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Reisebericht: Stettin – Stettiner Haff

das alte Rathaus von Stettin im Hanse-Stil - es ist wirklich so schief, wie es aussieht!

das alte Rathaus von Stettin im Hanse-Stil – es ist wirklich so schief, wie es aussieht!

STETTIN (© hmg) – Stettin – Szczecin, eine Stadt mit wechselnder Geschichte. Im 8. Jahrhundert von Slawen als Siedlung mit Schloss gegründet, 1243 mit dem Magdeburger Stadtrecht versehen. Geprägt ist Stettin vom Wechsel der Herrscherhäuser zwischen Polen (967 n.Chr.), der slawischen Greifendynastie (12. bis 17. Jahrhundert), zeitweilig aber auch dem deutschen Kaiserreich und auch Dänemark angehörig; Mitglied der Hanse (ab 1278), nach dem 30jährigen Krieg unter schwedischer Hoheit, gekauft vom preußischen König 1720, von Napoleon 1806 bis 1813 besetzt, 1945 nach dem zweiten Weltkrieg durch Russland letztlich Polen zugesprochen. So gesehen ist Stettin eine “europäische Kultur-Stadt”. Doch von den Wechselzeiten über die Jahrhunderte hinweg ist nicht viel geblieben. 1873 wurden die alten Befestigungsanlagen Opfer der Stadterweiterung, 1944/45 wurde Stettin durch die Alliierten in Schutt und Asche gebombt. Und so pflegen die Polen heute ihre wenigen historischen verbliebenen Kulturgüter mit Hingabe und Liebe zum Detail. Die sozialistischen Einheitsgrauhäuser (überraschend wenig Plattenbauten) weichen im Zuge der Stadtsanierung Neubauten mit historischen (äußerlichen) Fassaden – langsam aber beständig.

die Jakobikirche, erbaut 1187

die Jakobikirche, erbaut 1187

Die 42 Sehenswürdigkeiten der Stadt wurden durch die “Westpommerische Abteilung des Landeskundeverbandes PTTK” zu einer rund 7 Kilometer langen städtischen Wanderroute zusammengefasst. Sie ist durch eine rote gestrichelte Linie auf den Fußwegen gekennzeichnet, so dass man eigentlich nichts falsch machen kann. Gestartet wird am Hauptbahnhof, vorbei an der Post mit ihrem Neorenaissance-Stil (man kann dort nicht nur günstig Geld tauschen sondern sollte bei dieser Gelegenheit auch das ungewöhnliche Glasdach der Halle betrachten!) hin zum letzten verbliebenen etwa sieben Meter langen Fragment der mittelalterlichen Stadtbefestigung (dieses ist aber mehr oder weniger zugewachsen…). Der Rundweg geht weiter an der Johanneskirche (14. Jhd.) vorbei zum Alten Rathaus (wer sagt denn, dass es nur den schiefen Turm von Pisa gibt – hier sieht man erst einmal, was wirklich “schief” heisst!) und zum Loizenhaus (Bankiersfamilie, deren Konkurs im Mittelalter den europäischen Handel erschütterte). Zentraler Punkt von Stettin sind das Schloss der Pommerschen Herzöge sowie die Seefahrtakademie, das Seemuseum und das Woiwodschaftsamt. Am barocken Königstor empfiehlt sich ein Besuch des wenige Meter daneben liegenden Restaurant CHATA (mit polnischen Spezialitäten). Frisch gestärkt geht es weiter am Geburtshaus der russischen Zarin Katherina II. vorbei zur 1187 eingeweihten und sehr imposanten Jakobikirche (einstmals Erzbischofsbasilika). Es folgen die historischen Gebäude aus jüngerer Zeit (wie die St.-Johannes-der-Täufer-Kirche aus dem Jahre 1888), die Herz-Jesu-Kirche (erbaut 1913-1919) sowie die Garnisonskirche (1906-1909). Zurück geht es dann über das Berliner Tor (1724-40) und das “neue Rathaus” (heute Sitz der Seeinstitutionen) wieder zum Hauptbahnhof.

An der Ostsee in Miedzyzdroje

An der Ostsee in Miedzyzdroje

Auch wenn es an die Ostsee “nur” etwa 80 Kilometer sind – mehr als eine Stunde Fahrtzeit sollte man einkalkulieren, auch wenn die Strecke fast durchgehend neu ausgebaut wurde. Ein Ausflug an das Haff bzw. die Ostseestrände ist ein Muss, die Strände gleichen zwar denen in Rügen und Usedom sehr, haben aber doch ihr eigenes Flair und laden zu kilometerlangen Strandspaziergängen ein: auf der einen Seite die ruhige Ostsee, auf der anderen Seite die Steilküste aus mit Bäumen bewachsenen Sanddünen (die aber aus Naturschutzgründen nicht bestiegen werden dürfen!!!). Ein Ausflug nach Swinemünde (Swinoujscie) – nur per (kostenlosem) Fährschiff erreichbar – lohnt sich eigentlich so direkt nicht. Die Stadt ist noch sehr vom Sozialismus geprägt, (bewachte) Parkmöglichkeiten für PKW hat es nur am äußeren Stadtrand, eine Fußgängerzone ist Fehlanzeige. Es gibt zwar noch viele Herrenhäuser aus der Glanzzeit preußischer Herrschaft aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Jedoch sahen wir (deutsche) Seniorenausflugsbusse im Mengenrabatt – die Generation der Vertriebenen kommt noch einmal zum “Schauen”, ob es noch so aussieht wie früher. Bleiben wird wohl keiner… dem Tourismus der Region hingegen tut es gut!

Dieses Hotel können wir in Stettin/Szczecin empfehlen, es hat eine hervorragende Lage und Ausgangsort für Stadterkundungen: Hotel Campanile Szczecin

Weitere Hotels in Stettin/Szczecin finden Sie >HIER<.

Mehr Infos zu Stettin (in polnisch, englisch und deutsch) im Internet unter www.szczecin.pl

© Text/Fotos: Hans-Martin Goede, 23. Mai 2005
 
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