauem Himmel und Sonnenschein inkl. Regenbogen).

Þingvellir - der Panoramablick

Þingvellir – der Panoramablick

Last but not least “Thingvellir” (auf isländisch Þingvellir), dem “großen Graben”, an dem der Kontinentalbruch zwischen der nordamerikanischen und europäischen Platte optisch am besten auf der Insel hervortritt. Hier kann man an der Bruchkante der amerikanischen Platte mit nicht zählbaren Touristenmassen “wandern”, der Weg ist behindertengerecht ausgebaut.

Wasserfall Öxará im Thingvellir

Wasserfall Öxará im Thingvellir

Auf der anderen Seite erreicht man nach kurzem Klettern (mit Stufen) auch den Wasserfall Öxará, biegt man nach rechts ab, kann man ein wenig durch den Graben auf Holzdielen wandern. Besonderes Highlight: im Besucherzentrum kann man mit Kreditkarte (200 ISK) auf Toilette gehen – damit Herr Visa und Frau Mastercard auch wissen, wo man auch mal privat sein will…! Wem die Luft zu kalt wird, kann sich bei den “Divern” in hautenges Gummi zwängen und in den wassergefüllten Spalten (der hier pro Jahr rund zwei Zentimeter auseinander driftenden Erdplatten) tauchen bzw. schnorcheln gehen. Das Wasser ist sowas von glasklar, der Boden scheint zum greifen nah! Übrigens: Bevor die Menschen begriffen, was die Natur hier vollzieht, haben die Wikinger an dieser Stelle ihre traditionelle gesetzgebende Versammlung Alþing abgehalten, eine Art “Parlament” aus der Zeit der “Pioniere” auf Island.

die Asche- und Bimsfelder des Vulkan Hekla

die Asche- und Bimsfelder des Vulkan Hekla

Dem Massentourismus entgeht man mit einer Ringfahrt über die “26” und “32”, die man von Sellfoss problemlos erreicht. Die “26” wird nach kurzer Zeit zur Schotterpiste, man durchquert das Asche- und Bimswüstenfeld des Vulkan Hekla! Asche, Kies, Bims… so weit das Auge reicht! Würde nicht Schnee auf den Bergen liegen, man könnte glatt meinen sich optisch irgendwo in der Sahara zu befinden. Die Urgewalten, die bei den Vulkanausbrüchen hier gewirkt haben müssen, sind unvorstellbar.

Wasserkraftwerk Burfell

Wasserkraftwerk Burfell

Ein Abstecher auf dieser Tour ins Landesinnere nach Hrauneyjar bringt einen an eine der vielen günstigen Energiegewinnungs- Möglichkeiten der Isländer: die gigantischen Wasserkraftwerke von Hrauneyjar und Burfell! Für die Kanäle und Fließkraft wurden tiefe Kanäle wie Staumauern in den vulkanischen Boden gebaut, gegraben wie gesprengt – klein, sehr klein steht man vor diesen überdimensionalen, von Menschenhand geschaffenen Bauwerken.

Das Fossa-Tal fasziniert mit Asche- und Bimshügeln

Das Fossa-Tal fasziniert mit Asche- und Bimshügeln

Über die “32” gelangt man wieder nach Sellfoss. Auf der Strecke fasziniert die Landschaft erneut – das Tal des Fossa ist wie eine Buckelpiste: Dünengleich erheben sich Asche- und Bimsberg”chen” aus dem Talboden. Man könnte stundenlang hier stehen und die Landschaft betrachten. Die Straße führt mitten hindurch, auf der anderen Talseite angekommen ist ein “Viewing Point” ausgeschildert: bei gutem Wetter unbedingt anfahren und dann nach Osten blicken: Majestätisch erhebt sich auf der anderen Talseite der Vulkan Hekla empor – bei uns leider nur in der Theorie, tiefhängende Wolken verdeckten seinen mit Schnee und Eis bedeckten Kegel.

für gewöhnlich farbenprächtig: der Kratersee Kerið

für gewöhnlich farbenprächtig: der Kratersee Kerið

Für 350 ISK kann man übrigens an der “35” noch den Kratersee Kerid besichtigen (der für uns einzige Vulkan, für den wir auf Island Eintritt bezahlt haben!) Im Sonnenschein (ach?! wirklich?!) erstrahlt er in rot, gelb, schwarz und grün wie eisblauem Wasser – bei uns waren alle Farben ziemlich blass, Photoshop hilft da auch nur bedingt weiter. So gesehen ein Grund mehr, diesen Besuch nochmal nachzuholen – bei besserem Wetter als waagrechtem Regen und Sturm…

Blick über Hveragerði

Blick über Hveragerði

Sich aufwärmen und vom touristischen Stress kann man in der “Hauptstadt der heißen Quellen”: in Hveragerði raucht es nahezu aus allen Bodenspalten wo welche sind und auch dort wo keine zu sehen sind. Berühmt hier auch der “warme Fluss”, doch bekannt ist die Stadt auch für ihre hier nicht zählbare Menge an Gewächshäusern. Neben Gemüse wird hier auch der Blumenbedarf für Muttertage und andere isländische festliche Gelegenheiten gezogen. Die Energie “koschd ja nix”, einfach Spaten in den Boden und schon kommt warme Luft! Na ja, manchmal kann sie ordentlich nach Schwefel stinken. Und wann das Ganze sich mal zu einer vulkanischen Eruption bequemt… wer weiss, da wollen wir doch lieber nicht vor Ort sein 😉

Die schwarze Südküste

Lässt man den “Golden Circle” hinter sich, geht es auf der Ringstraße weiter Richtung Osten. Doch diesen Abschnitt behandeln wir in einem separaten Bericht (Teil 2)! Ebenso wie den Raum Reykjavik mit Snæfellnes (Teil 3)!

© Text und alle Fotos: Hans-Martin Goede 24.05.2015, gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive!

 

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils Jahrelang sichtbar!

Raues Klima, karger Boden. Islands Flora und Fauna wächst langsam, Schäden durch den Mensch sind teils jahrelang sichtbar!

Wenn unser Reisebericht Sie nun zu einer Islandreise verleitet, bitten wir höflichst darum, einige Regeln für diese wunderbare Insel am Polarkreis zu achten! D.h. Verkehrsregeln gelten auch für Touristen, verlassen Sie keine Wege nur um einen schillernden Stein aufzuheben und dann doch wegzuwerfen – Sie könnten auf den wenigen Metern zarte Pflanzen zertreten, so das auf lange Zeit an dieser Stelle nichts mehr wächst. Gehen Sie auf den Toiletten an den Tankstellen oder den Rastplätzen – „no shit, no paper“ gilt für jeden hier in der Natur! Offroad kann man mit 4×4 Autos auf den Pisten der F-Straßen genügend fahren, man muss dafür keine Straße verlassen und den Boden zerstören! Auch wenn am Beginn einer F-Straße kein weiteres Hinweisschild steht: diese Straßen sind (hochbeinigen) 4×4 Autos vorbehalten: Kleinwagen oder Campingautos/Caravans haben hier nichts zu suchen. Alle Infos zu den Strassenverhältnissen auf Island gibt es immer live unter www.road.is! Gecampt wird auf offiziellen Zeltplätzen und nur wenn es sich nicht vermeiden lässt in freier Natur! Und in Folge dessen verlässt man den Platz in der Natur, den man genutzt hat so, als wäre man nie da gewesen: keine zertretenen Pflanzen, kein Müll! Das Wetter auf Island kann von einer Minute zur anderen umschlagen. Sturm heißt Sturm, der Wind bläst schnell mal mit über 100 km/h. Wetterinfos und – warnungen gibt es jederzeit unter en.vendir.is oder savetravel.is (auch auf Deutsch).

 

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2 Kommentare zu “Reisebericht: Island – der Südwesten

  1. Pingback: Islands innere Schönheit – Reiseblog: Insider Reiseziele und Urlaubtipps

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