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Island-Blog: 8 Wochen am Polarkreis (Teil 2)

Start des Wanderwegs in Hverager∂u

Start des Wanderwegs in Hverager∂u

Reykjavik (20.08.2014, © jg) – Der August ist jetzt fast schon wieder rum und die Zeit hier vergeht einfach viel zu schnell! Jetzt wünsche ich mir, ich könnte noch länger bleiben, aber Oktober geht der Flug nach Neuseeland, also gibt es kein zurück. Ich habe in den letzten zwei Wochen extrem viel erlebt. Meine Arbeit gefällt mir immer noch sehr gut, auch wenn es sehr anstrengend ist an manchen Tagen 50 Betten ab und wieder zu beziehen. Ich spüre es am Ende meiner Woche immer in meinen Armen.

Kochender Schlamm in Hverager∂u

Kochender Schlamm in Hverager∂u

Angefangen hat es mit einem vier Stunden Besuch in Hveragerði (wird „Kverragerthi“ mit einem sehr weichem th gesprochen). Da kommt man gut mit dem Bus hin, von Reykjavik aus. Dort gibt es einen Geothermalpark und das hört sich am Anfang vielleicht nicht ganz so spektakulär an, aber es war bei Sonnenuntergang wunderschön! Vor allem ist es faszinierend, wie an jeder Ecke heißer Dampf aus der Erde quillt. Man wird auch immer gewarnt, nicht zu nah heranzugehen, weil das Wasser mit teilweise über 100°C aus der Erde kommt. Verdammt heiß also. Riechen tut es nach einer „angenehmen“ Mischung aus faulen Eiern und umgekippter Milch. Meistens bin ich also mit Tuch vor dem Gesicht herumgelaufen. Zurück bin ich per Anhalter gefahren, weil das hier sehr einfach ist und die Leute, die man kennenlernt, sehr nett sind und nebenbei auch noch Tipps geben, wo man hinsollte. An dem Tag hat mich zum Beispiel einer mitgenommen, der gerade vom Paragliding in Vík zurückkam. Verrückt.

Im Thingvellir National Park

Im Thingvellir National Park

Dann hab ich erst einmal noch ein wenig gearbeitet und an meinem letzten Tag gleich meinen Rucksack gepackt, den Bus genommen und zur Stadtgrenze gefahren. Dort trifft die Ringstraße die Route 36, die größtenteils auch als der „Golden Circle“ bekannt ist. Ich wollte in den Thingvellir National Park und wurde auch fünf Minuten von einem Couchsurfing-Gastgeber, seinem Hund und seinen Besuchern aus Polen mitgenommen. Ihr müsst wissen, es ist nicht nur irgendein stinknormaler Nationalpark sondern hier kann man sehen, wie die Europäische und Nordamerikanische Kontinentalplatte auseinandergerissen werden. Es ist die Erhebung des Mittelatlantischen Rückens an der Oberfläche und ein Tal von gigantischem Ausmaß, das größtenteils mit dem Pingvellir-See gefüllt ist (der größte See in Island). Zudem hat ihr das erste demokratische Parlament der Welt stattgefunden, alle Menschen aus Island waren eingeladen sich am Thingplatz zu treffen, Beschwerden vorzubringen, Gericht zu halten und neue Gesetze zu verabschieden. Ich kann jetzt also behaupten, dass ich für eine Nacht zwischen zwei Kontinentalplatten geschlafen habe (in einem sehr schlecht aufgebauten Zelt. Auf einem sehr windigen Campingplatz.).

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich meine 1500 ISK Campingplatzschulden an die Parkdirektion abbezahlen, aber irgendwie war bei Sonnenaufgang noch keiner da außer mir und da war ich nunmal wach und wollte weiter. Also stand ich um 6:30 Uhr wieder an der verlassenen Route 36 und beschloss, einfach mal in die richtige Richtung zu laufen, irgendwann wird schon einfach ein Auto auftauchen und mich mitnehmen. Tatsächlich hielt drei Kilometer später ein alter Isländer an, der aussah wie der Weihnachtsmann. Er nahm mich mit ins „nächste“ Städtchen – was für meine Verhältnisse ein Dorf 40km entfernt war. Aber in Island scheint jede Siedlung mit mehr als drei Häusern eine Stadt zu sein. Der Mann organisierte mir freundlicherweise eine Mitfahrgelegenheit bei seiner Schwiegertochter, die, genauso wie ich, nach Geysir musste.

Strokkur Geysir

Strokkur Geysir

Da stand ich also um 9:00 Uhr am berühmtesten Geysir aller Zeiten, dem, nach dem alle anderen benannt sind und nichts tat sich. Er wurde leider in den 50er Jahren von Touristen mit Steinen „zugeworfen“, von den Ausbrüchen bis in 80m Höhe sieht man heute deshalb nicht mehr viel. dafür gibt es noch Strokkur, den kleinen Geysir, der freundlicherweise für die Touris alle 10min zuverlässig Wasser in die Luft schleudert.

Von dort aus hat mich dann ein Amerikaner und seine Mutter mit nach Gulfoss, dem großen Wasserfall (und einer von vielen tausend anderen in Island), mitgenommen. Das war schon gigantisch, in der Ferne der Gletscher, direkt vor mir unglaubliche Wassermassen, die in zwei Kaskaden in die Tiefe stürzen. Die gleichen Amis haben mich dann mit nach Selfoss genommen, von wo aus ich mit einer Familie aus Chemnitz nach Reykjavik zurück gebracht hat.

Dann habe ich jetzt wieder sechs Tage gearbeitet und war meistens in der Stadt unterwegs, habe mich mit Leuten aus dem Team unterhalten oder einfach nur in meinem Zimmer entspannt und gelesen. Dazu komme ich hier nämlich fast gar nicht. Vor zwei Tagen war dann wieder super Wetter und ich beschloss um 15 Uhr noch einmal nach Hveragerði hinunterzufahren und den 6km Wanderweg zu heißen Quellen zu machen. Das war auch einfach nur unglaublich gigantisch, an steilen Geröllhängen entlangzulaufen, tief unter mir im Tal der Fluss, vor mir Berge in der Abendsonne. Obwohl es sehr anstrengend war und die Midges in Scharen über das Blut der armen Wanderer herfielen lief ich fast den gesamten Trek. Ich musste leider umkehren, weil es zu spät wurde und ich ja noch irgendwie per Anhalter nach Reykjavik zurück wollte.

Ich muss trotzdem sagen, dass es etwas hat, wenn die Erde unter deinen Fingern warm ist und sich hebt. Man könnte fast meinen, sie atmet an diesen Stellen. Am Ende des Weges wäre aber noch ein warmer Badefluss gewesen. Ich werde also noch einmal nach der Arbeit dorthin fahren und Badesachen einpacken.

Skogafoss

Skogafoss

Heute war nun mein freier Tag. Letzte Woche habe ich eine Kanadierin kennengelernt, die mich eingeladen hat, doch einfach mit ihr an der Südküste entlang hinunter nach Vík zu fahren. Also eine 400km Tour und ich zahle keinen Cent, dazu noch hervorragende Gesellschaft und Abenteuer. Warum nicht?? Um sieben haben wir uns am BSÍ, dem ZOB hier, getroffen, sie hat ein Auto gemietet und los ging’s! Erster großer Halt war Seljalandsfoss, ein Wasserfall unterhalb des Gletschers von Eyafjallajökull. Man kann sogar hinter ihm vorbeigehen. Dazu hat ein Isländer am Parkplatz auf seiner Gitarre gespielt und das hat eine gewisse Stimmung verbreitet. Hat sehr gut zu der Kulisse gepasst, auch wenn die Musik einen hawaiianischen Flair hatte. Danach sind wir weiter zum Skogafoss, was auch einfach nur ein unglaublich großer, massiver, gigantomatischtoller Wasserfall ist. Wir sind sogar die gefühlt 500 Stufen nach oben geklettert um zusehen zu können, wie der Fluss über die Kante stürzt und die Wassertropfen und Sonnenlicht in der Luft Regenbogen entstehen lassen.

am schwarzen Strand von Vík

am schwarzen Strand von Vík

Weiter ging es dann nach Vík an der Südküste, die Stadt mit dem schwarzen Strand. Von dem hatten wir nur gehört, dass die Rückströmung der Wellen extrem stark ist und man sehr einfach nach draußen gezogen werden kann. Das hieß natürlich für mich Schuhe ausziehen, Hose hochkrempeln und durch die kalten Wellen des Nordatlantiks hüpfen. Ich muss sagen, die Gerüchte stimmen. Man spürt den Sog des Ozeans um die Knöchel und hat wirklich das Gefühl man wird ein paar Zentimeter über den Strand gezogen. Auch hat dieser Strand etwas besonderes. Ich habe noch nie schwarzen Sand gesehen und das war ein ganz feiner Strand. Schwarz hat einfach Klasse und es hat sehr gut zu den schroffen Vulkanfelsen und dem tiefen Grün an den Hängen der Bucht gepasst.

Danach sind wir noch mit ein paar Fotostops die drei Stunden zurück nach Reykjavík gefahren. Für mich war der Tag einzigartig, unvergesslich und sehr unterhaltsam. Ich habe eine Einladung nach Kanada und eine nach Brüssel, also auch Pläne für die kommenden Jahre 🙂

© Text & Fotos: Jacqueline Goede

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