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Auf dem Jakobsweg durch das Margeride

Le Puy en Velay, Startpunkt für den Jakobsweg durch das Margeride

Le Puy en Velay, Startpunkt für den Jakobsweg durch das Margeride

LE PUY EN VELAY – SAINT ALBAN SUR LIMAGNOLE (© hmg 2015) – Viele Wege führen nach Rom. Doch Santiago de Compostela in Spanien ist der Zielort der verschiedensten Jakobswege, die überall in Europa starten. Mit einer der bekanntesten ist allerdings der „Via Podiensis„, auch als „GR65“ bekannt und startet u.a. in Le Puy en Velay (diesen Ort haben wir bereits in unserem Reisebericht zum Margeride vorgestellt).

Seit dem 10. Jahrhundert gibt es inzwischen den Brauch des Pilgerns, die Via Podensis ist einer der ältesten Wege nach Compostela, seit 1998 gehört er auch zum UNESCO-Weltkulturerbe, wenngleich der Schutz nur Abschnitte des Weges betrifft, da moderner Straßenbau im 20. Jahrhundert viele Webabschnitte (gerade in der Auvergne) zu „Umleitungen“ der Pilgerströme zwang. Der Via Podiensis geht eigentlich bis zur Abtei von Aubrac, wir jedoch möchten mit das anstrengendste – wie auch das schönste Stück dieses Wanderweges vorstellen, den man nicht nur ablaufen muss um gepilgert, sondern gerade auch um die fantastische Natur auf diesem Abschnitt erlebt zu haben: von der Kathedrale Notre Dame in Le Puy en Velay bis nach Saint Alban sur Limagnole, dem Eingangstor zum Lozere.

Saint Privat d' Allier

Saint Privat d‘ Allier

Die gesamte beschriebene Wegstrecke durch das Margeride zieht sich über rund 90 Kilometer, es geht mehrere hundert Meter steil bergauf, wie bergab: Das Hochplateau des Margeride wird durchzogen von den „Gorges d`Allier“. Die 90 Kilometer lassen sich in sinnvolle 3 bis 4 Wandertage aufteilen, gern genutzte Stationen sind neben Saint Privat d‘ Allier und Monistrol d’Allier auch Saugues und Le Sauvages, bevor man von dort aus von den Höhen des Margeride in das tiefer gelegene Lozere und nach Saint Alban sur Limagnole gelangt.

Die La Chapelle de Rochegude trohnt über der Allier

Die La Chapelle de Rochegude trohnt über der Allier

Frisch gestärkt (siehe unser Gastrotripp zum L‘ Écu d’Or) beginnt der erste Aufstieg bereits aus dem Tal von Le Puy en Velay auf das unbewaldete Plateau von Montbonnet, bevor man an den vulkanischen Berghängen vor Saint Privat d‘ Allier wieder auf dichte schattenspendende Wälder trifft. Das Angebot an Herbergen (Auberges), Chambre d Hotes (bzw. Gîte d’étape) und auch höherwertigen Hotels ist auf der gesamten Strecke ausreichend – wenngleich zu den touristischen Hochzeiten die Betten schon mal knapp werden können und man besser die Pilgerwanderung durchplant – oder Zelt, Isomatte und Schlafsack mit auf den Rucksack aufsattelt. Die Preise sind manchmal heftig – so manches Werbeschild unterwegs auf dem Weg verspricht ein Bett im Stockbettenzimmer für 39 Euro pro Nacht & Nase mit Frühstück. Aber wer pilgert, sucht ja auch keine 5-Sterne-Unterkunft, auch wenn die Preise nicht die günstigsten sind.

Monistrol d'Allier

Monistrol d’Allier

Mit der schwierigste Abschnitt des Wanderweges durch das Margeride ist die Querung des Tal der Allier. Die Allier ist bekannt für ihre Kayak-Touren (hier ist das Zentrum in Prades), aber auch für ihr schluchtartiges Tal, durch das sich auch eine Eisenbahnlinie schlängelt. Im Juli und August (wie wenige Tage im September) kann man das Tal der Allier übrigens mit einer Museumsbahn befahren um die faszinierende Natur mit der Durchfahrt von schmalen Tunnels und die Kurven durchschneidenden Viadukten zu erleben.

Abstieg auf der Via Podiensis nach Monistrol

Abstieg auf der Via Podiensis nach Monistrol

Von Saint Privat aus geht der Jakobsweg über die Kapelle Rochgude direkt steil abfallend ins Tal der Allier – und auf der Gegenseite auf schmalen Stiegen ebenso wieder bergauf. Man ist nun im Herzen des Margeride angekommen. Die Landschaft hat ein wenig Charakter wie die Schwäbische Alb – nur rauher, natürlicher, französischer, statt Kalk- ist es Vulkangestein – und merklich einsamer. Sofern man nicht mit sich laut unterhaltenden Pilgergruppen unterwegs ist, die mit Bussen zu Einstiegspunkten des Jakobsweg gebracht werden und nach einem gewissen Kilometersoll von diesen wieder eingesammelt werden, damit wieder Ruhe einkehrt.

Blick auf das Margeride von Grezes aus

Blick auf das Margeride von Grezes aus

Blick auf Saugues, im Hintergrund der Mont Mouchet

Blick auf Saugues, im Hintergrund der Mont Mouchet

Von Saugues aus (mit einem wunderbaren Wochenmarkt an einem Freitag am schönsten zu erleben) beginnt der nahezu erholsame Abschnitt des GR65. Der D33 folgend geht es über Grezes (mit dem sehenswerten Turm La Clauze aus dem 13. Jahrhundert) mit fantastischen Landschaftspanoramen gen Osten (Richtung den Bergzügen von Saint Privat) weiter über Chanaleilles (mit einer sehenswerten Kirche aus dem 15. Jahrhundert!) und den Weiler Chazeau langsam dem höchsten Abschnitt der Tour entgegen – auf rund 1.400 Meter geht es nach oben (die Höhenzüge erreichen rund 1.500 Meter)!

Aufstieg hinter dem Weiler Chazeau

Aufstieg hinter dem Weiler Chazeau

Leider hat man gerade hier die schönsten Ausblicke auf diese Hochebene und seine flachen Täler im Rücken – es lohnt sich jederzeit zu verweilen, sich umzudrehen und die rückwärtige Landschaft zu genießen! Der GR65 wird hier begleitet von kleinen Bächen, die den Weg queren – vor einigen Jahren noch über den Weg, heute Dank baulicher Wegbetreuung vielfach auch per Röhre unter dem Weg. Das Wasser ist klar und rein und kann (so es direkt aus dem Wald und nicht über die Kuhweide kommt) ohne Sorge getrunken werden.

Pilger auf dem Wanderweg kurz vor Le Sauvage

Pilger auf dem Wanderweg kurz vor Le Sauvage

Meint man übrigens auf dem Grat oben angekommen zu sein, schwenkt der Weg nochmals um 90 Grad nach links ein paar hundert Meter den Berg hinauf – doch ab dann geht es zielsicher leicht abfallend einem bekannten Etappenziel entgegen: Le Sauvages bietet vielen Wanderern Bett, Bad, Speis & Trank! Nicht mehr weit ist es von hier aus übrigens nach Sainte Eulalie, das das bekannteste Bison-Reservat Europas beheimatet.

Saint Alban sur Limagnoles

Saint Alban sur Limagnole

Weiter geht der Abstieg aus dem Margeride ins Lozere über die Kapelle Saint-Roch (auf ca. 1300 m gelegen)  nach Saint Alban sur Limagnole, ein beschauliches Örtchen mit einer frisch sanierten Festungs-Schloss-Anlage aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Die Gründung der Anlage wird aber auf das 11. Jahrhundert geschätzt – davon ist aber nichts mehr zu sehen. Ebenso sehenswert die Romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert – der Ort selber wirkt in der September-Nachmittagssonne sehr ruhig – man legt nun gerne mal die Füße hoch. Sehr empfehlenswert ist übrigens von Saint Alban aus ein Abstecher nur wenige Kilometer nach Norden: das mittelalterliche Städtchen Le Malzieu mit seiner nahezu erhaltenen Stadtmauer wie Fachwerk- und Steinhäusern der letzten Jahrhunderte – als auch seinem Angebot an Festen rund um die Legende der Bestie des Gevaudan. Sehr sehenswert!

Esel sind traditionelle Lastentiere - sie machen keinen Unterschied zwischen Landwirtschafts- und Touristenpackerl´s auf ihrem Rücken.

Esel sind traditionelle Lastentiere – sie machen keinen Unterschied zwischen Landwirtschafts- und Touristenpackerl´s auf ihrem Rücken.

Ach so ja, eines ist noch mitzuteilen: Es soll Gerüchten zu Folge Esel auf der Strecke geben. Sie haben vier Beine, zwei lange Ohren, sind manchmal störrisch und brauchen keine baumelnde Karotte vor der Nase: Esel werden von traditionellen Pilgern gerne als Lastenträger „gebucht“. Zweibeinige Esel haben wir aber auch gesehen. Das sind die mit Turnschuhen bzw. Sandalen und weissen Socken statt mit festem Schuhwerk…

© Fotos und Text: Hans-Martin Goede. Sie suchen hochauflösendes Bildmaterial von der beschriebenen Strecke? Es kann gegen eine Lizenzgebühr jederzeit bei uns erworben werden.

 

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