Reiseblog: Insider Reiseziele und Urlaubtipps

Perlen des Nordens

Abstimmung an der Flensburger Förde. Foto: GOEDE
Abstimmung an der Flensburger Förde. Mit einem Hauch von Südsee, oder?

FLENSBURG (hmg) – Auch wenn die “Schwabenmetropole Stuttgart” unsere (derzeitige) Heimat ist, der Norden mit seinen Vorzügen (weil dort einst aufgewachsen) war und ist immer wieder unser Reiseziel, bekanntlich haben wir hier auf unserer Seite so manches Reiseziel zwischen Nord- und Ostsee bereits vorgestellt.

Schleswig-Holstein mit seinen 15.763 Quadratkilometern und rund 2,9 Millionen Einwohnern ist und bleibt ein beliebtes (meist inländisches) Urlaubsziel, die ausländischen Autokennzeichen (in der Regel dänischer, norwegischer und schwedischer Herkunft) beschränken sich für gewöhnlich auf die A7 von Nord nach Süd und anders rum. Nur bei den LKW sieht man überwiegend die osteuropäischen Kennzeichen, aber das ist wohl bundesweit dasselbe Problem. In den Sommermonaten ist das Wehklagen über die vielen Touristen im Norden groß, doch ohne sie geht es wirtschaftlich halt auch nicht, zumal der aus Windenergie gewonnene Strom mangels Stromtrasse in den Süden nur schleppend ein Exportgut wird. Die Immobilien sind vor allem bei den Hamburgern nahe der dänischen Grenze beliebt. Ok, da sind die Süddeutschen mit der Finca in Spanien oder der Villa in Italien halt nur in die andere Himmelsrichtig geprägt.

"Port Olpenitz" - Tür an Tür mit Kennzeichen aus der gesamten Republik...
“Port Olpenitz” – Tür an Tür mit Kennzeichen aus der gesamten Republik…

Ein Horrorbeispiel des Nordens muss aber sein: Wie zum Donner kann man eine Ferienhausstadt wie das “Ostseeresort Olpenitz” (oder wie die Einheimischen lästern: “Port Olpenitz”) in Zeiten des Klimawandel knapp oberhalb der “Waterkant” an der Schleimündung “hochziehen”?! Reihenhausfeeling pur, kaum Natur, ein eigenes Einkaufszentrum dazu, ein Hafenbecken mit Booten (und schwimmenden Häusern)… und dennoch ist so gut wie jeder noch so unmöglich aussehende Ferienschuppen verkauft oder als “Ferienhaus” vermietet. Fußwege? Fehlanzeige, alles macht man mit dem Auto. Was bitte ist an so etwas Urlaub oder ökologisch? Wer tut sich sowas freiwillig an? Zigtausende. Nun denn, sehen wir es positiv: diese Menschen kommen einem beim (Ruhe suchenden) Individualtourismus schon mal nicht (mehr) in die Quere.

die "Große Straße" in Flensburg
die “Große Straße” in Flensburg

Wenden wir uns da doch lieber den “Perlen des Nordens” zu, die man zwischen Flensburg und Schlei so findet. Und die erste Perle findet man unglaublicherweise mitten in der Großstadt. In Flensburg. Und nein, es ist nicht die von Dänen geflutete Shoppingmeile “große Straße”, die eigentlich nichts zu bieten hat außer Leerstand, x-beliebigen bundesweit zu findenden Kettenfilialen, Fressbuden – und wenig Abstand in Coronazeiten. Binnen kürzester Zeit fühlt man sich unwohl – und flüchtet in die Nebenstraßen – oder über die Südseite der Fördebucht hinweg auf die Ostseite der Stadt, mitten rein in das ursprüngliche (alte) Flensburg. Leere Straßen, wunderschön renovierte historische Häuser. Aufgereiht zwischen der alterwürdigen Kirche Sankt Johannis und der vergleichsweise jungen Kirche Sankt Jürgen weiter nördlich entlang der Johannis- und Sankt-Jürgen-Straße. Selbst zur Hochsaison des Tourismus mitten im Juli begegnet man hier nur wenigen Einheimischen, keinen oder nur wenigen Touristen – dafür prachtvollen Einblicken u.a. in die schmalen “Käptains-Gassen”, die sich von der Sankt-Jürgen-Straße hangabwärts Richtung (Yacht-) Hafen ziehen, oder aber auch in den “Margarethenhof”:

die Marienkirche in Esgrus
die Marienkirche in Esgrus

Eine weitere “Perle des Nordens” findet sich, wenn man von Flensburg die Nordstraße entlang des Südrands der Förde Richtung Osten nimmt: die Marienkirche in Esgrus, deren erste Erwähnung bis ins Mittelalter zurück reicht: Am Ende des 12. Jh. entstand sie als romanischer Feldsteinbau als Saalschiff und eingezogenem quadratischen Chor. Eindrucksvoll vor allem der wuchtige BacksteinKirchturm, ebenso auch der prachtvolle geschnitzte Flügelaltar, dazu die spätgotischen Sakramentsschränke, ein faszinierender Taufstein – und eine Orgel, deren Luft für die Pfeifen noch “getreten” werden muss. Ein Kleinod, das man gesehen haben muss!

Swoboda Fahrzeugkultur zum "anfassen"
Swoboda Fahrzeugkultur zum “anfassen”

Eine ganz andere “alte” Kultur gibt es nur wenige Kilometer weiter in Kalleby zu bewundern – Kleinode der Motorentechnik: Seit mehr als 30 Jahren ist die “Swoboda Fahrzeugkultur” Spezialist vornehmlich für Mercedes und Porsche, aber auch für Maserati, Alfa Romeo, Facel Vega, Lancia und andere Marken. Halt nicht als “Museum” zu verstehen sondern als Fahrzeugdienstleister, aber man kann hier problemlos einen Blick auf Klassiker längst vergangener Autozeiten werfen.

malerische Bucht der Birk
malerische Bucht der Birk

Nach viel Stadtwanderung, Kirchenräumen und Motorengebrumm ist die Natur nicht weit: die Geltinger Bucht mit dem Naturschutzgebiet “Birk”, ein Paradies für rund 200 Vogelarten, also eine Perle der Natur (nicht nur des “Nordens”). Als Landschaftsgärtner fungieren hier die Koniks (Wildpferde) und Galloways Rinder. Allerdings auch hier ist der Bebauungsdruck in den kleinen Ortschaften, die teils unter dem Meeresspiegel bzw. direkt hinterm Deich liegen, unverändert groß. Der Mensch kann es nicht lassen: er will Natur, am besten mitten drin leben – und trägt genau deswegen auf diesem Wege dazu bei, dass genau diese immer weniger wird.

Maasholm
Maasholm

Über Hasselberg geht es zum Fischerdorf Maasholm an der Schlei – der malerische Ort mit alten Reetdach- und Fachwerkhäusern schmiegt sich am Nordufer der Schleimündung an eine leichte Erhebung mit Dorfkirchlein, wird durchzogen von schmalen Kopfsteinpflasterstraßen. Ein gut ausgebauter Rundweg geht entlang der Schlei um den Ort herum zum Hafenbecken. Immer im Blick die einzelnen teils noch historischen Fischerboot-Liegestellen, eingelassen mit Holzbohlen ins Erdreich, um das Boot vor hohem Wellengang zu schützen.

Entspannen und “runterkommen” ist bei den vielen Sitzgelegenheiten an diesem Weg (mit einem wunderschönen Blick über die Bucht) kein Problem.

Arnis an der Schlei
Arnis an der Schlei

Über Arnis mit seiner Fähre über die Schlei geht es zur wahren “Perle des Nordens” – nach Sieseby. Ein kompletter Ort, der unter Denkmalschutz steht – Dank historischer Reetdachhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Ein beschilderter Rundweg lotst einen durch bzw. über den einzigen Weg des Dorfes, vorbei an den malerischen Häusern und liebevoll gepflegten Gärten.

Zurück geht es über den Friedhof hinter der Dorfkirche aus den 13. Jahrhundert mit einer unfassbar schönen Baumallee:

Man muss nun aber nicht unbedingt gleich wieder ins Auto steigen – für Feinschmecker hat es gleich die passende Adresse im Dorf: der “Gastof Alt Sieseby”. Es empfiehlt sich aber (insbesondere in der Hauptsaison) einen Tisch zu reservieren. Coronabedingt sind die Tischangebote etwas weniger – und das Personal kommt evtl. gelegentlich mit dem Service nicht nach. Dafür versöhnen die angebotenen Speisen und die erlesene Weinkarte in vollem Umfang! Und mit Impfnachweis ist der “Schnutenpulli” (zu Deutsch: FFP2-Maske) rasch in der Hosen- oder Handtasche versenkt. Guten Appetit!

Gasthof Alt Sieseby
Dorfstr. 24
24351 Thumby / Sieseby
Tel. 04352 – 956 99 33
www.gasthof-alt-sieseby.de
info@gasthof-alt-sieseby.de

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© Text Hans-Martin Goede 30.07.2021, Fotos © 2021 – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. Eine Auswahl der Motive zu diesem Reisebericht finden sich auch auf ADOBE STOCK HIER!

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