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Island-Blog: 8 Wochen am Polarkreis (Teil 4)

Nordlicht über Reykjavic

Nordlicht über Reykjavik

Reykjavik (25.09.2014, © jg) – Meine letzten Tage auf Island haben begonnen… und es regnet. Es regnet viel, in allen Formen. Vertikal, Horizontal, Diagonal, Egal-wie-ich-zum-Wind-stehe-es-trifft-mein-Gesicht oder einfach nur extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Deshalb werde ich die letzten Tage beim RIFF, dem Reykjavík International Film Festival verbringen und viele Filme sehen, die ich normalerweise wohl nicht zu Gesicht bekommen würde.

Was ist seit dem letzten Blog-Eintrag passiert? Einiges. Ich habe Dank einer starken Sonneneruption die Nordlichter über der Stadt gesehen und das war einfach nur genial. Ich war mit ein paar Leuten aus dem Hostel unterwegs und wir waren kurz davor aufzugeben, als sie dann doch erschienen sind. Da ich kein Stativ habe, lag ich auf dem Boden, Kamera auf den Rippen, und hab versucht für dreißig Sekunden die Luft anzuhalten – mein Limit lag leider immer irgendwo bei 25 Sekunden! Die Felsen waren leider zu windig um die Kamera abzustellen. Ich habe keine schönen Bilder machen können, aber für mich reichen sie definitiv um mich daran zu erinnern.

Am Goðafoss

Am Goðafoss

Dank meines Angestelltenbonus bekomme ich einige freie Touren vom Hostel, deshalb entschied ich mich, auf einen vierstündigen Ausritt zu gehen. Normalerweise kann ich Pferde ja nicht anfassen ohne gleich eine laufende Nase und rote Augen zu haben, aber es war ein sehr windiger Tag und ich bekam Ölzeug vom Besitzer. Dadurch kamen meine Klamotten nicht in Kontakt mit dem Pferd und dank geliehener Handschuhe konnte ich Ljós („Licht“), mein Pferd für den Ausritt, auch mal ab und zu streicheln. Es war so sensationell durch die Lavafelder zu reiten! Vor allem, weil Ljós trotz meiner wahrscheinlich extrem verwirrenden Signale (ich habe ja Westernreiten gelernt und sie war Englisch zugeritten) getöltet ist und das ist ja die Besonderheit des Islandpferdes.

Islandpferde so weit das Auge reicht...

Islandpferde so weit das Auge reicht…

Am letzten Wochenende habe ich meinen letzten großen Trip begonnen: hoch in den Norden, zum See „Myvatn“. Ich nahm den Bus von Reykjavík aus soweit ich konnte – ab Mitte September gelten auf Island andere Fahrpläne und die meisten Tourenanbieter schließen! Anschließend bin ich wieder mit dem „Daumen raus“ gefahren, was sich wie immer gelohnt hat. Ein schwedischer Künstler nahm mich mit auf seine Rundfahrt um die Vatnsnes Halbinsel – fantastische Klippen und gefühlte tausend Pferde. Dann saß ich erst einmal eine Weile an der Route 1 fest, was ein bisschen unangenehm war, weil an dem Tag Sturm über den Westfjords war und ich teilweise über die Straße gepustet wurde. Ich schaffte es aber bis um 6 Uhr in Akureyri, die größte Stadt im Norden.

Am Lake Myvatn

Am Lake Myvatn

Dort wurde ich von Arní, einem Biologen, und seinem Hund mitgenommen. Er lebt im Sommer immer am Lake Myvatn und beobachtet die Wasserqualität, Flora und Fauna zusammen mit Studenten und Professoren aus der ganzen Welt. Er lud mich ein, doch einfach in einem der Gästezimmer zu übernachten, weil es nachts nun ziemlich kalt draußen wird (drei Tage zuvor war hat es sogar gefroren!). Er hat mir seine Beobachtungen ein bisschen erklärt. Auf seiner Fensterbank erhält er momentan die letzte Marimo-Alge des Sees. Das Klima und die Wasserqualität haben sich soweit verändert, dass innerhalb eines Sommers die Population von ungefähr 10.000 auf diese eine auf seiner Fensterbank geschrumpft ist. Erschreckend, oder? Der isländische Name, kúluskítur, bedeutet wortwörtlich übersetzt „Scheißball“ – weil sich die Alge immer in den Fischernetzen gesammelt hat und Alge und Scheiße für einen Fischer anscheinend ein und dasselbe sind.

Ihr habt vielleicht von dem Vulkan Bárðarbunga gehört, der hier in diesem Spätsommer seit einiger Zeit Feuer spuckt. Von Myvatn aus kann man ihn bei Nacht sehr gut sehen, weil die Lava die Wolken erleuchtet und das obwohl etwa 200 Kilometer zwischen den beiden Orten liegen! Auf meinem Weg zurück habe ich von einem Berg sogar am nächsten Morgen die Fontänen sehen können, sie erreichen im Moment eine Höhe von bis zu 600 Metern! Der Rauch des Vulkans hing auch über der gesamten Landschaft, und die roten Berge (es ist schon Herbst hier, die Heide ist tiefrot und orange, sooooo schön!!!) sahen dadurch sehr dramatisch aus.

Myvatn heißt übersetzt übrigens „Mückenwasser“ und selbst im September haben mich die Midges gnadenlos überfallen, als ich eine Fünf-Kilometer-Wanderung machte. Ich konnte nicht atmen (diese Fliegen werden von dem ausgeatmeten CO2 angezogen) und wedelte also über eine Stunde mit einem Pappschild vor meinem Gesicht. Ich spüre es immer noch in meinen Armen. Trotzdem ist es einer der schönsten Flecken Islands, mit falschen Kratern, echten Kratern, heißen Quellen und hohen Bergen. Und in der Ferne eben ein feuerspuckender Vulkan.

Islands unendliche Weiten...

Islands unendliche Weiten…

Da ich ja wieder zurück nach Reykjavík musste, beziehungsweise zu einer Bushaltestelle, fuhr ich wieder als Anhalter und dieses eine Mal war wirklich die komischste Erfahrung, die ich je gemacht habe: Ich stehe also im Nirgendwo in Myvatn und ein Farmer in einem alten Jeep hält an. Ich frage ihn durchs runtergelassene Fenster ob er Richtung Akureyri fährt. Er sagt ja, sieht wirklich nett aus und ich steige ein. Als ich mich umdrehe, sehe ich im Rücksitz ein Schaf. Ja. Und es war angeschnallt! Leider war sein Englisch zu schlecht um mir zu erklären, warum genau er ein Schaf mit sich herumfährt, aber soweit ich es verstanden habe, war es aus Versehen beim Falschen Farmer gelandet. Ja. Das passiert auch nicht alle Tage.

Jedenfalls bin ich wieder gesund und am Stück zurück in meinem Zimmer in Reykjavík, neben mir liegt der Filmspielplan und ich versuche mich zu entscheiden, welche ich nun besuchen werde… In wenigen Tagen geht es zurück nach Deutschland – ich hoffe, Euch Lesern hat dieser Island-Blog gefallen!

© Text & Fotos: Jacqueline Goede

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