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Reisebericht: Die Toskana – Oliven, Wein und Kultur

Herbst in der Toskana, westlich von Siena

Herbst in der Toskana, westlich von Siena

SIENA – VOLTERA (© hmg) – Wer im Sommer in die Toskana fährt, ist selber Schuld: Ferienhäuser wie Hotels sind unbezahlbar, die Temperaturen meist am Rande des erträglichen, die Städte randvoll mit Touristen und die Staus auf den Strassen legendär… Schon mal dran gedacht außerhalb der Saison zu fahren? Ja, mit Kindern schon etwas schwierig, aber in vielen Bundesländern gibt es bekanntlich im Herbst (Oktober) meist ein bis zwei Wochen Ferien, ideal um sich in Italien der Kultur der alten Römer wie Wein, Oliven und Erholung zu widmen. Warum wir diesen Bericht dann im Sommer veröffentlichen? Weil der Herbst bevorsteht…!

Die Toskana (wie hier den Ort Chiusdino) erkunden - geht am einfachsten mit dem eigenen Auto...

Die Toskana (wie hier den Ort Chiusdino) erkunden – geht am einfachsten mit dem eigenen Auto…

Die Toskana zu erforschen bedeutet, mobil zu sein. Bahnverbindungen sind rar, Buslinien meist abenteuerlich – es empfiehlt sich daher vor Ort in jedem Falle das Auto. Wer mit dem Flieger anreist, sollte sich auf einen Mietwagen konzentrieren, wer mit dem eigenen Auto anreist, hat den Vorteil, weder Flug- noch Mietwagenkosten lange vorher kalkulieren zu müssen. Die Anreise mit dem PKW war daher auch unsere Option: aus dem süddeutschen Raum gibt es 2 Wege: zum einen über die Schweiz (wer eh eine Vignette hat sollte diesen Weg wählen!), zum anderen über Österreich und den Brenner. Letztere Strecke ist unterm Strich marginal günstiger (Achtung: „Pickerl“-Gültigkeitsdauer beachten!), dafür nervenaufreibender, da auf der Inntal-Autobahn in der Regel Tempo 100 gilt und dies rigoros kontrolliert wird. Dafür rollt es sich auf der italienischen Seite des Brenners wunderbar bezinsparend bergab – auf dem Rückweg wird das dann schon schwieriger… In Italien sind die Autobahnen mautpflichtig, dafür aber im Herbst staulos befahrbar und die LKW bleiben auch auf der rechten Spur, von „Elefantenrennen“ nichts zu sehen.

Florenz - Firence, Blick von Süden auf die historische Altstadt

Florenz – Firence, Blick von Süden auf die historische Altstadt

Der Tourismus ist für die Bewohner der Toskana wohl mit die wichtigsten Einnahmequelle: Die Region besitzt eine große Anzahl an historischen und kunstgeschichtlich interessanten Städte, meist etruskischen Ursprungs, also mit die römische Wiege schlechthin, wobei in den Städten der Toskana erst im Mittelalter (in der Zeit der Stadtrepubliken) die heute bekannten Kunstschätze entstanden. Nicht zuletzt durch berühmte Handelsfamilien wie die Medici.

Hauptziel der Touristen von heute (und damit auch von uns) ist Florenz, mit dem weissen Dom aus Marmor, den Uffizien, dem Ponte Vecchio über den Arno und den vielen anderen Renaissancepalästen. Aufgepasst: Am Piazza della Signora kann man im Strassencafe zwar wunderbar den Palazzo Vecchio betrachten, aber für den Blick und einen Espresso mal eben 8 Euro bezahlen! An der Theke geht’s deutlich günstiger, aber von dort aus sieht man natürlich nicht dieses kulturell wichtige Gebäude…

besonders sehenswert: der Dom in Siena

besonders sehenswert: der Dom in Siena

Aber auch Siena, mit dem alljährlichen Pferderennen „Palio“ (das nun leider eben nicht im Herbst stattfindet sondern immer am 2. Juli und 16. August), sowie San Gimignano, ein von mittelalterlicher Turm-Architektur geprägter Ort (er zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO!), sind unverzichtbare Ausflugsziele. Sienas enge Gassen zu durchstreifen ist auch im Herbst eine Herausforderung, die Touristen sind auch zu dieser Jahreszeit keine aussterbende Art. Ein wenig ruhiger geht es in San Gimignano zu: schon bei der Anfahrt fasziniert der Blick auf die auf einem Höhenzug gelegene „Skyline“, man bekommt beinahe den Gedanken, dass Manhattan seinen Ursprung hier genommen hat. Heute ragen noch 15 der sogenannten „Geschlechtertürme“ in die Höhe, im Mittelalter waren es 72! In der Stadt selber sieht man die Besucher mit nach oben gerichteten Köpfen durch die Strassen streifen, denn die Faszination liegt nunmal in den hohen Fassaden und nicht auf dem Kopfsteinpflaster.

Volterra in der Toskana

Volterra in der Toskana

Volterra ist seit dem Film „New Moon“ aus der Twilight-Saga vor allem bei den Fans zwingender Anlaufpunkt, vor Ort allerdings ist von Hollywood nichts zu merken: im Oktober ist dieser Ort einfach ruhig und verschlafen, kein Vampir, kein Blut, einfach nur mittelalterlicher Charme hoch oben in exponierter Lage mitten in der Toskana, bemerkenswert immerhin die Reste des römischen Amphitheaters. Immerhin entschädigt auch der Blick ins Umland, faszinierend hier überall die kleinen Rauchwolken der Umgebung, vor allem Richtung Südwesten: auf Nachfrage erfuhren wir, dass es sich hier meist um dezentrale Energiegewinnung aus Erdwärme handelt, scheinbar stabiler als so mancher kläglich gescheiterter Versuch in der Schweiz (Basel) wie in Deutschland (Stauffen, zuletzt auch Leonberg bei Stuttgart)… Örtlich handelt es sich aber auch um Verhüttungsbetriebe, denn die Region ist reich an Bodenschätzen.

das Manhattan des Mittelalters: San Gimignano in der Toskana

das Manhattan des Mittelalters: San Gimignano in der Toskana

Bleibt nach diesem Exkurs in Kultur und Bauwerke der Blick auf die Genussfaktoren Wein und Olivenöl. In den Sommermonaten gibt es überall Degustationen und Angebote an jeder Straßenecke, immer mit dem gewissen Beigeschmack, vielleicht doch übers Ohr gehauen zu werden. Es braucht wirkliche Geheimtipps, um an das richtige Öl oder den richtigen Tropfen zu kommen. Zu den bekanntesten toskanischen Weinen zählen der Chianti, der Sassicaia, der Brunello di Montalcino und der Vino Nobile di Montepulciano. Doch diese klangvollen Namen garantieren nicht immer den erwarteten Traumgeschmack. Wir hatten vor Ort leider wenig Glück – in Frankreich gelingt uns dies meist zu 100 Prozent, Freunde und Bekannte mit einem mitgebrachten Tropfen zu überraschen. Die besseren toskanischen Weine fanden wir jedenfalls beim Weinhändler unseres Vertrauens in der Heimat und nicht vor Ort in den Katakomben mittelalterlicher toskanischer Städte.

Uns bleibt das Fazit: Toskana, ja – ein netter Flecken! Aber jedes Jahr wieder? Nein, muss nicht sein. Für Kunst- und Kulturfreunde sicherlich ein oder zwei oder mehr Besuche wert, aber wer bezahlbare Orte für Erholung und kulturelle Neugier in einem im Sommer sucht, die falsche Wahl.

© Text & Fotos: Hans-Martin Goede 05. August 2011

Weblinks:
Toskana Infos bei Wikipedia
Touristinformation Toskana

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