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Ein Wochenende im Elsass: Wo die Kirchturmuhr x2 schlägt

Seebach im Elsass, Foto: Hans-Martin GOEDE

SEEBACH (15.07.2022) – Die Kirchturmuhr schlägt elf mal – und schweigt. Zumindest für 30 Sekunden. Dann schlägt sie nochmals elf mal. So wiederholt sich das „Spiel“ stündlich. Dass Kirchturmuhren und ihre Glocken ihre Eigenheiten haben, ist hinlänglich bekannt – aber dies war auch für uns ein neues Erlebnis. Für die Zukunft wissen wir, wenn wir wieder alles doppelt hören, sind wir (wieder) in Seebach, das übrigens im nördlichen Elsass liegt.

Seebach im Elsass, Foto: Hans-Martin GOEDE

Leicht geschwungen liegt der zauberhafte Ort im nördlichen Teil des Departement „Bas-Rhin“ mit seinen pitoresken Fachwerkhäusern an einem flachen Südhang in West-Ost-Richtung, auch am „Nordhang“ findet sich ein Teil des Ortes, der vom „Seebach“ durchplätschert wird. Irgendwie scheint die Zeit in diesem schmucken Dorf stehen geblieben zu sein, das zu den wichtigen Kulturdenkmälern des Elsass gehört: Die Sommersonne, die bunten Gärten und ruhigen wie breiten Straßen des Orts strahlen eine wohltuende Ruhe aus. Nur gelegentlich fährt ein Auto oder (Wein-)Bauer mit seinem Traktor unter dem Kirchturm der Kirche „Saint-Martin“ vorbei, letzterer übertönt vielleicht (so er pünktlich zur vollen Stunde vorbei kommt) mit seinem knatternden Diesel die unzähligen Glockenschläge. Doch das stört kaum – im Gegenteil. Gemütlichkeit und Lebensfreude scheinen hier zu Hause zu sein, Jahreshöhepunkt ist in Seebach die festliche „Streiselhochzeit“ (Blumenstrauß-Hochzeit), die immer am Wochenende zum bzw. nach dem 14. Juli stattfindet. Dann verwandelt sich der Ort in ein Dorf der Zeit vor der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Folklore und Kulinarik. Und obwohl wir seit mehr als 30 Jahren gerne in Seebach zu Gast sind – die Streiselhochzeit fehlt uns noch mit ihren Eindrücken, eigentlich unfassbar!

die „La Vieille Grange“, Foto: Hans-Martin Goede

War bis vor einigen Jahren der Reiterhof am nördöstlichen Rande von Seebach mit seinem Holzofen für den schmackhaftesten berüchtigten „Elsässer Flammkuchen“ berühmt, ist dies seit seiner Schließung nun die „La Vieille Grange“, zu deutsch „die alte Scheune“ (www.lavieillegrangeseebach.com). Anfangs vor rund 20 Jahren noch ein Geheimtipp (mit Öffnung nur von Donnerstag bis Sonntag), hat sich dieses Restaurant, das seit den Anfangstagen von Jean-Marc Bayer geführt wird, in ein gut gehendes Restaurant von Donnerstag bis Montag gewandelt (also nur noch Dienstag und Mittwoch Ruhetag), das heutzutage eine Reservierung unbedingt erfordert. Doch dieser Erfolg ist dem Team um Jean-Marc nicht zu Kopf gestiegen – sie sind weiterhin die liebenswerten wie gemütlichen Elsässer, die es auch mal nicht so genau mit Zeiten nehmen und mit einem schmunzelnden „comme ci, comme ça“ gerne die Gäste verwöhnen.

ein Genuss - die Weine des Maison Jülg. Foto Hans-Martin Goede

Auf der Speisekarte sind schon lange nicht mehr nur die verschiedenen Varianten des Flammkuchen (der in der kalten Jahreszeit am besten vor dem knisternden Kaminfeuer schmeckt), sondern auch allerlei andere elsässische Spezialitäten (wie z.B. dem „Bibbeliskäs“ oder auch einem leichten Sommersalat) aufgetaucht – samt u.a. dem Wein aus dem Ort vom „Maison Jülg“ (vins-julg.fr). Ein Bio-Weingut, das Peter und Lydia Jülg in den 1990er Jahren begründeten – und nach nun rund 25 Jahren besonders schmackhafte Weine produzieren aus den Rebsorten Sylvaner, Pinot Blanc, Riesling, Muskateller, Pinot Gris, Gewürztraminer, Pinot Noir und Chardonnay für einen Crémant. Eine Weinprobe im Innenhof des Maison ist da schon fast Pflicht – und man taucht ein in die Geschmacksnoten Pfirsich, Melone, Aprikose oder dezenten Kräutern.

Wissembourg im Elsass, Foto: Hans-Martin GOEDE

Ein entspanntes Wochenende in Seebach geht schnell vorüber – wer doch noch Zeit übrig hat, kann die Ruhe des Ortes verlassen und in das nur wenige Kilometer entfernt liegende malerische Wissembourg wechseln, um diese Fachwerkstatt mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer und der ehemaligen Benediktinerabtei St. Peter und Paul zu erleben. Quirlig gehts hier zu – im Vergleich zu früher. Denn wer noch das „verschlafene Nest“ der 1990er kennt, merkt doch, wie sehr der Wegfall der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich hier für einen Touristenboom gesorgt hat.

Patisserie Daniel Rebert, Foto Hans-Martin GOEDE

Wer auf Süßes (statt Saures) steht… ab in die Patisserie von Daniel Rebert (patisserie-rebert.fr) und schlemmen, was der Blutzucker so her gibt. Ein Genuß pur! Nur am Kaffeegeschmack … da kann’s noch ein bisschen besser werden. Aber notfalls mit Schokoladentrüffeln, Macarons oder feinsten Törtchen sich „versüßen“! Und wer „auf den Geschmack“ gekommen ist, kann auch einen Kurs beim Meister persönlich buchen. Bon Appétit!

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© Text Hans-Martin Goede 15.07.2022, Fotos © 2012-2022 – gerne erfragen Sie weiteres hochauflösendes Bildmaterial aus unserer umfangreichen Datenbank, wir lizensieren Ihnen gerne gewünschte Motive. 

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